Consors Weekly Newsletter

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eröffnet am: 17.05.02 19:16 von: Pichel Anzahl Beiträge: 1
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25951 Postings, 7395 Tage PichelConsors Weekly Newsletter

. Finanzmärkte

Europa

"Immer wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein
Lichtlein her" - dieser alte Poesiealbums-Spruch trifft die
Börsenentwicklung der hinter uns liegenden Handelswoche ganz gut. Die
Stabilisierungsansätze aus der Vorwoche hatten sich in den letzten
Tagen deutlich verstärkt und dadurch insbesondere auch die
charttechnische Situation entspannt. Angetrieben wurde die Erholung
hauptsächlich von den zuvor gebeutelten TMT-Werten (Technologie,
Medien, Telekommunikation). Im weiteren Wochenverlauf zogen aber auch
andere Sektoren nach. Zweifellos sind die mehrfach verhaltenen
Unternehmensausblicke im Rahmen der nun auslaufenden
Quartalsberichtsaison zwischenzeitlich in den Aktienkursen
berücksichtigt. Die neu aufkommende Kauflaune ist angesichts einer
verhaltenen Umsatztätigkeit, hoher Gewinnmitnahmebereitschaft und
ohne grundlegend neue Daten von Konjunktur- und Unternehmensseite
allerdings eher halbherzig.

Der Deutsche Aktienindex DAX 30 sprang regelrecht über die 5000-Marke und
erreichte am Freitag ein Verlaufshoch bei 5126. Zuletzt notierte der
Index wieder darunter bei 5028 Punkten mit einer "wohltuenden"
positiven Wochenperformance von 3,2%. Nach Überwinden der
200-Tage-Linie bei 4995 und der Widerstände bei 4965 und 5055, die
nunmehr ins Lager der Unterstützungen wandern, gilt es nun, den
nächsten wichtigen Widerstand bei 5120 nachhaltig einzunehmen. In
diesem Bereich kommt dem DAX sowohl seine 38-Tage-Linie bei derzeit
5150 entgegen, als auch - was noch wichtiger ist - der seit März 2000
intakte "alte" Abwärtstrend bei derzeit 5140. Unterstützt vom intakt
gebliebenen Aufwärtstrendkanal von Oktober 2001 zwischen aktuell 4910
und 5585 wird hier der zuletzt Mitte April gescheiterte Endkampf um
die nachhaltige Überwindung neuerlich aufgenommen werden. Darüber
wartet noch ein seit 19.03.2002 intakter Abwärtstrend bei aktuell
5200 als Herausforderung. Erst danach sehen wir den Weg in Richtung
des offenen Gaps (Kurslücke) vom 09.08.2001 bei 5595/5609 frei. Bis
dahin bleibt auch unsere DAX-Risikomarke bei 4750 gültig. Die
Marktindikatoren interpretieren wir kurzfristig positiv. Die als
Kontraindikator dienende Put/Call-Ratio der Aktienoptionen auf
geglätteter 3-Wochen-Basis befindet sich immer noch weit im
"bearishen" Bereich und deutet auf eine kurzfristige Bereinigung der
überverkauften Situation. Zu verhalten entwickeln sich bislang sowohl
die Umsätze als auch die Volatilität (Schwankungsbreite), die damit
eher bremsend hinsichtlich einer klaren Tendenzaussage wirken.

Der europäische DJ STOXX 50 Index kann mit einer Wochenperformance von
plus 1,7% auf zuletzt 3496 Punkte zufrieden sein, seinem deutschen
Indexbruder allerdings nicht das Wasser reichen. Nach Überwinden
wechselt der Widerstand bei 3505 die Fronten und läuft nunmehr als
Unterstützung, so wie unsere bewährte STOXX-Risikomarke bei 3420.
Aktuell von unten angelaufen wurde das Widerstandsnetz aus den
gleitenden Durchschnitten bei 3555 (200 Tage), 3570 (90 Tage) und
3560 (38 Tage). Im Rahmen einer Erholung sollten sowohl diese drei
Hürden überwunden werden, als auch ein Pull-Back zum gebrochenen
Aufwärtstrend vom Oktober 2001 bei 3590 erfolgen. Erst dann kann das
Jahresziel zwischen 3710 und 3780 ernsthaft ins Auge gefasst werden.
Die Marktindikatoren haben aus ihren negativen Extrempositionen
heraus gedreht und liefern kurzfristig positive Signale.

