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Das meint ein Umzugsunternehmer, Sozialist, zu Ger

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neuester Beitrag: 06.06.04 18:15
eröffnet am: 06.06.04 16:54 von: BeMi Anzahl Beiträge: 5
neuester Beitrag: 06.06.04 18:15 von: ADDY Leser gesamt: 327
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06.06.04 16:54

10041 Postings, 7109 Tage BeMiDas meint ein Umzugsunternehmer, Sozialist, zu Ger

"Umziehen ist das Letzte"
Einst war er überzeugter Sozialist. Heute ist Klaus E. H. Zapf einer der größten Umzugsunternehmer Deutschlands. Ein Expertengespräch über Standortwechsel
WELT am SONNTAG: Herr Zapf, warum fahren wir mit dem Bus?

Klaus Zapf: Erstens: Ich habe keinen Führerschein. Zweitens: weil auf der Linie 1 momentan Schienenersatzverkehr ist. Die Preußen haben es in 110 Jahren nicht gelernt, zumindest ein Gleis offen zu halten, wenn das andere repariert wird.

Sie könnten sich morgens von einer Limousine abholen lassen. Oder wenigstens von einem Ihrer Umzugslaster.

Zapf: Das wäre natürlich lustig. Hinten auf der Ladefläche, in eine Decke gewickelt. Nee, ich fahre gern Bus. Da kann man sich ein bisschen wie ein Tourist in der Heimat fühlen. Dagegen ist ein Chauffeur Höchststrafe. Ich will meine Ruhe haben und mich nicht ständig unterhalten müssen. Und außerdem erfährt die Gattin vom Chauffeur alle deine Geheimnisse.

Bedeutet diese Bescheidenheit bei den Transportmitteln auch, dass Sie sich als Mensch treu geblieben sind, obwohl Sie Ihren ideologischen Standort radikal gewechselt haben - vom überzeugten Sozialisten zum erfolgreichen Kapitalisten, der 20 Millionen Euro im Jahr umsetzt?

Zapf: Ich habe meinen Standort nie gewechselt.

Nein? Sie gehören doch längst zum Establishment, dem Sie mit Ihrem 1975 gegründeten Kreuzberger "Umzugskollektiv" ein bisschen Kohle aus der Tasche ziehen wollten, wie Sie einmal sagten. Und nach der Wende 1989 haben Sie sich konsequenterweise vom Modell der "Belegschaftsbeteiligung" getrennt - und die entsprechende Aufschrift von ihren Lastern gestrichen. Was ist denn das, wenn kein Standortwechsel?

Zapf: Sicher gehöre ich zum Establishment. Aber was heißt das schon? Man wird halt irgendwo dazugerechnet, das weißt du doch.

Okay, Klaus. Warum sind wir plötzlich per Du?

Zapf: Ich duze eigentlich jeden. Siezen ist die höchste Form der Verachtung.

Das sehe ich anders. Nehmen Sie es bitte nicht persönlich. Aber zurück zu Ihrem Standort. Wo stehen Sie denn heute?

Zapf: Ich fungiere nur als Kapitalist, im Herzen bin ich keiner. Ich muss mich aber so verhalten, sonst wäre ich längst weg vom Fenster. Aber eigentlich hat sich mein ideologischer Standort eher vertieft. So geht es mir tierisch auf den Senkel, wie unbarmherzig heute von unten nach oben verteilt wird.

Aber das ist doch ein Widerspruch: in Gedanken bei Marx, in der Realität doch ganz gern Butter auf dem Brot.

Zapf: Ich weiß, das ist schizophren. Als Umzugsunternehmer befürworte ich beispielsweise einen Niedriglohnsektor. Aber als Privatmann finde ich es das Letzte, dass sich die Leute mit ihren Einkommen kaum noch eine Familie leisten können. Da bin ich aber nicht verlogener als jeder andere. Und für soziale Projekte werde ich immer Ansprechpartner bleiben, privat wie über die Firma.

Nicht nur zur Gewissensberuhigung?

