Das Gleichnis mit der Bowleschüssel

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eröffnet am: 02.05.05 19:33 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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1009287 Postings, 6318 Tage moyaDas Gleichnis mit der Bowleschüssel

Das Gleichnis mit der Bowleschüssel

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Man bekommt nicht immer, was man will ... aber man bekommt, was man braucht.

Und Amerika braucht eine Rezession. Amerika gibt zu viel Geld aus; eine Rezession würde die Leute dazu bringen, weniger auszugeben und mehr zu sparen.

Die Verschuldung der Haushalte ist auf 6,5 % des Bruttosozialprodukts gestiegen - ein ewiger Rekord. Eine Rezession wird das Defizit verringern. Amerika braucht die Rezession auch, um den Immobilienmarkt zu entlasten. Die Häuser sind so teuer geworden, dass sich die Leute keine mehr leisten können. Die Inflation bei Häusern ist auf dem höchsten Stand der letzten 25 Jahre ... während die realen Einkommen der Haushalte entweder gleich bleiben, oder sogar fallen.

Eine gute, solide Rezession ist genau das, was das Land braucht.

Aber eine gute, solide Rezession ist auch das, was die Zentralbanken uns nicht gönnen wollen. Amerika war 2001 kurz davor, eine Korrektur durch eine Rezession zu erleben, aber dann ist die Zentralbank in Panik geraten und hat so unglaublich schnell so viel Geld an so viele Leute verteilt - dass diese kaum wussten, wohin damit. Also sind sie hingegangen und haben Schnickschnack aus China gekauft ... und Häuser.
Und jetzt gibt es überall diese Blasen.

Es gibt eine Immobilienblase ... eine Blase in China ... eine Kreditblase ... Vielleicht sogar eine Blase bei Schatzanleihen und auf dem Rohstoffmarkt. Es ist eine "Mega-Blase", schreibt die Seattle Times, die nur durch die superniedrigen Zinssätze der Zentralbank möglich wurde.

Die Greenspan'sche Fed hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Sie scheint heute zu wissen, welche Rolle sie spielen muss, um den höchstmöglichen Schaden anzurichten.

In den späten Neunzigern rief Alan Greenspan das Wunder der Wirtschaft nach dem "neuen Paradigma" aus. Durch dieses Wunder sollten die Technologieaktien für immer steigen. Kurz danach ereignete sich der Zusammenbruch des NASDAQ. Jetzt kommen sie mit der "Neuen Makro-Theorie", sagt Stephen Roach, bei der Defizite und Schulden kein Problem mehr sind.

Vor nur zwei Wochen etablierte Ben Bernanke die "Überschusstheorie", um das riesige Leistungsbilanzdefizit zu erklären. Das Problem sei gar nicht, dass die Amerikaner zu viel ausgeben, sagte er, sondern dass die Asiaten zu viel sparen! Wir täten ihnen einfach nur einen Gefallen, wenn wir ihnen das Geld aus den Händen nehmen. Laut dieser Theorie ist ein Alkoholiker einer, der hilft, den Überschuss an alkoholischen Getränken auszugleichen ... und einer, der nur Sex im Kopf hat, reagiert eigentlich nur auf den Frauenüberschuss.

Was werden sie sich als nächstes ausdenken?

Als Paul Volcker noch bei der Zentralbank war, da war es die Rolle des Zentralbankers die "Bowle abzuräumen", ehe die Party außer Kontrolle gerät. Volcker tat das Ende der 70er Jahre - und erhöhte dadurch die Erträge der Schatzkammer auf über 15 %. Die Partylöwen wurden so wild, dass sie ein Bildnis Volckers auf den Stufen des Kapitols verbrannten.
Aber der Zentralbank ist es so gelungen, die Inflation unter Kontrolle zu bringen und den Weg für den Boom der 80er und 90er zu ebnen.

Jetzt ist die Party jedoch so sehr außer Rand und Band, dass die Leute schon auf den Tischen tanzen und die Lampenschirme auf ihren Köpfen tragen. Und Ben Bernanke und Alan Greenspan stecken mit den Köpfen in der Bowleschüssel ... mit einem Grinsen auf den Gesichtern und Flaschen voll Gin in den Händen.

Nein, dieses Mal wird die Zentralbank die Bowle nicht abräumen. Eine Rezession wird nötig werden ... oder ein Crash, oder beides

Gruß Moya

 

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