Der Aufstieg Chinas zur Weltmacht

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Der Aufstieg Chinas zur politischen und wirtschaftlichen Weltmacht

Ulrich Berger und Christoph Stein 28.04.2005

War der Irakkrieg der erste chinesisch-amerikanische Kampf um die Ölvorräte der Welt?

Seit Anfang der 1980er Jahre boomt die chinesische Wirtschaft mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von knapp 10%, während die westlichen Industriestaaten bei 1% bis 3% vor sich hin dümpeln. Das chinesische Bruttosozialprodukt stieg von etwa 760 Milliarden Renminbi Yuan (10 Renminbi Yuan entsprechen 1,2 US$ und der Kurs gilt als unterbewertet, ist aber fest an den Dollar gebunden) auf über 7200 Milliarden Renminbi Yuan (864 Milliarden $) hat sich also in den letzten 25 Jahren fast verzehnfacht. Bei gleichbleibendem Tempo verdoppelt sich die chinesische Wirtschaft alle 6 bis 7 Jahre.

China überschwemmt die westlichen Märkte mit seinen Waren. Es ist längst nicht mehr nur die Werkbank internationaler Konzerne. Es greift nach weltweit etablierten Marken, wie z.B. der PC-Sparte von IBM (1). Chinesische Entwickler produzieren eigene Multimediachips (2), um Lizenzkosten zu sparen. Sie setzen damit eigene Standards. Chinesische Konzerne betreten erfolgreich die Weltbühne. China stapelt gewaltige Devisenreserven in Form amerikanischer Staatspapiere auf seinen Konten. China hat einen unersättlichen Hunger nach Rohstoffen aller Art. Besonders groß ist sein Bedarf nach Öl. Selbst verfügt China nur über 2% der weltweiten Ölreserven. Es investiert in die Ölfelder im Sudan, Venezuela, Kasachstan, Nigeria, Kanada und Indonesien dreistellige Milliardenbeträge. China war vor dem US-Einmarsch stark im Irak vertreten und engagiert sich heute im Iran und in Saudi-Arabien.

Abzusehen ist, dass der Aufstieg Chinas die Gewichte in Weltwirtschaft und Weltpolitik drastisch verändern wird. Über kurz oder lang wird China seine wirtschaftliche Macht auch politisch ummünzen. Dass China dabei seine 150jährige Erniedrigung durch den Westen vergisst oder gar ein liberaler Staat wird, darauf sollte der Westen nicht bauen.

Welche Änderungen im weltweiten Machtgefüge und in den globalen Strömen des Reichtums wird der chinesische Boom auslösen? Was bedeutet der wirtschaftliche Aufstieg Chinas für die USA, was für Europa, was für Deutschland? Ist China nur ein neuer potenter Mitspieler im neoliberalen globalen Spiel? Läutet die neue chinesische Konkurrenz eine neue Runde der Globalisierung ein? Wer wird der Gewinner, wer wird der Verlierer sein?

Oder spielt China ein ganz anderes Spiel? Will China überhaupt im global play, so wie es ist, mitspielen oder wird China die Spielregeln verändern? Was ist die macht- und wirtschaftspolitische Strategie Chinas? Über welche Mittel verfügt China um seinem Willen Geltung zu verschaffen?

Drei Bücher zum Thema sind kürzlich erschienen, die sich mit dem Phänomen China beschäftigen: Wolfgang Hirns "Herausforderung China", Karl Pilnys "Das asiatische Jahrhundert" und Frank Sierens "Der China Code".

Ein neuer Mitspieler?

Für Wolfgang Hirn ist China ein neuer und sehr erfolgreicher global player. China verschiebt die Gewichte in der Welt. In seinem Buch "Herausforderung China" vertritt Hirn die These, China werde zur "Fabrik der Welt", die bisherigen großen Industriestaaten USA, Japan und Europa würden sich hingegen deindustrialisieren, die Massenarbeitslosigkeit würde dort unaufhaltsam voranschreiten. Die Chinesen sind "begnadete Kapitalisten", seit Jahrhunderten ein Volk von Händlern, der Sozialismus in China ist längst nur noch eine hohle Fassade. China wird zur neuen kapitalistischen Weltmacht. Hirn erwartet dort auch zukünftig keine Demokratie im westlichen Sinn, sondern eher eine Entwicklungsautokratie nach dem Vorbild Singapurs.

Für Wolfgang Hirn stehen Verlierer und Gewinner fest. China gewinnt alles. Der etablierte Westen verliert. Er ist der chinesischen Konkurrenz nicht gewachsen.

Die Deindustrialisierung ist durch keine der bei uns diskutierten Reformen aufzuhalten. Ich gehe davon aus, dass der Westen protektionistische Maßnahmen ergreifen wird. Diese Diskussion wird in den USA bereits heftig geführt.
Wolfgang Hirn in einem Interview (3)

Leider ist sein Buch schlampig und flüchtig geschrieben. Es macht den Eindruck, als habe Hirn einen Zettelkasten mit Zeitungsausschnitten ausgekippt und zwischen zwei Buchdeckel gepresst. Jedes erdenkliche Thema wird auf jeweils 2 bis 3 Seiten eher oberflächlich abgehandelt, zumeist eingeleitet durch eine Anekdote, die wohl die Vorstellung vermitteln soll, der Autor sei bei allem was er beschreibt leibhaftig dabei gewesen.

Hirn betrachtet die Entwicklung Chinas aus der engen Perspektive eines Mainstream-Volkswirtschaftlers. Er kann sich China nur wie einen neuen Westen vorstellen, der die wirtschaftliche Potenz für sich monopolisieren will. Jedoch, will China überhaupt die "Werkstatt der Welt" werden und für den Rest der Welt schuften? Und wovon sollte der Westen die Produkte dieser "Werkstatt der Welt" auf Dauer bezahlen?

Neue Konfliktlinien in Asien?

Karl Pilny betrachtet in seinem Buch "Das asiatische Jahrhundert" die Beziehung zwischen der etablierten Wirtschaftsmacht Japan und der kommenden Macht China. Pilny ist ein intimer Kenner der japanischen Kultur, Sprache und Geschichte und der Berater einer englischen Anwaltskanzlei.

Sein Blick auf China ist merklich von dieser Erfahrung geprägt. Seine Beschreibung der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas verlässt nie den Jargon angelsächsischer Wirtschaftsblätter, oftmals vermisst der Leser auch hier die ordnende Hand eines Lektors. Für ihn gibt es offenbar nur einen erfolgreichen Weg ökonomischer Entwicklung und der heißt: Demokratisierung und liberale Reformen. Für die Eigentümlichkeiten der chinesischen Wirtschaftspolitik fehlt Pilny das Sensorium.

Brauchbarer sind seine Überlegungen zu Japan. Japan trägt an einer schweren Bürde, die seine Beziehungen zu den asiatischen Nachbarn vergiftet: die unaufgearbeiteten Verbrechen seiner kriegerischen Geschichte. In der japanischen Gesellschaft und im Verhältnis zu seinen Nachbarn schwelt ein unaufgearbeiteter Konflikt, der Japan prinzipiell unberechenbar macht, insbesondere wenn es sich durch den Aufstieg Chinas bedroht fühlen sollte. Wie das Verhältnis zwischen Japan und China sich entwickeln wird, kann daher niemand voraussehen. Alles scheint möglich, von einer engen Kooperation bis zu schwersten Konflikten.

Karl Pilny fragt sich, welchen Charakter China als Weltmacht haben wird. Für ihn ist China immer noch das konfuzianisch geprägte Reich der Mitte. Es wird daher an "harmonischen und komplementären" Beziehungen interessiert sein, nicht an einer einseitigen Dominanz. Mit dem Aufstieg Chinas zur globalen Supermacht des 21. Jahrhunderts wird sich die Welt grundsätzlich ändern. Die neue Welt wird eine multipolare Welt sein, die ihren Schwerpunkt nicht mehr auf Macht- und Dominanzkämpfe legt, sondern auf Wohlstand für alle. "Trotz jederzeit möglicher Konflikte und Katastrophen birgt das 21. Jahrhundert die Chance zu einem nie da gewesenen materiellen und spirituellen Reichtum der Menschheit. In Pilnys Augen ist Europa für diese neue multipolare Welt besser gerüstet als Japan oder die USA.

China ist nicht der Westen

Auf angenehme Weise unterscheidet sich das Buch "Der China Code" von Frank Sieren von den beiden anderen China-Büchern. Frank Sieren schreibt aus eigener Anschauung. Er lebt seit 10 Jahren in Peking als Wirtschaftskorrespondent, kennt Land und Leute und die chinesische Geschichte. Sein fesselnd geschriebenes Buch zwingt den Leser über den europäischen Tellerrand hinweg zu schauen, tradierte "Selbstverständlichkeiten" in Frage zu stellen. China ist anders als der Westen und diese Andersartigkeit gilt es erst einmal wahrzunehmen. Ausführlich schildert Frank Sieren deshalb die Geschichte Chinas.

Im chinesischen Bewusstsein ist der Aufstieg Chinas das Wiedererstarken der größten und ältesten Kultur der Welt, die eine 150jährige Phase der Schwäche und der Demütigungen endgültig überwunden hat. Chinas Stärke am Anfang des 19. Jahrhundert war paradoxerweise zugleich der Grund für seine Schwäche. China hatte alles. Es gab keine Waren, die die westlichen Kaufleute den Chinesen hätten verkaufen können, denn China stellte alles, was es brauchte, selber her. Die Qualität seiner Produkte war den europäischen häufig überlegen. Die englischen und holländischen Kaufleute konnten die begehrten chinesischen Güter, Tee, Porzellan und Seide auf offiziellem Wege nur gegen Silber erwerben. Der Westen verlor also gewaltige Mengen Silber an China.

Als Ausweg verlegten sich die westlichen Kaufleute auf den Drogenschmuggel mit Opium, das die Briten in ihrer Kolonie Indien anbauen ließen. In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts war schon eine Million Chinesen opiumabhängig, immerhin 1% der Bevölkerung, am Ende des 19. Jahrhundert waren es bereits 12 Millionen. Das Opium machte nicht nur die Bevölkerung süchtig, es ruinierte auch die Wirtschaft. China tauschte Silber gegen Opiumkranke. Das Silber wurde knapp. Die Kaufkraft sank. Die Arbeitslosigkeit stieg.