Zapf: Nein.

Was ist mit physischen Standortwechseln? Wann sind Sie das letzte Mal umgezogen?

Zapf: 1986. Nach Charlottenburg.

Und seitdem keine Lust mehr gehabt auf einen Standortwechsel?

Zapf: Nö.

Umziehen macht Ihnen offenbar gar keinen Spaß.

Zapf: Ich sag immer, umziehen ist das Letzte.

Aber es ist Ihr Job.

Zapf: Ach, die Leute könnten ruhig ein bisschen weniger umziehen. Ab und zu kommt es mir vor, als wären die alle vor sich selbst auf der Flucht.

Wie oft sind Sie denn als Dienstleister mit Ihren Kunden umgezogen?

Zapf: Für 150 000 Umzüge habe ich Wohnungen besichtigt. Heute machen wir 15 000 Umzüge im Jahr. Aber ich bin nicht mehr dabei.

Warum wechseln Menschen überhaupt ihren Standort?

Zapf: Das ist vor allem demografisch bedingt: Man zieht bei Mama und Papa aus. Dann findet man irgendjemanden und zieht zusammen. Die ersten Kinder kommen, und die Wohnung wird noch mal größer. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, zieht man wieder in eine kleinere Wohnung, um dann - wenn der Partner unter der Erde ist - in ein noch kleineres Domizil zu ziehen.


Gibt es Leute, die nicht gern ihren Standort verlassen?


Zapf: Sicher. Bei Sanierungen von Wohnungen zum Beispiel. Oder wenn die Menschen aus Geldmangel ihr Heim verlassen müssen. Das ist dann schon hart.


Was halten Sie vom Standort D? Haben Sie schon mal überlegt, wie viele andere Unternehmer die Kisten zu packen?


Zapf: Nein, der Standort hier ist okay.


Was heißt das - okay?


Zapf: Ein Gut, das hier zum Beispiel viel zu wenig geschätzt wird, ist die Rechtssicherheit. Ich brauche doch nur hundert Kilometer weiter gen Osten zu fahren und habe das Problem, dass ich mehr oder weniger offen die Grenzer korrumpieren muss. Und letztens ist es mir gelungen, nur mit der Kopie eines Fahrzeugscheins mit einem LKW in die Tschechische Republik zu fahren - aus Versehen, weil ich das Original vergessen hatte. Aber die Sache hat mir doch zu denken gegeben.


Sie gehen nicht. Warum gehen die anderen?


Zapf: Ich habe hier meinen Markt. Insofern bin ich nicht vergleichbar mit einer Produktionsbude, die sich immer wieder günstigere Bedingungen suchen muss.


Aber Sie haben sicher mal einer Firma geholfen, nach Polen, Ungarn oder Tschechien zu ziehen, oder?


Zapf: Klar, wir haben viele Arbeitsplätze in den Osten verlagert - vor allem für Großbanken und Autohersteller. Aber der große Run war vor zehn Jahren. Mit der EU-Erweiterung wurde politisch etwas nachgeholt, was sich ökonomisch längst vollzogen hatte.


Was muss in Deutschland passieren, um die Unternehmer hier zu halten?


Zapf: Das kann ich nicht in wenigen Sätzen beantworten. Auf jeden Fall muss der kannibalische Steuerwettbewerb zwischen alten und neuen EU-Ländern aufhören. Es kann doch nicht sein, dass deutsche Unternehmer in vielen osteuropäischen Staaten keine Steuern zahlen.


Das sind ja fast wieder sozialistische Ansichten. Was halten Sie eigentlich von der Reform- und Standortpolitik der SPD - einer ehemals linken Bewegung?


Zapf: Die SPD ist immer noch eine linke Bewegung. Aber die Aufsteiger, die da den Hut aufhaben, haben sich die Krempe zu tief ins Gesicht gezogen. Und das Traurigste ist: Die können es einfach nicht! Keine Konzepte, Kurzfristdenken, Wurstelei. Wenn der Schröder Kneipenwirt wäre, okay. Aber er und der Fischer, unsere großen Macher, sind doch Fehlbesetzungen. Und jetzt noch der Platzwart Müntefering. Der hat auf dem Spielfeld nichts verloren.

