Der Crash-Onkel des 3. Jahrtausend?

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eröffnet am: 03.05.05 19:12 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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1009287 Postings, 6318 Tage moyaDer Crash-Onkel des 3. Jahrtausend?

Der Crash-Onkel des 3. Jahrtausend?

von Jochen Steffens

Heute morgen dachte ich zunächst, aha, die Medien fangen an, es zu verstehen. Es wurde auf einem bekannten Fernsehsender gesagt, dass das schwächere US-Wachstum die asiatischen Märkte stützt, da dort die Vermutung wächst, dass dadurch die US-Zinsen nur moderat weiter ansteigen werden.

Kurze Zeit später folgte auf dem gleichen Sender diese Argumentation:
Die Analysten befürchten, dass die Fed das Wort "moderat" aus ihrem Statement herausnehmen könnte, schließlich verlangsamt sich das US-Wirtschaftswachstum.

Hä? Dieser Argumentation kann ich leider nicht folgen, selbst wenn ich um alle Ecken denke, die ich finden kann.

Bis jetzt scheint immer noch nicht bei den Analysten angekommen zu sein, dass ein schwächeres Wirtschaftswachstum bei schwächerem Ölpreis zu einer Dämpfung der Inflation führen wird (aber natürlich lese ich weiß Gott nicht alle Analysten). Ich bin gespannt, wann die Medien diese Idee aufgreifen werden. Aber in der Hoffnung, die Fed würde das Wortlaut "moderat" herausnehmen, steigt schon mal der Dollar und Gold sinkt. Allerdings sind das nur kleine Kursbewegungen, wenn die Devisentrader wirklich davon ausgehen würden, wäre der Dollar bereits explodiert. Sie können also an der Reaktion des Dollars erkennen, dass kaum ein Devisentrader mit einer Veränderung des Statements rechnet.

Wobei die Fed hin und wieder sehr seltsam unverständliche Dinge macht, das sollte man immer auch in die eigenen Überlegungen einbeziehen.
Zwar hat die Fed mich schon lange nicht mehr überrascht, aber ich kann mich da noch an eine Zeit 2000/2001 erinnern, in der ich wirklich an dem Verstand der Fed gezweifelt habe.

Doch es gibt etwas, das mich wirklich beruhigt:

Sie sollten immer im Hinterkopf behalten, dass Godfather himself, Sir Old Greeny, einen zweiten Crash während seiner Amtszeit nicht zulassen wird, damit er nicht als der Crashonkel des beginnenden 3. Jahrtausend und damit schlechtester Fed-Vorsitzende aller Zeiten in die amerikanische Geschichte eingehen wird!

Also hören Sie nicht auf die Crash-Propheten - zumindest noch nicht.

Wenn ich an Greenys Stelle wäre, würde ich versuchen, die Märkte im ersten Halbjahr vor meinem Amtsende in die Knie zu zwingen. Als eine Art Luftholen und Krafttanken. Dann würde ich dafür sorgen, dass Ende des ersten Halbjahres/Anfang des zweiten Halbjahres die Märkte leicht anziehen, um das Vertrauen der Anleger zu gewinnen. Spätestens im September würde ich die Märkte anfeuern - vielleicht dann sogar weitere Zinssteigerungen ausschließen. Naja - und dann, auf dem Höhepunkt der Märkte, mit dem Dow auf einem neuen Allzeithoch, würde ich mich von der Welt verabschieden, lächelnd und heftig winkend. Was danach passiert, wird der Nachfolger zu verantworten haben ...

Es gibt nur ein Argument, was mir wirklich schlaflose Nächte bereiten würde. Die Märkte mögen keine Unsicherheit. Und eine Fed ohne Greenspan ist zunächst Unsicherheit pur! Das wird die Börsen belasten.
Die Märkte müssen sich schon sehr bullish fühlen, um diese Unsicherheit aufzusaugen. Ohne diesen Faktor wäre ich mir sicher, wie die Märkte sich entwickeln, so bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Wenn Sie jedoch Tendenzen erkennen, dass es sich wie oben angedeutet entwickelt, sollten Sie aufspringen, es könnte höchst lukrativ werden.

Doch zunächst warten wir auf das heutige Statement. Ich denke, es wird nichts geändert werden, die Zinsen werden um 0,25 Basispunkte angehoben, das Wort "moderat" bleibt drin. Zudem glaube ich, dass Alan Greenspan die Märkte zu beruhigen versucht, damit keine Panik aufkommt. Das gilt abzuwarten.
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US-Konjunkturdaten

von Jochen Steffens

Schon gestern wurde der ISM Index des verarbeitenden Gewerbes veröffentlicht. Der ISM Index notiert bei 53,3 %. Erwartet wurde der Index bei 55,0 bis 55,5 % nach zuvor 55,2 %. Auch hier zeigt sich eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums.

Ebenfalls gestern wurden die US-Bauausgaben veröffentlicht, diese sind um 0,5 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,3 bis 0,6 % nach zuvor +0,5 % (revidiert von +0,4 %). Noch immer eitler Sonnenschein auf dem Immobilienmarkt.

Die Industrieaufträge sind um 0,1 % gestiegen. Erwartet wurde ein Rückgang im Bereich 1,1 bis 1,3 % nach zuvor noch -0,5 % (revidiert von +0,2 %). Ohne Transport sind die Industrieaufträge um 1,3 % gestiegen nach zuvor noch -0,6 %.

Die Zahl der Auftragseingänge bei den langlebigen Wirtschaftsgütern ist für März auf -2,3 % revidiert worden von -2,8 %.

Das ist zwar besser als erwartet aber doch noch immer nicht erfreulich.

Gruß Moya

 

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