Der chinesische Kaiser reagierte zu spät. Erst 1838 schritt er ein und konfiszierte große Mengen Opium, um so den Opiumhandel zu unterbinden. Die Briten schäumten vor Wut und forderten Entschädigung. Die Chinesen ignorierten die Forderungen. Verhandlungen führten zu keiner Lösung. Die Engländer ließen die Waffen sprechen. 1842 hatten sie Shanghai und die alte Kaiserstadt Nanjing erobert und blockierten den großen Kanal, den wichtigsten Verkehrsweg Chinas. Nun konnten sie dem Kaiser ihre Bedingungen diktieren. Die südlichen Häfen mussten geöffnet werden, China konnte kaum noch Zölle erheben und Ausländer durften von der chinesischen Justiz nicht belangt werden. Die Chinesen mussten den ersten einer ganzen Kette ungleicher Verträge akzeptieren.

Mit dem Opiumkrieg und den "ungleichen Verträgen" im 19ten und 20sten Jahrhundert erfuhr China schmerzlich, dass es die "Barbaren aus dem Westen" auf gefährliche Weise unterschätzt und sich auf einem trügerischen Gefühl kultureller Überlegenheit ausgeruht hatte. Die chinesische Politik verlor die Kontrolle über den Außenhandel, die Industrien und am Ende selbst über die Armee an die Ausländer. China wurde zum Spielball der europäischen Kolonialmächte, der USA und am Ende der Japaner.

Der Sieg der Kommunisten unter Mao und die Gründung der Volksrepublik 1949 stellten die politische Souveränität der Chinesen über ihr Land wieder her. Dass bis heute der "Große Vorsitzende" in China verehrt wird, ist nur vor diesem Hintergrund zu begreifen. Seither kann keine chinesische Politik es je wieder zulassen, dass Ausländer in China eine beherrschende Machtposition gewinnen. In gleicher Weise ist die Einheit des Landes, die "ein China Politik" ein seitdem unaufgebbarer Grundsatz chinesischer Politik.

Aus der Kolonialzeit haben die Chinesen gelernt, das sie ihr Land nur in dem Maße in die Welt integrieren dürfen, wie es ihren Interessen und Fähigkeiten angemessen ist. Oder anders gesagt: Wenn ein Ausländer in China Geld verdient, muss ein Chinese durch das gleiche Geschäft noch mehr verdienen. Kein großes ausländisches Unternehmen - sei es in der Stahl-, Chemie-, Pharma-, Banken- oder Versicherungsbranche - kann sich in China in eine Richtung bewegen, mit der die Regierung nicht einverstanden wäre.
Frank Sieren

Konkubinenwirtschaft

Wie gelingt China die Integration in die Weltwirtschaft, ohne die politische Kontrolle über die wirtschaftliche Entwicklung zu verlieren? Im westlichen Verständnis erscheint dies wie eine Quadratur des Kreises. Der Rückbau politischer Kontrollen gilt nach den Dogmen des wirtschaftlichen Liberalismus als Voraussetzung wirtschaftlicher Entwicklung. China jedoch kümmert sich nicht um liberale Glaubenssätze und ist dennoch erfolgreich. Wie kann dies funktionieren? Dieser Frage geht Frank Sieren sehr ausführlich nach.

Mit dem schönen Begriff "Konkubinenwirtschaft" beschreibt er das geschickte listige Spiel, das die chinesische Wirtschaftspolitik mit der Gier der westlichen Konzerne treibt, am Beispiel des China-Engagements der großen Autokonzerne.

Die Wahrscheinlichkeit, dem Kaiser einen Sohn zu gebären und damit eventuell die Mutter des Herrschers zu werden, war deutlich höher als die Chance, heute einen bestimmenden Einfluss im chinesischen Automarkt zu bekommen.
Frank Sieren

China ist der größte Binnenmarkt der Erde und die chinesische Wirtschaftspolitik unternimmt alles, um den Massenwohlstand und damit die Kaufkraft zu steigern. Damit hält China ein Monopol. Die Märkte der Industrieländer sind gesättigt, in den meisten Ländern der DrittenWelt ist die Kaufkraft ruiniert. Die globalen Konzerne sind gezwungen, einen Fuß in die chinesischen Märkte zu bekommen. China kann dabei die Bedingungen diktieren, eine Machtstellung, die die chinesische Regierung gnadenlos ausnutzt, mit dem Ziel: Entwicklung ohne Kontrollverlust. Chinas Führung hat hoch gepokert, aber den Konzernen bleibt offenbar keine Wahl: Der Automobilabsatz stagniert weltweit und dem Management sitzen die Analysten im Nacken, die positive Geschäftszahlen oder zumindest zukunftsweisende Geschäftsabschlüsse sehen wollen. Man muss in China dabei sein und dafür jede Kröte schlucken.

Ausländische Autokonzerne durften ausschließlich in Gemeinschaftsunternehmen investieren, in denen die Chinesen die Mehrheit halten. Deren Zahl ist begrenzt. Durch Fusionsanordnungen der Regulierungsbehörden wurde sie noch weiter verringert. Daher müssen zwei oder drei Autokonzerne um denselben chinesischen Partner buhlen. Der Preis ist hoch: Er kostet westliche oder japanische Konzerne Milliardeninvestitionen und ihr Know-how, ohne dass sie die Gewissheit haben, dass sich ihr Engagement tatsächlich einmal rechnet und sie auf Dauer eine marktbeherrschende Stellung gewinnen könnten. Im Gegenteil, sie müssen damit rechnen, dass ihre Kooperationspartner mit Hilfe des importierten Know-hows erfolgreich Konkurrenzmodelle im Markt platzieren.

Die Bussparte von Daimler-Benz musste dies schmerzlich erfahren, eine hundert Millionen Euro schwere Investition wurde ein Flop. Statt der geplanten 7.000 Luxusbusse jährlich, liefen nur wenige hundert vom Band. Der chinesische Partner hingegen produziert in unmittelbarer Nachbarschaft in einem neuen Werk 8.000 Busse pro Jahr, mit dem Know-how von Daimler-Benz, aber in eigener Regie.

Zu den Kröten gehört auch, dass Gewinne nicht ins Ausland transferiert werden dürfen. Sie müssen in China reinvestiert werden. Dass solche und ähnliche Restriktionen den WTO-Richtlinien krass widersprechen, lässt die Chinesen kalt. Wer sich lauthals beklagt, muss mit schmerzlichen Folgen rechnen.

Wenn die Vorschriften auch pro forma in letzter Zeit gelockert wurden, werden Versuche, dem Konkubinensystem zu entkommen, hart abgestraft. BMW kann ein Klagelied davon singen. Hort Teltschik, von 1993 bis 2000 im BMW-Vorstand, gab den Oberschlauen. Entgegen dem dringlichen Rat der Planungsbehörden wollte Teltschik keine Kooperation mit einem der großen Staatsunternehmen, sondern suchte für BMW ein kleines, privates Unternehmen. Ein Vertrag kam zwar zustande. Wegen vorgeblicher Steuerschulden wurde die Kooperationsfirma jedoch in staatliche Regie überführt und BMW kämpft seitdem mit den Tücken einer rachsüchtigen chinesischen Bürokratie.

Das Konkubinensystem, in der Autobranche entwickelt, wenden die Chinesen zunehmend auch in anderen Wirtschaftszweigen an. China lässt sich seinen Fortschritt so vom globalen Kapital finanzieren. Das ist wirtschaftsgeschichtlich eine Innovation und dem üblichen Umgang von Konzernen mit Entwicklungsländern diametral entgegengesetzt. Dass die chinesische Regierung dieses Erfolgsmodell zum eigenen Nachteil ändern wird, ist nicht zu erwarten.

China verfolgt eine Strategie, die an asiatische Kampfsportarten erinnert: Es nützt die Energien der Weltkonzerne für seine eigenen Ziele, indem es ihr Know-how anzapft. Hinzu kommt, daß China eine längere Aufschwungphase haben wird, als Japan: Das Land ist viel größer und es wird mindestens fünfmal länger dauern, bis seine Märkte gesättigt sind. Das könnte, wenn nicht dazwischenkommt, hundert Jahre Aufschwung bedeuten.
Frank Sieren

China bleibt stabil

Die Spekulationen über eine bevorstehende chinesische Wirtschaftskrise halten alle drei Autoren für falsch. Der chinesische Boom ist keine hohle Blase. Er beruht auf einem funktionierenden Geschäftsmodell. Er lebt nicht von Schulden und wilden Versprechungen zukünftiger Gewinne, sondern von realen Investitionen und einem steigenden Lebensstandard der 1,3 Milliarden Bürger des Landes. Die Entwicklung ist atemberaubend und sicherlich nicht problemfrei. Jedoch hat China seine Schwierigkeiten erstaunlich gut im Griff, darin sind sich alle drei Autoren einig.

Die KPCh diskutiert offen die drängenden Probleme des Landes und sie ergreift Maßnahmen um die Probleme zu lösen. Das ist der europäische Beobachter von einer kommunistischen Partei nicht gewöhnt

Ein Problem ist etwa die wachsende Zahl der Wanderarbeiter. Sie ist Folge der Landflucht unterbeschäftigter Bauern in die Städte, in denen aber zu wenig neue Arbeitsplätze entstehend. Um gegenzusteuern, steigert die Regierung massiv die Einkommen der Bauern.

Dem wachsenden Energiehunger des Landes begegnet die Politik mit einer Doppelstrategie: Ausbau der Stromkapazitäten und Anstrengungen beim Energiesparen. Auf beiden Ebenen investiert sie massiv in Forschung und Entwicklung: Ein neues innovatives Stromnetz (4) soll ebenso Erleichterung schaffen wie die Entwicklung von Niedrigenergiehäusern (5) und der Ausbau erneuerbarer Energien (6).