Was müssen sie besser machen?

Zapf: Ich kann nur hoffen, dass Schröder und seine Aufsteigercrew bald abgewählt werden. Dann wird sich die Partei auch wieder besinnen.


Und wenn nicht? Wohin verlagern Sie dann Ihren Standort?


Zapf: Gar nicht. Wir sitzen doch in Kreuzberg hinten an der Spree. Und die fließt in die Havel, dann in die Elbe, und irgendwann sind wir in der Nordsee. Man sieht, dass wir ganz nah an einer großen Lebensader sind. Ein idealer Standort also.


Das Gespräch führte Nikos Späth


Artikel erschienen am 6. Juni 2004
 
     
WAMS.de
 

06.06.04 17:03

34209 Postings, 7766 Tage DarkKnightDa heute der Tag ist, an dem nur Scheiße

gepostet wird, bestelle ich hiermit bei Herrn Zapf eine Portion Pommes Rot-Weiß.

Bitte mit Kartoffeln, schafft er das?  

06.06.04 18:05

948 Postings, 6519 Tage ADDYPommes-Schranke

heest det in Berlin, Jenosse DK  

06.06.04 18:12

948 Postings, 6519 Tage ADDYDet is Herr Zapf

Wir über uns" - die Klaus E.H. Zapf Transporte GmbH

Die Zapf Transporte GmbH ist in Berlin der Marktführer bei der Durchführung von Umzügen. Ein Kurzportrait:


270 festangestellte Mitarbeiter allein in Berlin

12.000 Umzüge im Jahr, Privatkunden, Firmen, Übersee

50 LKW?s, 250 Wechselkoffer

12 Niederlassungen bundesweit

zertifiziert nach DIN ISO 9002

Zapf Umzüge engagiert sich für Berlin, da die Firmengeschichte eng mit der gesellschaftlichen Entwicklung im ehemaligen West-Berlin verbunden ist. Zum Zeitpunkt der Firmengründung, 1975, war die Insel West-Berlin die Hochburg der alternativen Szene. Auch Zapf Umzüge war damals ein Alternativbetrieb im Besitz der Belegschaft. Heute ist die Firma eine professionell organisierte internationale Fachspedition, wie viele andere heute erfolgreiche ehemalige Alternativbetriebe ein fester Bestandteil der wirtschaftlichen und zukunftsorientierten Entwicklung der Metropole Berlin.

Deshalb engagiert sich Zapf Umzüge für Berlin, sponsert Projekte im kulturellen und ökologischen Bereich und bereitet gerade ein eigenes Modellprojekt zur beruflichen Weiterbildung arbeitsloser Jugendlicher vor.

 

06.06.04 18:15

948 Postings, 6519 Tage ADDYDet der Jenosse Unternehmer im Bild



Zapf, Klaus Emil Heinrich
 
* 17.5.1952 in Kraichgau,
Baden,
Umzugsunternehmer.
Als Jura-Student kam Z. 1975 nach Berlin um, wie er später sagte, "von hier aus die Weltrevolution loszutreten". Er ließ sich in Kreuzberg, der damaligen Hochburg der alternativen Szene, nieder und engagierte sich bei der Alternativen Liste, den Vorläufern der Grünen. Um die Fortsetzung seines Studium in Berlin finanzieren zu können, führte er Kleintransporte mit einem gebrauchten Ford Transit durch. Aufgrund der großen Nachfrage hing er sein Studium an den Nagel, um sich fortan voll auf sein Unternehmen zu konzentrieren, das er Schritt für Schritt vergrößerte. Noch bis Mitte der 80er Jahre hat Z. bei Umzügen regelmäßig selbst mit angepackt ? und macht ab und an auch noch heute einen Umzug mit. Vor allem konzentrierte er sich jedoch auf die Geschäftsführung.


 

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