China ist ein Eldorado der Forschung und Entwicklung. Es gibt mehr Geld für Forschung aus als Deutschland und das bei einem Viertel der Lohnkosten. Während in China 250.000 Informatiker jährlich ihr Studium abschließen, sind es in Deutschland 5.000. Die Zahl der Hochschulen und Universitäten in China ist im Jahr 2004 um 179 auf 1.731 gestiegen, insgesamt haben sich 2004 mehr als 14 Millionen Studentinnen und Studenten an chinesischen Hochschulen und Universitäten eingeschrieben (7). Kein Land hat zudem mehr Studenten im Ausland als China.

Die chinesische Politik erstickt Fehlentwicklungen schon im Keim und dabei scheut nicht vor drakonischen Methoden zurück. Die GITIC, eine provinzeigene Finanzierungsgesellschaft der Provinz Guangdong, häufte in den 1990ern Anleihen und Kredite in Milliardenhöhe an und finanzierte so ihre Boomprovinz üppig mit ausländischen Kapital. Eine bedrohliche Blase entstand, ein Angriffspunkt für internationale Gläubiger.

Die Zentralregierung handelte schnell und entschlossen. Die Provinzherrscher wurden ihrer Posten enthoben und Guangdong wurde wieder streng von der Zentrale geführt. Die GITIC und weitere Institute wurden wegen Überschuldung geschlossen. Eine bevorzugte Haftung der Zentralregierung für die Schulden ausländischer Gläubiger wurde abgelehnt, die Provinz hatte nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, für ihre Finanzierungsgeschäfte offizielle Garantien der Zentrale eingeholt. Trotz wilder Proteste, die bis in den deutschen Bundestag (8) vordrangen, verloren 110 ausländische Banken 75% ihrer Einlagen. Dass Schuldenblasen auf Kosten der internationalen Banken bereinigt werden und nicht auf Kosten des Steuerzahlers des Schuldnerstaates widerspricht der üblichen Praxis der letzten 30 Jahre.

Die erfolgreiche Konkubinenwirtschaft und die drastischen, aber effektiven Methoden, die Spekulationsblasen schon im Ansatz verhindern, zeigen, dass eine konfuzianische Wirtschaftspolitik effektiver als eine liberale sein kann.

Die Vorstellung, dass die deutsche Demokratie der Weisheit letzter Schluss sei und die chinesische Diktatur hoffnungslos veraltet, kann uns in eine große Schieflage bringen. Die Demokratie ist wahrscheinlich die überzeugendste Idee des 20.Jahrhunderts, was nicht bedeutet, dass sie in ihrer gegenwärtigen Form auch die erfolgreichste des 21.Jahrhunderts wird.
Frank Sieren

Die chinesische Politik ist nicht nur in der Stärkung der Binnenwirtschaft der westlichen überlegen, auch global bringt China die Verhältnisse zum Tanzen.

China ist ein Entwicklungsland, das sich von der WTO nicht in die Knie zwingen lässt, was Globalisierungskritikern eigentlich gefallen müsste. Das Land unterläuft das Ziel der Welthandelsorganisation, die den Handel um jeden Preis liberalisieren will. Es leistet sich, die soziale Stabilität im eignen Land an erste Stelle zu setzen. Die Grundfesten der WTO-Politik werden dadurch erschüttert.
Frank Sieren

Der Westen in der Globalisierungsfalle

Während der Asienkrise bewies die chinesische Strategie ihre Vorzüge. Frank Sieren beschreibt detailliert, wie die brachiale Marktöffnungspolitik des IWF gegenüber den asiatischen Tigerstaaten 1997/98 Chinas Machtposition in Asien konsolidierte. Es lehnte eine Abwertung seiner Währung ab und hielt sie weiter an den Dollar gekoppelt. Damit konnte die internationale Finanzspekulationen keinen Einfluss auf China gewinnen. China wurde zum Hort der Stabilität und auch Malaysia, das dem chinesischen Konzept folgte, erholte sich schnell wieder von der Krise, während die asiatischen Tiger durch die Rezepte des IWF geschwächt wurden. China nutzte diese Lücke geschickt und etablierte seine Macht in Asien.

China entzieht sich systematisch dem Einfluss der internationalen Finanzmärkte. Es ist finanziell unabhängig, verteidigt diese Unabhängigkeit mit allen Mitteln und hilft anderen Staaten dabei, dieselbe Unabhängigkeit zu gewinnen. Es liegt einzig in den Händen der chinesischen Nationalbank, ob China seine Währung auf- oder abwertet oder dem Spiel des Marktes überlässt Der Einfluss von IWF und Weltbank auf die chinesische Finanz- und Währungspolitik ist gleich Null.

Durch diese Unabhängigkeit ist China auch finanzpolitisch ein Schwergewicht, das den USA auf den Finanzmärkten auf gleicher Augenhöhe gegenübertritt. Das Schicksal des Dollar befindet sich zunehmend in den Händen Chinas.

"Die Dollar-Bombe" titelte der Tagesspiegel am 20.11.2004 im Wirtschaftsteil. Und weiter hieß es: "Amerikas Abstieg zum weltgrößten Schuldner wird zur Gefahr für die Weltwirtschaft: Chinas Regenten haben es in der Hand, ob der Greenback abstürzt."

Die USA verlieren zusehends ihre wirtschaftspolitische Souveränität: Die Handelsströme mit China lassen Chinas Reichtum stetig wachsen und bluten die USA aus, ohne dass die USA irgend etwas dagegen tun könnten. Sie haben ihre Industrieproduktion, insbesondere ihre Konsumgüterproduktion nach China ausgelagert. Damit kommen sie aber aus der Verschuldungsfalle nicht mehr heraus.

Eine deutliche Zinserhöhung durch die FED zur Stabilisierung des Dollarkurses, ist ausgeschlossen. Die innere Verschuldung der USA, insbesondere die exorbitant angewachsenen Hypothekenschulden und die mehr oder weniger faulen Kreditkartenschulden würden kollabieren, und die USA müssten gewaltige Schuldzinsen auf ihre Staatspapiere an ihre Gläubiger zahlen, womit das amerikanische Defizit nur weiter explodieren würde. Eine Stabilisierung des Dollarkurses wäre auf diesem Wege nicht erreichbar.

China wird zum Schrecken amerikanischer Strategen und Wirtschaftstheoretiker. Vor kurzem irritierte etwa der Papst der amerikanischen Wirtschaftswissenschaften, Samuel A. Huntington (9), die ökonomische Gemeinde. Er legte modelltheoretisch dar, dass China im Handel mit den USA der Sieger, die USA dagegen der Verlierer sein könnte. Die US-Invasion im Irak kann man vor diesem Hintergrund als Versuch verstehen, der wachsenden Macht Chinas das Öl abzugraben.

Für China war der dritte Irakkrieg die wohl härteste Niederlage in der kurzen Geschichte der Reintegration in die Weltwirtschaft. Einiges spricht dafür, dass es nicht die letzte Auseinandersetzung zwischen China und den USA um Bodenschätze gewesen ist. Womöglich wird der dritte Irakkrieg nicht als "Kampf der Kulturen" (...), sondern als der erste chinesisch-amerikanische Kampf um die Ölvorräte der Welt in die Geschichte eingehen.
Frank Sieren

Jedoch sind einer kriegerischen amerikanischen Eindämmungspolitik enge Grenzen gesetzt. Chinas Einkäufer sind weltweit unterwegs. Die USA dagegen können nicht in allen Ölländern der Erde ihre Armeen aufmarschieren lassen. Schon jetzt stoßen die USA mit dem Irakkrieg an die Grenzen ihrer militärischen und finanziellen Kapazitäten.

Quo vadis Europa?

Auch für Europa wird der Aufstieg Chinas nicht ohne Folgen bleiben. Wolfgang Hirn sieht die Zukunft schwarz. Deindustrialisierung oder Protektionismus sind für ihn die wahrscheinlichsten Alternativen. Für Karl Pilny hat Europa schon längst den Anschluss an die Entwicklung verloren. Frank Sieren dagegen sieht für Europa goldenen Zeiten kommen. In seiner Phantasie wird sich Deutschland in ein Touristenparadies für Chinesen verwandeln:

Deutschland ist zum beliebtesten Reiseziel von Millionen chinesischer Urlauber geworden. Deutschland, das sind die Märchenschlösser und die lustigen Tänze der bajuwarischen Minderheit im Süden. Und Deutschland bedeutet auch, mit dem alten Transrapid im Emsland im Kreis zu fahren. Deutschland hat Rotschiefer Weinberge am Rhein, bei Berlin ein Gruselkabinett der Nazi-Vergangenheit, Industriemuseen im Ruhrgebiet mit deutschen Maschinen, die nie kaputtgehen, die aber niemand mehr braucht; das Bier natürlich, Grünkohl und Pinkel, Beethovens Fünfte, den Kölner Dom, Bratwurst. Erlebnisse, die mit deutscher Präzision auf die gehetzte Shanghaier Mittelschicht zugeschnitten sind. Schade nur, mag sich der Reisende dennoch sagen, der vielleicht im mittleren Management bei China-Volkswagen in Shanghai arbeitet und sich ins deutsche Hinterland vorgearbeitet hat, das es in Deutschland noch nicht überall aussieht wie in Rothenburg ob der Tauber, sondern dass manche gesichtslosen Mittelstädte sich mit kitschigen chinesischen Restaurants bei ihren Gästen andienen wollen - wo bleibt denn da das authentisch Deutsche, Traditionelle, das der Reisende doch in der Fremde vor allem sucht?
Frank Sieren

Chinesische Weltpolitik

China nutzt sein wachsendes wirtschaftliches Gewicht auch weltpolitisch. Afrika, Indien, Südamerika und Russland, aber auch die Ölstaaten im Nahen Osten gehören zu seinem Operationsgebiet. Je mehr sich die USA auf ihren Unilateralismus versteifen, desto leichter fällt es China Verbündete zu finden und strategische Allianzen zu schmieden.

China unterstützt Russland tatkräftig dabei, sich vom Gängelband des IWF zu befreien und die russischen Ölreserven wieder unter die Kontrolle des russischen Staates zu stellen. Zur Finanzierung der Übernahme von "Yuganskneftegas", einem Filetstück des Yukoskonzern, zahlte die chinesische nationale Ölgesellschaft CNPC dem russischen Staatsunternehmen Rosneft sechs Milliarden US-Dollar als Vorschuss auf zukünftige Öllieferungen, wie "russlandintern" zu berichten (10) weiß. Die russischen Devisenreserven stiegen dadurch auf ein Rekordhoch (11) und Russland konnte seine Schulden beim IWF vorzeitig vollständig zurückzahlen (12).

Aber nicht nur auf dem Öl- und Finanzsektor kooperieren Russland und China, auch im Hightech-Bereich blüht die Zusammenarbeit. Russland unterzeichnete mit den Chinesen 70 Abkommen über die Entwicklung und den Vertrieb von Hightech-Erzeugnissen und Russland will nach dem chinesischen Vorbild Technologieparks einrichten (13).

Bisher gibt es in Russland gerade einmal 87 Technologieparks, von denen nur 35 real funktionieren, während China über 20.000 solcher Hightech-Zonen besitzt. Zu diesem Zweck sollen "besondere Wirtschaftszonen" im IT-Bereich eingerichtet (14).

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao gerät ins Schwärmen: Vor russischen Journalisten erklärte (15) er, dass sich die chinesisch-russischen Beziehungen derzeit in ihrer historisch besten Phase befänden und in eine neue Phase der umfassenden Entwicklung eingetreten seien.

In Südamerika spielt die chinesisch-russische Kooperation über die Bande. Venezuela will seine Öllieferungen in die USA reduzieren und sie stattdessen nach China umleiten. "Chávez hatte bereits wiederholt damit gedroht, den USA den Ölhahn abzudrehen ? zuletzt Anfang des Monats sehr konkret: Er wolle die acht Raffinerien der Tankstellenkette Citgo in den USA verkaufen, die eine Tochter des venezolanischen Staatskonzerns PdVSA ist. Dadurch würde auch die Lieferung venezolanischen Öls nach Nordamerika reduziert", meldete (16) Venezuela Avanza. Gleichzeitig kauft Chavez MiG-29-Jagdflugzeuge und Mi-35-Hubschrauber in Russland und macht damit Venezuela unabhängig von US-amerikanischen Rüstungslieferungen (Kriegsvorbereitungen in Venezuela (17)).

Ähnliche Kooperationen existieren (18) mit anderen südamerikanischen Ländern wie Brasilien und Argentinien:

Chinas Wirtschaftselite steht heute ohne Zögern mit dem Scheckheft parat, wenn es um dringend benötigte Rohstoffe und damit um den Wirtschaftsaufschwung im Reich der Mitte geht. So flossen vergangenes Jahr 2,2 Milliarden Dollar aus China in den brasilianischen Rohstoffsektor, dem Nachbar Argentinien versprachen die Chinesen als Gegenleistung für die Lieferung von Öl und Eisenerz sogar 20 Milliarden Dollar in den kommenden 15 Jahre.

Die chinesische Politik hat nicht vergessen, dass China von den Mächten des Westens übel mitgespielt wurde. Sie bleibt daher auch im Boom parteilich. "Das Schikanieren von schwächeren oder vom Glück weniger verwöhnten Ländern durch mächtigere oder reichere Länder sollte nicht ungestraft bleiben", so der chinesische Ministerpräsitent Li Peng vor dem internationalen Währungsfond 1998.

Es blieb nicht bei bloßen Worten. China unterstützt tatkräftig eine Allianz von Staaten der Dritten Welt, die innerhalb der WTO eine einflussreiche Opposition gegen den Westen bilden. Seitdem ist die WTO blockiert. Alle Ministerkonferenzen der WTO seit Seattle sind gescheitert. Die WTO steht vor einem "Scherbenhaufen", wie es die FAZ nannte (19).

China plündert die internationalen Konzerne aus, es blockiert die WTO, es hilft Staaten der Dritten Welt der Knebelung durch den IWF zu entkommen und es hält die Zukunft des Dollar in seinen Händen. Seine Wirtschaftspolitik ist der des Westens überlegen und es schmiedet weltweite Allianzen. Es mehren sich die Zeichen, dass die Tage der US-amerikanisch dominierten Globalisierung gezählt sind und der Westen an den Rand gedrängt wird. Die Berufung des Neocons Paul Wolfowitz an die Spitze der Weltbank kann man als Antwort der USA auf die veränderten Machtverhältnisse verstehen.

Wir sollten uns auf turbulente Zeiten einstellen.

Frank Sieren: Der China Code. Wie das boomende Reich der Mitte Deutschland verändert. 431 S. Econ 2005 Econ. 19.95 EUR

Karl H. Pilny: Das asiatische Jahrhundert. China und Japan auf dem Weg zur neuen Weltmacht 340 Seiten Campus 2005 Campus. 24,90 EUR

Wolfgang Hirn: Herausforderung China. Wie der chinesische Aufstieg unser Leben verändert. 256 Seiten. Fischer 2005.14,90 EUR

Links

(1) http://www.china.org.cn/german/165059.htm
(2) http://www.china.org.cn/german/163738.htm
(3) http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,345613,00.html
(4) http://big5.china.com.cn/german/165784.htm
(5) http://www.china.org.cn/german/166408.htm
(6) http://www.china.org.cn/german/164520.htm
(7) http://www.china.com.cn/german/160756.htm
(8) http://dip.bundestag.de/btd/14/003/1400337.pdf
(9) http://econ-www.mit.edu/faculty/download_rp.php?id=50
(10) http://wirtschaft.russlandonline.ru/rosneft/...?lang=de&iditem=59
(11) http://wirtschaft.russlandonline.ru/rosneft/...?lang=de&iditem=77
(12) http://wirtschaft.russlandonline.ru/iwf/morenews.php?iditem=43
(13) http://wirtschaft.russlandonline.ru/telecom/morenews.php?iditem=90
(14) http://wirtschaft.russland.ru/mainmore.php?tpl=Telecom&iditem=92
(15) http://www.china.org.cn/german/134456.htm
(16) http://www.venezuela-avanza.de/html/...z_will_ollieferungen_nach.html
(17) http://www.telepolis.de/r4/artikel/19/19892/1.html
(18) http://boerse.gmx.de/news/news_detail.asp?nr=283271
(19) http://www.faz.net/s/...788E05C29A80C2DE0B~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Telepolis Artikel-URL: http://www.telepolis.de/r4/artikel/19/19949/1.html

 
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29.04.05 10:49
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8215 Postings, 7319 Tage SahneThierse gibt Nachhilfe in Geschichte

SPIEGEL ONLINE - 28. April 2005, 16:07
URL: 
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,353855,00.html

China-Besuch
 
Thierse gibt Nachhilfe in Geschichte

Von Andreas Lorenz, Peking

Der hohe Gast aus Deutschland ließ sich nicht einspannen. Bei einem Besuch in Peking wurde Bundestagspräsident Thierse während seines Vortrags auf den japanisch-chinesischen Geschichts-Konflikt angesprochen. Der SPD-Vize enthielt sich der Kritik an Tokio - und erteilte den Zuhörern eine Lektion über Vergangenheitsbewältigung.

Peking - Sie ist die Kaderschule der Nation: In der Nähe des Pekinger Sommerpalastes werden die Genossen auf politische Linie gebracht - jene, die den Marschallstab im Tornister haben, aber auch jene, die in Ministerien, Armee, Polizei und Betrieben die Staatsideologie verbreiten sollen.

Im großen Hörsaal der Zentralen Parteihochschule steht heute das Jubiläum der "Bewegung des 4. Mai" auf der Tagesordnung. Die anti-japanischen Demonstrationen an diesem Tag im Jahr 1919 stehen bis heute für die politische und kulturelle Erneuerung Chinas. Es ist keine Diskussion, Rede reiht sich an Rede. Eine Sprecherin berichtet von den hohen moralischen Anforderungen, die Chinas KP an ihre Mitglieder stellt.

Im modernen Nebensaal - ein ausländischer Gastredner. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse spricht über "Grundwerte für eine gerechte Weltordnung". Die rund 80 Zuhörer: 30- bis 40-jährige Kader, die meisten mit Krawatte und Anzug. Geschlossen strömen sie vom Hörsaal 201 herüber.

Gespräche der deutschen Journalisten mit ihnen seien nicht erwünscht, erklärt zuvor ein Funktionär. Wasserflaschen der Firma "L'origin" sind auf den Tischen in Reihe aufgestellt wie die Ehrenkompanie der Großen Halle des Volkes beim Staatsempfang.

Thierse tritt nicht als Bundestagspräsident auf, sondern als stellvertretender SPD-Vorsitzender, wie er betont. Er spricht über die "zunehmende Verwundbarkeit moderner Zivilisationen" und über die Notwendigkeit, die Uno zu stärken. Er argumentiert gegen eine "unipolare Weltordnung" und setzt auf "Freiheit und Menschenrechte, Recht und Gerechtigkeit, Solidarität und Kooperation als leitende Werte in der Politik".

Das alles ist so überraschend nicht für die KP-Funktionäre, die mittlerweile alle Argumente westlicher Politiker kennen dürften. Doch plötzlich wird es interessant, als Zuhörer das schwierige Verhältnis Chinas zu Japan ansprechen. In den letzten Wochen hatte es mehrere anti-japanische Demonstrationen gegeben, bis die Polizei die Proteste schließlich vorige Woche verbot.

Im Gegensatz zu den Deutschen, so ein Fragesteller, hätten die Japaner ihre Gräueltaten in China und ganz Asien in den dreißiger und vierziger Jahren nicht aufrichtig aufgearbeitet und seien deshalb "nicht qualifiziert" für einen ständigen Platz im Uno-Sicherheitsrat.

Thierse allerdings tut den Funktionären nicht den Gefallen, in die Japan-Kritik einzustimmen. Anderen die Vergangenheit vorhalten solle man erst, "wenn man selber dazu bereit ist, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen", erklärt er. "Wenn China ein überzeugendes Beispiel im Umgang mit der eigenen Geschichte liefert, ist es in einer moralisch vorzüglichen Position." Denn, so Thierse: "Vergangenheit ist nicht nur Vergangenheit von anderen. Vergangenheit gibt es im jeweiligen Land auch."

Was er konkret meint, sagt er höflicherweise nicht. Doch die Funktionäre verstehen vermutlich auch so: Die KP Mao Tse-tung hat zwischen den fünfziger und siebziger Jahren unendliches Leid über die chinesische Bevölkerung gebracht - und verschweigt, verdreht und verschönt das dunkle Kapitel der eigene Geschichte. Die als "Großer Sprung nach vorn" bekannte Zwangs-Industrialisierung zum Beispiel kostete vermutlich 30 Millionen Bürgern das Leben. Ein Thema in den Schulbüchern ist die Tragödie ebenso wenig wie die blutige Kulturrevolution oder das Tiananmen-Massaker.

Der deutsche Gast fordert die Zuhörer dazu auf, sich mit den Japanern an einen Tisch zu setzen, um über Geschichte und Vorurteile zu reden. "Der Größere, der Stärkere, der Mächtigere sollte Einladungen aussprechen, etwas vormachen und die anderen beschämen, wenn Sie so wollen."

Die Genossen sind verblüfft und applaudieren zögerlich.
 


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29.04.05 11:15

7336 Postings, 6706 Tage 54reabchina in kurzen worten:

- eine stetig verarmende landbevölkerung, die einem nie dagewesenen elend entgegenstrebt. die landbevölkerung stellt die mehrheit dar. so viel zur priorität "sozial".

- riesige, künstlich protegierte, exportüberschüsse. schlimmer als in deutschland. typisch für eine bananenrepublik. so wird man weder eine weltmacht nocht erreicht man eine große unabhängigkeit. die abhängigkeit steigt in wirklichkeit laufend an.

- eine weltweit einzigartige koruptions- und gefälligkeitswirtschaft. nicht die leistung wird belohnt. nur die clanmitgliedschaft zählt. ist behilflich bei der ausbeutung der arbeitenden bevölkerung. wird jedoch nicht zu eigenen kreativen spitzenleistungen führen.


sichtbare konsequenzen:

- die zensur muss laufend erhöht werden um die unterdrückung aufrecht zu erhalten. in normalen entwicklungen würde die zensur bei steigendem wohlstand zurückgehen.

- die repression gegen "politische" gegner muss laufend hochgeschraubt werden (steigende zahlen von "politisch" gefangenen).

- das regime ist inzwischen gezwungen auf den"äußeren feind" zu setzen und schürt die protestkampagnen gegen japan um von sich abzulenken.



ich würde keinen cents in china investieren.


 


 

29.04.05 11:49

13393 Postings, 6378 Tage danjelshakebeschreibst du china oder die usa??

- eine stetig verarmende landbevölkerung, die einem nie dagewesenen elend entgegenstrebt. die landbevölkerung stellt die mehrheit dar. so viel zur priorität "sozial".

- riesige, künstlich protegierte, exportüberschüsse. schlimmer als in deutschland. typisch für eine bananenrepublik. so wird man weder eine weltmacht nocht erreicht man eine große unabhängigkeit. die abhängigkeit steigt in wirklichkeit laufend an.

- eine weltweit einzigartige koruptions- und gefälligkeitswirtschaft. nicht die leistung wird belohnt. nur die clanmitgliedschaft zählt. ist behilflich bei der ausbeutung der arbeitenden bevölkerung. wird jedoch nicht zu eigenen kreativen spitzenleistungen führen.


sichtbare konsequenzen:

- die zensur muss laufend erhöht werden um die unterdrückung aufrecht zu erhalten. in normalen entwicklungen würde die zensur bei steigendem wohlstand zurückgehen.

- die repression gegen "politische" gegner muss laufend hochgeschraubt werden (steigende zahlen von "politisch" gefangenen).


trifft alles auf die vereinigten staaten zu... und die sind ja auch ne weltmacht.
da würd ich aber keinen cent mehr investieren ;o)

mfg ds  

29.04.05 11:52

10314 Postings, 7370 Tage chartgranateHut ab,Thierse

gut gemacht  !!
Wer von euch den,unbestreitbaren,Aufstieg Chinas zu einer gigantischen Macht und die Art und Weise wie es geschieht toll findet und gar das politsche,soziale und wirtschaftliche System dort (welches untrennbar als Gesamtbild zu sehen ist und nicht ein paar wohlklingende Häppchen herausgegriffen werden sollten, unter deren Schatten dann alles andere akzeptabel wäre....) gut findet liegt furchtbar falsch und wird sich in ein paar Jahren noch sehr wundern.......
Klasse Artikel in Pos.1 !!  

29.04.05 11:53

69031 Postings, 6404 Tage BarCodeHm, ds

Wo nimmst du denn die Exportüberschüsse her?

Gruß BarCode  

29.04.05 12:16

13393 Postings, 6378 Tage danjelshakewaffen? o. T.

29.04.05 12:55

69031 Postings, 6404 Tage BarCodeExportschüsse? o. T.

29.04.05 15:19

463 Postings, 6250 Tage Piussehr gut, reab

Du hättest es auch mit einem Wort sagen können: Kommunismus!  

29.04.05 15:43
1

9123 Postings, 7534 Tage ReilaPius und reab54: Voll daneben!

Was in China geschieht, ist enfesselter Kapitalismus ohne staatliche Schranken und ohne einen Hauch soziale Abfederung. Einzige politische Prämisse: Die Macht der KP darf nicht angetastet werden. Was hat denn das mit Kommunismus zu tun?
Die Zeiten, wo in China nur Produkte billig kopiert wurden, gehen langsam vorbei. In schon 20 Jahren werden sich viele wundern, welche Weltmacht China darstellt nicht nur militärisch, sondern auch auf wirtschaftlichem und technologischen Gebiet. China wächst seit rund 20 Jahren mit 9 % jährlich und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Aber schön für Rothenburg ob der Tauber. Da wird es bald mehr chinesiche als japanische Touristen geben.  

29.04.05 15:48

Clubmitglied, 46394 Postings, 7554 Tage vega2000Gebts dem danjelshake für seine Überschrift

in Nr. 10 einen Grünen, bitte.

"beschreibst du china oder die usa??"  

29.04.05 16:53

463 Postings, 6250 Tage PiusReila

Hatte irgendwas in dieser Welt jemals mit Kummunismus zu tun?

Kummunismus wurde doch bisher von den Funktionären nur als Aufhänger benutzt um selbst nicht als Diktatur da zu stehen. Ich bin fest davon überzeugt, das die wirtschaftliche Freiheit genau da aufhören wird, wo die Politfunktionäre ihre Macht bedroht fühlen.  

29.04.05 19:19

7336 Postings, 6706 Tage 54reab@reila: von kommunismus schrieb ich

nichts. unetr diesem begriff wird von vielen so viel unterschiedliches verstanden, dass man damit nur missverständnisse erzeugen kann. es geht in wirklichkeit um eine menschenverachtende und korrupte clanwirtschaft. ein entfesselter kapitalismus ist das nicht. sonst würde wenigsten sowas wie gewerbefreiheit bestehen. zum wachstum nur soviel. bei allen ländern, die einen breiten wohlstand erreicht haben, wurde das wachstum gering. 1% von 10000 ist eben wesentlich mehr als 10% von 100. in den 60er hatten wir auch tolle wachstumszahlen. allerdings war das wachstum inflationsbereinigt absolut niedriger wie heute. mein bäcker will für seine semmeln imme absolte Euros und weigert sich standhaft sich mit prozenten zahlen zu lassen.


 
 

29.04.05 19:42

15130 Postings, 7174 Tage Pate100mein lieber reab

" es geht in wirklichkeit um eine menschenverachtende und korrupte clanwirtschaft."
Also in der Beziehung unterscheiden sich die USA und China ja nun nicht wirklich.

Ich gehe mit dir jede Wette ein das am ende des 21 Jahrhundert die USA nicht mehr
die einzige Supermacht sein werden! Das wird mit China, Indien und Russland das Asiatische Jahrhundert werden. (Brasilien sollte man auch nicht vergessen)

Das amerikanische System wird wird in diesen Jahrhundert untergehen. Man merkt doch schon jetzt das es an allen Ecken und Enden bröckelt!
Vielleicht dauert es noch 10 oder 20 Jahre aber das System wird nicht überleben.

Meine Meinung... Vielleicht ist aber auch nur der Wunsch Vater des Gedanken...:-)


Gruß
Pate
 

29.04.05 19:47

59073 Postings, 7476 Tage zombi17Ich lehne mich mal mit einer Prognose aus dem

Fenster: Ende des 21Jahrhunderts wird es nur noch sehr sehr wenige Menschen geben.
Die Männer werden etwas Essbares suchen und die Frauen machen die Höhlen sauber.  

29.04.05 19:50

15130 Postings, 7174 Tage Pate100@zombi

das ist wohl die warscheinlichste Variante...
Naja mit viel Glück ham wir ja vielleicht noch 20 - 30 Jahre...:)

Gruss Pate
 

29.04.05 19:56

7336 Postings, 6706 Tage 54reabeine meinung allein reicht nicht.

wir jammern hier über die vergreisung der bevölkerung. schon mal angeschaut wie das ganze in 40 jahren in china aussieht? da herrschen bei uns geradezu paradiesische zustände. das ende des jahrhundert ist mir zu fern um darüber zu spekulieren. dazu empfehle ich das lesen von spekulationen über die zukunft von 1905.

mit welcher begründung gerade russland, die heute trotz riesiger korruption sich nicht von der stelle bewegen, führend werden soll ist mir absolut schleierhaft. momentan geht es dort immer noch bergab - nicht mit der mafia aber mit der normalen bevölkerung.

ich selbst hatte die usa hier nie ins spiel gebracht. das wurde nur von unserer bekannten usa-hasserfraktion reingebracht. die wünscht sich lieber als weltmachtführer ein menschenverachtendes regime. oder trauert sie in wirklichkeit nur dem zusammengebrochenen ostblock nach? sie wollen eben immer noch von der sowjetunion lernen!


 

 

29.04.05 19:58

59073 Postings, 7476 Tage zombi17Nie vergessen, Hollywood hat immer alles vorweg

genommen, warum soll ausgerechnet "The Day After","Planet der Affen" oder "Virus" nicht eintreten? Als junger Mensch würde ich mir um Altersvorsorge keine grossen Gedanken machen.  

29.04.05 20:07

15130 Postings, 7174 Tage Pate100@reab

"mit welcher begründung gerade russland, die heute trotz riesiger korruption sich nicht von der stelle bewegen, führend werden soll ist mir absolut schleierhaft."

Weil vielleicht Russland mit die größten Rohstoffvorkommen der Erde hat?!
Aus geostrategischen Gesichtspunkten...
Ich denke Rußland wird noch enorm von Ihrer Lage im Herzen Eurasiens profitieren...

Wie auch immer, mit Rußlamd wird wieder zu rechnen sein!
 

29.04.05 20:14

59073 Postings, 7476 Tage zombi17Wie sieht das eigentlich aus?

Russland hat unermessliche Bodenschätze und eine gemeinsame Grenze mit China! Hören die Bodenschatzvorkommen an der Grenze auf? China ist diesbezüglich noch jungfreuliches Terrain, oder?  

29.04.05 20:34

15130 Postings, 7174 Tage Pate100ich denke

es wird eher an der Grenze oder zwischen Indien und China Spannungen geben.

Chine und Russland provitieren zu stark von einander(Rüstung, Rohstoffe...).
Ich kann mir momentan nicht vorstellen das es da zu Spannungen kommen wird.

Ausserdem kann sich China ja nicht mit jeden anlegen. Werden schon mit den
USA, Indien und Japan genug zu tun haben...

Aber wer weiss schon was in 10 oder 20 Jahren sein wird!  

29.04.05 21:01

7336 Postings, 6706 Tage 54reab@Pate100: es ist doch wirklich

keine neue erkenntnis, dass russland große rohstoffvorkommen hat. das hat allerdings bis heute nicht den weiteren verfall behindert. unter den industrienationen kenne ich kein land, das derartig verfällt und verkommt. da du russland allerdings erst für das jahrhundertende als führende welt- und wirtschaftsmacht siehst, scheint der verfall erst mit dem ende der rohstoffen zu kommen. müssen wir eben noch warten ....

rohstoffe allein waren noch nie eine grundlage um ein land reich und seine bevölkerung wohlhabend zu machen. wenn man dann noch bedenkt, dass russland kaum in der lage ist, diese vorkommen aus eigener kraft auszubeuten, könnte man es eher mit einigen zentralafrikanischen staaten vergleichen. dort gibt es auch sehr große rohstoffvorkommen.


 


 

30.04.05 16:48

15130 Postings, 7174 Tage Pate100Russland

und Russland hat noch nicht mal damit begonnen seine Rohstoffe konsequent abzubauen...
Du hast Recht, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion herrschte Chaos (dank Jelzin)
und das das Land zerfiel.

Aber ich habe den Eindruck, das langsam der Riese wieder erwacht!
Russland ist Weltspitze in der Rüstung(Exportweltmeister, vor der USA) und hat gigantische
Rohstoffvorkommen. In den kommenden Jahren wird wohl eine große Nachfrage nach
diesen Gütern herrschen.

Mein Fazit: Mit Russland wird wieder zu rechnen sein!! (und in Russland sollte man investieren...)



 

Russland - allgemeine Information

Russland

Russland im Überblick


Die letzten Jahre wurden in Russland durch eine positive Veränderung der maßgebenden makroökonomischen Daten gekennzeichnet.

Einen wichtigen Grundstein für ein anhaltendes Wachstum der russischen Wirtschaft bildeten die erklärten Vorhaben von russischen Präsidenten Wladimir Putin, der seit 2000 dieses Amt bekleidet. Er hat sich zum Ziel gesetzt das russische Sozialprodukt binnen zehn Jahren zu verdoppeln. Einige dafür erforderliche Schritte wurden bereits in die Wege geleitet. Sie führen zur Beseitigung bestehende Strukturprobleme, Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung und Herstellung von marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Verbesserung des Investitionsklimas.

Im Jahr 2003 erfolgten unter anderem zahlreiche Entwicklungen im Steuerrecht, welche der Verringerung vom allgemeinen Umsatzsteuer zum 1.1.2004 von 20 % auf 18 % zu Grunde liegen. Nach der Pensionsreform wurden neue positive Impulse dem Lebensversicherungsmarkt vermittelt. Mit dem Inkrafttreten des neuen Zollkodex der Russischen Föderation am 1.1.2004 setzte der russische Gesetzgeber eine Reihe bedeutender Kodifikationen grundlegender Rechtsgebiete erfolgreich fort.
Die konsequente Durchführung akut gewordenen Reformen aber auch die anhaltend hohe Ölpreise auf dem Weltmarkt sorgten dafür, dass die russische Wirtschaft trotz der weltweiten Konjunkturflaute ihren Wachstumskurs fortsetzen konnte. ( BIP ? Wachstum betrug ab 1999 fast 30%)

BIP, Gold- und Devisenreserven


Anfang Dezember revidierte der Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, German Gref, seine Erwartungen bezüglich des Wachstums des realen Bruttoinlandsproduktes in Russland für das Jahr 2004 von 6,9% auf 6,8%. Russland behält somit weiterhin stabil eine Spitzenposition beim Zuwachs des realen BIP-Volumens unter den Industrieländern. Die Preissteigerungsrate wird gegenüber dem Vorjahr auf 11,5 % geschätzt, was vor allem durch den erheblichen Anstieg der Preise für Treib- und Schmierstoffe sowie für Fleisch- und Milchprodukte verursacht wurde.

Die starken Devisenzuflüsse aus dem Ölexport und der sinkende Dollar-Kurs haben seit Dezember 2003 zur einer Aufwertung des effektiven Rubel-Wechselkurses um ca. 6% geführt. Ende November 2004 erreichten die Gold und Devisenreserven einen Rekordstand von über 117 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von ca. 50 % gegenüber dem Vorjahresstand entspricht.

Der Haushaltsüberschuss im Jahr 2004 beträgt voraussichtlich über 463 Milliarden Rubel (ca. 12,5 Mill. Euro) und ist damit fünf mal so hoch wie ursprünglich vor
Einkommen


Die Realeinkommen der russischen Bevölkerung sind im Jahr 2003 um 14,5% gestiegen, und seit Anfang 2004 bis Oktober 2004 wiederum um fast 13%, was eine gewisse Ankurbelung der Nachfrage insbesondere nach Konsumgütern verursacht hat. Jedoch haben zum 1. November 2004 3 200 000 Personen bzw. jeder neunte Beschäftigte in den untersuchten Wirtschaftszweigen ihre Löhne und Gehälter mit Verspätung bekommen, was zum größten Teil auf fehlende Eigenmittel der betreffenden Institutionen zurückzuführen ist. Gegenüber dem Vorjahreswert konnte man hier jedoch einen Rückgang um fast 34 % beobachten.

Der durchschnittliche Monatslohn im gesamten Gebiet der RF betrug in den ersten drei Quartalen des Jahres 2004 6583,6 Rubel (ca. 180 Euro), in der Stadt Moskau jedoch 10122,5 Rubel (ca. 275 Euro).

Besonders hervorzuheben ist, dass bis zu 85% der Einkommen für Konsumzwecke verwendet werden. Die Weltbank-Experten stellen einen deutlichen Rückgang der Armut in Russland im abgelaufenen Jahr fest, weisen allerdings daraufhin, dass der Großteil des Wachstums ungleich verteilt ist und daher die Entwicklung noch nicht absehbar sei.

Industrieproduktion


Die Industrieproduktion in Russland ist von Januar - September 2004 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent gewachsen, so das russische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel Russlands.
Selbst die russische Kfz-Industrie befindet sich wieder im Aufwind: im Jahr 2003 liefen fast 5% mehr Fahrzeuge von den Bändern als im Jahr davor. Die besseren Ergebnisse der russischen Pkw-Produktion sind allein auf die verstärkten Aktivitäten ausländischer Automobilkonzerne vor Ort zu führen. Die ?Ausländer? haben schon 2003 mit überdurchschnittlich starken Wachstumsrate geglänzt. Immer mehr ausländische Kfz-Zulieferer kommen auf den russischen Markt. Einige sind bereits erfolgreich auf dem Markt vertreten.
Vor allem der russische Markt der Informationstechnologien entwickelt sich sehr stark, im laufenden Jahr wird er wohl um 22 - 23 % wachsen. Dabei soll der Export von Software um 80 % ansteigen, dieser stellt jedoch nur 10 % der gesamten Softwareproduktion der RF dar.


Investitionen

Nach den neuesten Schätzungen des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handelwerden die Investitionen in Russland in diesem Jahr um 10,5 Prozent wachsen. Das ist zwar weniger als in der ursprünglichen Prognose mit 11,5 Prozent veranschlagt. Die makroökonomische Situation wird jedoch weiterhin positiv eingeschätzt, vor allem, weil das Investitionsrating, ungeachtet aller Schwierigkeiten, steigt. So haben die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's und Moody's im Laufe des Jahres mehrmals verschiedene Ratings angehoben, z. B. hob Moody's die Kreditwürdigkeit Rußlands im Oktober an, Fitch im November die langfristige Kreditwürdigkeit Russlands bei Verbindlichkeiten in nationaler Währung. Die Situation in Rußland werde als ?stabil? eingestuft.
In der ersten Jahreshälfte 2004 waren fast 19 Milliarden US-Dollar (um 50 Prozent mehr als in der gleichen Zeitspanne 2003) in die russische Wirtschaft angelegt worden. Das akkumulierte ausländische Kapital in der Wirtschaft Russlands machte per Ende Juni 2004 66 Milliarden Dollar aus. Die Hauptinvestorländer sind nach wie vor Deutschland, die USA, Zypern. Zugleich investierte Russland im ersten Halbjahr 2004 15,285 Milliarden Dollar ins Ausland (um 56,9 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2003). Die größten Bezieher der russischen Investitionen sind nach Rosstat-Angaben Großbritannien (1,332 Milliarden Dollar oder 17,9 Prozent des Gesamtumfanges der akkumulierten Investitionen), die USA (1,291 Milliarden Dollar oder 17,3 Prozent) und Zypern (1 Milliarde Dollar oder 13,4 Prozent).


Außenhandel


Der Außenhandelssaldo stieg im Zeitraum vom Januar bis Oktober 2004 auf 71,4 Milliarden Dollar und erreichte somit eine neue Rekordhöhe. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte Russlands Außenhandelssaldo 50,1 Milliarden Dollar betragen, was einem Zuwachs von ca. 42% entspricht.

Bis Juni 2004 wuchs sowohl der Export als auch der Import an Güter und Leistungen um ca. 25% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Darunter betrug der Export an Waren 78,6 Milliarden Dollar und überstieg die analoge Kennziffer vorigen Jahres um 25,2 Prozent. Der Warenimport belief sich auf 42,3 Milliarden Dollar (Wachstum um 24,7 Prozent). Die Handelsbilanz wies nach wie vor einen Aktivsaldo auf: 36,3 Milliarden Dollar gegenüber 28,9 Milliarden Dollar in der ersten Hälfte 2003.

Nach Angaben der Zollstatistik machte der Exportumfang von Brennstoff- und Energiewaren im ersten Halbjahr 2004 41,5 Milliarden Dollar (Zuwachs um 14,6 Prozent gegenüber der ersten Jahreshälfte 2003) aus. Darunter wurde Rohöl für 21,6 Milliarden Dollar (Vergrößerung um 21,7 Prozent) exportiert. Der Exportumfang von Metallen und Erzeugnissen daraus betrug 13,6 Milliarden Dollar (Wachstum um 59,9 Prozent), von Maschinen, Ausrüstungen und Transportmitteln 6,5 Milliarden Dollar (21,4 Prozent), von chemischen Erzeugnissen 5,3 Milliarden Dollar (22,4 Prozent), von Holz und Zellstoff- und Papiererzeugnissen 3,4 Milliarden Dollar (22,32 Prozent).

Dabei machte der Import von Maschinen, Ausrüstungen und Transportmitteln im ersten Halbjahr 2004 13,2 Milliarden (Zuwachs um 44,4 Prozent gegenüber der gleichen Zeitspanne des Vorjahres), von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Rohstoffen für ihre Produktion 6,3 Milliarden Dollar (12,2 Prozent) und von chemischen Erzeugnissen 5,4 Milliarden Dollar (25,8 Prozent) aus.

Im Januar-Juni 2004 kamen 40,1 Prozent des Außenhandelsumsatzes Russlands auf Länder der Europäischen Union. Darunter betrug der Außenhandelsumsatz mit Deutschland 10,4 Milliarden Rubel (Wachstum um 20,7 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2003).

Nach Schätzungen des Wirtschaftsministeriums wird sich der russische Export gegen das Jahr 2007 auf 181,9 Milliarden Dollar und der Import auf 130 Milliarden Dollar erhöhen. Im Jahre 2004 wird sich der Export nach Angaben des Ministeriums wertmäßig auf 160,7 Milliarden Dollar, im Jahre 2005 auf 163,2 Milliarden Dollar und im Jahre 2006 auf 172,5 Milliarden Dollar belaufen.

Auch der Import wird zunehmend wachsen. So wird der Import laut der Prognose des Ministeriums im Jahre 2004 wertmäßig 93 Milliarden Dollar, im Jahre 2005 etwa 104,7 Milliarden Dollar und im Jahre 2006 etwa 116 Milliarden Dollar betragen.


Fazit aus dem Jahresbericht des Verbandes der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation 2003.

?Russland befindet sich weiter im Aufwind. Die Chancen auf dem russischen Markt sind greifbar geworden. Die deutsche Wirtschaft darf und wird die rasanten Entwicklungen nicht verschlafen! Die Konkurrenten aus den westlichen Industrienationen (z.B. USA und Italien) treten verstärkt in den russischen Markt ein. Aber auch die einheimischen Unternehmen werden ?erfreulicherweise ? immer konkurrenzfähiger.

Politische Stabilität, konsequente Wirtschaftsreformen, ein Mehr an Transparenz und Verlässlichkeit, ein beachtliches Wirtschaftswachstum sowie eine neue Generation von hervorragend ausgebildeten jungen Leuten und ein Wandel in der Unternehmenskultur ? das sind die positiven Kennzeichen des Russlands von heute. Darauf kann man ein geschäftliches Engagement in Russland gründen.?

 

30.04.05 17:03

15130 Postings, 7174 Tage Pate100Rußland...

Rußland - der flächenmäßig größte Staat der Erde - erstreckt sich über 17 Mill. km2 und ist damit 1,8 mal so groß wie die USA und hat die 49-fache (!) Größe Deutschlands. Es leben 145 Millionen Einwohnern dort - Hauptstadt Moskau 8,8 Mill. Einwohner. Die Ost/ Westausdehnung ist gigantisch und zieht sich über 9 000 km, die Nord/ Südausdehnung ist mit 4 000 km ebenfalls beeindruckend. Auf und unter dieser riesigen Fläche lagern unermeßliche Vorkommen an Rohstoffen jeglicher Art. In Sibirien - Fläche 12,8 Millionen km2, 25 Millionen Einwohner- werden die größten Rohstoffvorkommen der Welt vermutet. Das macht auch Rußland in dieser Beziehung zu einem einzigartigen Land. Mit einem momentanen Anteil von 11 % ist Russland der 2. größte Ölexporteur der Welt. Die Wirtschaft kommt langsam in Schwung und wartet mit beachtlichen Wachstumraten auf, das jedoch von einem ziemlich niedrigen Niveau aus. 70 Jahre Kommunismus und 10 Jahre ohne einschneidende Reformen haben ihre Spuren hinterlassen. So leben große Teile der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Das zu ändern ist eine gewaltige Aufgabe. Jedoch liegen darin auch die Chancen, denn diese Menschen nehmen bisher kaum am Konsum teil. Schafft man es, diesen Menschen ein vernüftiges Einkommen zu ermöglichen, dann wird es zwangsläufig ein starkes Wachstum des Konsums geben. Dieser Konsum ist es, der die Wirtschaft eines Landes entscheidend beeinflußt. Seit dem Amtsantritt von Präsident Putin weht ein frischer Wind auf allen Gebieten durchs Land. Reformen werden eingeleitet und durchgesetzt. So seien hier nur die Steuerreform (einheitlicher Einkommenssteuersatz bei 13%), Landreform (Erwerb von privatem Land und landwirtschaftlichen Flächen ist nun möglich) und die Steuerreform für den Mittelstand (Entlastung des Mittelstandes, der nur 10% zum Bruttoszialprodukt beiträgt) erwähnt. Viel Beachtung wird darauf gelegt, daß die Reformen nicht nur auf dem Papier unterzeichnet, sondern auch durchgesetzt werden. Die dubiosen Privatisierungen unter Jelzin, in derem Verlauf einige junge Männer (28-40 Jahre) die Aktienmehrheit von Firmen wie Yukos, Sibneft, Norilsk Nickel und Rusal erlangten, will er nicht mehr rückgänig machen. Stattdessen versucht er das sehr stark ausgeprägte marktwirtschaftliche Denken und Handeln dieser Leute zum Vorteil des Landes zu nutzen. Die von diesen Männern geführten Unternehmen zählen zu den profitabelsten der Welt. Das viele dieser Manager auch in der Forbes Liste der 500 reichsten Leute der Welt auftauchen, ist daher nicht zufällig. Sie reihen sich damit nur ein, in eine Reihe von Leuten, die von Bill Gates über die britische Königin bis zu den Albrecht-Brüdern (Aldi) reicht.

Im Moment beträgt das jährliche Wirtschaftswachstum zwischen 5- 7 % und liegt damit hinter China auf Platz 2 in der Welt. Zur Erinnerung; Wachstumsprobleme in Westeuropa, den USA und Japan. Die russiche Wirtschaft ist, wie kaum eine andere, von den Rohstoffen abhängig. 85 % der Einnahmen stammen aus dem Export von Öl und Gas, Metallen und Holz. Die vom Staat erhobenen Steuern richten sich auch nach den jeweiligen Weltmarktpreisen und werden so entweder erhöht oder gesenkt. Größter Steuerzahler im Land ist der weltgrößte Gasförderer Gazprom.

Moskaus  Schulden im Ausland konnten in den letzten Jahren u.a. wegen der sehr hohen Rohstoffpreise von 150 auf 115 Milliarden US-$  reduziert werden. Der Finanzminister geht davon aus in 10 Jahren schuldenfrei zu sein.

Auf den folgenden Seiten möchten wir russische Aktiengesellschaften vorstellen, die in Deutschland als ADR (A merican Depositary Receipt) gehandelt werden. An der Heimatbörse in Moskau werden 240 Aktiengesellschaften gelistet. Der RTS Index (Russian Trading System) wird an der Börse in Moskau aus 63 Aktienwerten errechnete. Im  Jahr 2001wurden insgesamt 4,45 Mrd. US-$ im RTS umgesetzt. Der Reihenfolge nach hier die umsatzstärksten Werte: UES, Lukoil, Yukos, Surgutnegtegas St, Norilsk Nickel, Tatneft, Mosenergo, Surgutneftegas Vz, Rostelecom und Sibneft. Die Marktkapitalisierung Rußlands beträgt etwa 220 Milliarden US-$ (Vergleich: General Electric, der größte amerikanische Wert bringt es auf einen Kapitalisierung von 450 Mrd. US-$). Dieser Vergleich macht deutlich, daß das enorme Potential des Landes an der Börse keinen Wiederhall findet und weitere starke Kurssteigerungen nur eine Frage der Zeit sind. So werden die russischen Ölfirmen mit KGV-Werten von 4- 10 bewertet, hingegen westliche mit bis zu 20. Die Bewertung dieser Firmen nach den Reserven würde diese Unterbewertung noch augenscheinlicher werden lassen -im Weltmaßstab zählen sie zu den Firmen mit den größten bekannten Reserven. Durch die riesigen Gewinne - Lukoil, Yukos, Gazprom, Surgutneftegaz etc. erzielen jährlich jeweils zwischen 1,5 - 3 Milliarden US-$ Netto- Gewinn - sind Dividenden bis zu 10 % nichts ungewöhnliches. Auch in vielen anderen Wirtschaftsbereichen ist das Wachstum ungebremst. Beispiel hierfür ist der Mobilfunkmarkt, in dem Zuwachsraten von 25-50 % pro Jahr erreicht werden. Die Bilanzierung erfolgt zunehmend nach US-GAAP (US generally accepted accounting principles), sonst noch nach RAS (russian accounting standard) oder IAS (international accounting standard). Das zeigt, daß die Aktiengesellschaften langsam beginnen, sich mit transparenter und offensiver Berichterstattung den Kapitalmärkten zu präsentieren und letztlich dadurch auch ihre Marktkapitalisierung zu steigern. Aussagekräftige Bilanzen und eine vernüftige Öffentlichkeitsarbeit sind die Voraussetzung für einen Börsengang in New York, den einige Firmen in den nächsten Jahren anstreben. Ob die Bilanzierung nach US GAAP der Weisheit letzter Schluß ist, bleibt nach all den Erfahrungen um Enron. Worldcom und wie sie alle heissen, die Frage. Ermöglichen diese Bilanzierungen ja scheinbar die Erstellung von Abschlüssen, die mit der Realität recht wenig zu tun haben. Auf dem Gebiet der Bilanzen wird es sicherlich in den nächsten Jahren einige tiefgreifende Veränderungen geben. Wir geben bei den Gewinnen -unter der Rubrik Firmenporträts- deshalb immer den Netto- Gewinn an.

Der RTS- Index hatte sein AllTimeHigh im Oktober 1997 bei 571,66 Punkten. Durch den starken Einbruch während der Rußlandkrise 1998 fiel die Marktkapitalisierung im Tief auf ca. 10 Mrd. US-$. Seit diesem Tief ist es zu einer Erholung gekommen, in derem Verlauf es in der Spitze Gewinne von 1.000- 3.000 % bei den Öl-, Telekom- und Versorgerwerten kam. Trotz dieser beeindruckenden Steigerung sind wir der einhelligen Meinung, daß man bei einem Aktieninvestment an diesen russischen Werten nicht vorbeikommt, da sie nach allen Regeln der Börse, immer noch als die billigsten Aktien der Welt eingeschätzt werden können. Das soll mit den von uns erstellten Firmenporträts belegt werden. Bei einer eventuellen Anlageentscheidung sollen diese Informationen dienlich sein. Das in Rußland nicht alles nach westlichen Vorstellungen läuft und Korruption und andere Mißstände weiter an der Tagesordnung sind, ist uns bewußt. Das man Rußland aber nur mit den Worten Mafia, Korruption, Fetternwirtschaft, dunkle Kanäle und aktionärsunfreundlich beschreibt wird der Sache in keiner Weise gerecht. Diese merkwürdige Denkweise ist weitverbreitet und es ist daher unser Anliegen, dieses Bild zurechtzurücken. Schauen wir uns doch gleich mal hier in Deutschland um und analysieren genau. Von der Leuna- Affäre (zieht sich durch halb Westeuropa), Parteispendenaffäre über den Filz bei der Bankgesellschafft Berlin (Schaden den der deutsche Steuerzahler zu tragen hat ca. 2 Mrd. Euro) bis zu den Vorkommnissen am Neuen Markt (Bilanzfälschungen, falsche Adhoc- Meldungen, im Falle Comroad gar der Ausweis von 100 % Umsatz, den es gar nicht gab -einfach unglaublich- u.s.w.) finden wir auch hier genau das vor, was man immer nur Rußland vorhält. Hinzu kommen die Bilanzfälschungen von Großfirmen in den USA -siehe weiter oben. Das waren nur einige Beispiele aus einem sicherlich unerschöpflichen Vorrat an Affären, Korruption, Steuerverschwendung und Bilanzfälschungen. Diese Argumente sind unserer Meinung nach völlig untauglich, um Rußland und seinen Aktienmarkt zu beschreiben. Wir wollen auf den folgenden Seiten die Argumente liefern, die ein Investment in russiche Aktien plausibel erscheinen lassen. Wir sind der festen Meinung, daß wir in 5 oder auch 10 Jahren zurückblickend feststellen können, unsere Visionen waren richtig und wir haben -entgegen alle Zweiflern- recht behalten.

Selbstverständlich werden für alle Empfehlungen und Angaben keine Garantien übernommen. Eventuelle Anlagenentscheidungen treffen Leser dieser Website in eigener Verantwortung. Russlandaktien.info übernimmt keinerlei Haftung.

 

 

30.04.05 18:37

4420 Postings, 7485 Tage Spitfire33...

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10.05.05 12:29

8215 Postings, 7319 Tage SahneChinas Wirtschaft - wieviel Wahrheit / Dichtung?

Chinas Wirtschaft - wieviel Wahrheit, wieviel Dichtung?

China: Zahlenspiele im Reich der Mitte - Führung in Peking will zu verlässlicheren Statistiken kommen - Provinzpolitiker übertreiben bei Konjunkturmeldungen aus Karrieregründen

Chinas Wirtschaft brummt. Wachstumsraten von 10 % und mehr pro Jahr - fast zu fantastisch, um wahr zu sein. Tatsächlich sind die Statistik-Daten der chinesischen Behörden mit Vorsicht zu genießen. Oft haben Provinzpolitiker die regionalen Meldungen geschönt, um ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen. Als Konsequenz wurden Kontrollrechnungen eingeführt, etwa zum Energieverbrauch. Und Statistikfälschern droht die Todesstrafe.

VDI nachrichten, Hongkong, 15. 4. 05 -

Hätte die Regierung in Peking statistische Meldungen der Städte und 31 Provinzen des Landes ungeprüft übernommen, wäre für 2004 ein wirtschaftliches Wachstum von rund 15 % herausgekommen. Offiziell jedoch meldete das National Statistics Bureau (NSB) eine Rate von 9,5 %. "Selbstredend ist dieser Unterschied abnormal. Kein Wunder, dass mancher unseren Statistiken nicht recht über den Weg traut", beklagte NSB-Direktor Li Deshui Mitte März die Differenz.

Laut Michael Enright hat das Jonglieren mit Zahlen in China Tradition. "Bisher waren es lokale und regionale Statistikbüros, die aus politischen Gründen übertrieben", meint der Wirtschaftsprofessor der Hongkong University (HKU). "Nun kommt als neues Phänomen eine Untertreibung vor allem von Privatunternehmen hinzu - wohl aus steuerlichen Gründen. Damit wird das alles noch undurchsichtiger." Dr. Jun Ma, Chef-Ökonom der Deutschen Bank in Hongkong, nuanciert: "Zumindest die Außenhandelszahlen sind vertrauenswürdig."

Der Führung in Peking ist die Tendenz der Übertreibung, um Pluspunkte auf der Karrierebahn zu sammeln, wohl bekannt. Bereits vor vier Jahren waren in Jiang, in der südwestlichen Provinz Sichuan, zwölf Funktionäre wegen Zahlenmanipulationen verurteilt worden. Bei einer Untersuchung stellte sich heraus, dass nur fünf von insgesamt 57 Städten der Provinz verlässliche Statistiken geliefert hatten. Li damals: "Jeder Funktionär, der falsche Zahlen nach oben reicht, hat damit zu rechnen, seinen Job zu verlieren."

Mit dem Leben bezahlte Wang Huaizhong, früherer Bürgermeister von Fuyang City, seine Fälschungen. Wang hatte sich Mitte der 90er Jahre mit gemeldeten Wachstumsraten von 20 % jährlich den Weg ins Büro des stellvertretenden Provinz-Gouverneurs geebnet. Korruptionsvorwürfe brachten ihn vor den Kadi. Umgerechnet 623 000 $ soll er in seine Kasse geschleust und die offiziellen Entwicklungszahlen der Provinz geschönt haben.

Das wachsende Interesse der chinesischen Führung an vertrauenswürdigen Zahlen ist leicht nachvollziehbar. "Mit windigen Statistiken ist nun einmal keine effiziente Wirtschaftspolitik machbar", so Eddie Wong, China-Stratege der AMB-Amro in Hongkong. "In einer dynamischen, bisweilen turbulenten Entwicklungsphase wird sauberes Zahlenmaterial wichtiger denn je."

In den neunziger Jahren organisierte das NSB ein paralleles System mit Audits und Stichproben, um näher an die Realität heranzukommen. Aber auch das überzeugt nicht überall. Chen Xiandong, China-Analyst der BNP Paribas in Hongkong, rechnete mit Zahlen des Energieverbrauchs. Er kam für 2004 nach einem nominalen Wachstum von 18 % sowie einer Inflation von 7 % auf ein reales Wachstum von 11 %. "Selbst wenn die Regierung das Wachstumstempo nicht zur Gänze bestimmen kann, mit der Kontrolle der Statistik kann sicher gestellt werden, dass wenigstens offiziell beispielsweise im laufenden Jahr eine Expansion von 7 % bis 8 % herauskommt", meint er ironisch.

Li Deshui sagt es jedem, der es wissen will: Die technischen Voraussetzungen für die Datenerhebung könnten sofort verbessert werden, nicht aber die eingefahrenen Gewohnheiten. "Die kulturellen Wurzeln sind das Problem", stimmt Eddie Wong zu. Er empfiehlt eine wirklich unabhängige Statistikbehörde oder - zumindest vorerst - die Zulassung privater Statistikbüros, die die staatlichen Zahlensammler unter Konkurrenzdruck setzen.

Das Argument findet sich auch in der innerchinesischen Debatte wieder. "Was wir brauchen, ist ein unabhängiges statistisches System zu dem auch nicht-staatliche Akteure Zutritt haben", hieß es Mitte März in der Yanzhaou Metropolis Daily in der Provinz Hubei unweit von Peking. Ökonom Jun Ma ist optimistisch: "Die neue Führung nimmt das Problem aus eigenem Interesse nicht auf die leichte Schulter. Wir werden in den nächsten Jahren eine deutliche Verbesserung der Dinge sehen."

 JAN HÖHN

 

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