Der Neue Markt hat sich in der zurückliegenden Woche seit langem
wieder einmal von seiner besten Seite gezeigt. Dem Nemax 50 ist es nach
mehr als zwei Monaten gelungen, drei Tage hintereinander im Plus zu
schließen. Am Montag hatte der Index zwar zunächst schwach gestartet,
drehte aber dank einer freundlichen Nasdaq ins Plus. Insgesamt
verlief der Handel jedoch weitgehend ereignislos und die Umsätze
waren nach wie vor sehr schwach. Am Dienstag standen schließlich
wieder Konjunkturdaten aus den USA an. Deutlich über den Erwartungen
gelegene Einzelhandelsumsätze im April als auch abermals die positive
Tendenz an den US-Börsen haben den Neuen Markt zum zweiten Mal in der
Woche beflügelt. Der Nemax 50 kletterte um 2,2% auf 864 Punkten.
Händler sprachen zusätzlich noch von Shorteindeckungen in einem
überverkauften Markt. Trotz der positiven Tendenz ist das
Wachstumssegment weiterhin mit Problemen behaftet. Artstor und
Phenomedia beantragten Insolvenz. Damit setzt sich die Bereinigung des
Neuen Marktes mit der 28. und 29. Pleite fort. Auch am dritten Tag
der Woche hielt die freundliche Tendenz an. Infolge guter
Quartalsausweise, Spekulationen über eine Microsoft-Beteiligung an
T-Online und der festen Nasdaq zogen den Nemax 50 um 2,2% auf 883 Zähler.
Das Indexschwergewicht T-Online stieg aufgrund um 9,3% auf
11,60 Euro. Die über den Erwartungen gelegenen Quartalszahlen von
Medion halfen der Aktie ebenfalls zu einem Anstieg von 5,9% auf 43,50
Euro. Nach drei Tagen infolge durfte der Neue Markt am Donnerstag
eine wohlverdiente Verschnaufpause einlegen. Das Wachstumsegement
präsentierte sich an diesem Tag, der von zahlreichen
Quartalsergebnissen geprägt war, uneinheitlich und schloss
schließlich um 1,1% leichter. Erwähnenswert dabei das Unternehmen
United Internet, das neben guten Quartalszahlen die EBITDA-Prognose für
das Geschäftsjahr 2002 angehoben haben. Der Aktienkurs honorierte
diesen Ausblick und stieg um 6,2% auf 6,19 Euro. Der Neue Markt
startete am Freitag erneut freundlich, zuletzt setzten
Gewinnmitnahmen vor dem verlängerten Wochenende ein. Mit zuletzt 867
Punkten erreichte Nemax 50 eine positive Wochenperformance von 5,0%.
Zu den stärksten Gewinnern unter der Einzelwerten gehörten IXOS
Software (+22,5%), Funkwerk (+19,5%), Highlight (+18,9%), Evotec
(14,5%), DAB (+14,1%) und Aixtron (13,9%). Verlierer waren
hingegen Lion Bioscience (-15,4%), der Absteiger
Trintech (-12,9%) und CE Consumer (-10,2%). Nahezu ein Viertel der
Titel des Nemax 50 zählten immer noch zu den Verlierern in dieser
Woche. Unter den Branchen des Nemax 50 war der Internet-Sektor mit
10,1% am erfolgreichsten. Es folgen mit jeweils ca. 5% Financial
Services, Technology und Industrial. Lediglich der Medien-Index lag
mit 1,3% im Minus. Mittlerweile sind die Mehrzahl der den Markt
beeinflussenden Quartalsberichte veröffentlicht und in den Kursen
enthalten. Negative Überraschungen sind daher kaum noch zu
befürchten. Vereinzelt trauen sich Unternehmen sogar eigene Prognosen
wieder anzuheben, was den Anschein erweckt, als würde sich langsam
ein Boden bei den Unternehmensgewinnen bilden. Ob wir den Boden beim
Neuen Markt gefunden haben, dürfte sich in nächster Zeit zeigen. Dem
Nemax 50 ist es gelungen unsere obere Begrenzungslinie bei 870
Punkten anzulaufen. Gelingt es dem Nemax 50 in der nächsten Woche ,
diesen sowie den Widerstand bei 910 Punkte zu knacken und sich
darüber zu positionieren, wäre auch der seit Jahresbeginn verlaufende
Abwärtstrend nachhaltig gebrochen und eine Basis für eine neue
Aufwärtsbewegung geschaffen. Die Umsätze in der vergangenen Woche
waren jedoch nach wie vor sehr schwach und warnen vor zuviel
Euphorie.

An den Aktienmärkte haben die aktuellen Presseberichte rund um die
Bilanzierungspraktiken beim Finanzdienstleister MLP die alten
"Enronitis"-Wunden aufgekratzt und den Investoren mal wieder vor
Augen geführt, dass gute Ergebnisausweise keine Garantie für
Kurssteigerungen sind. Hinsichtlich der Konjunkturentwicklung haben
sich die Marktteilnehmer endlich damit abgefunden, dass der
Aufschwung zwar kommt, aber langsamer als bislang erhofft. Dadurch
haben die durchaus vorhandene wirtschaftliche Lichtblicke künftig
wieder eine Chance, von den Marktteilnehmern gebührend wahrgenommen
zu werden. Die aktuelle Erholung an den Aktienmärkten muss als sehr
gute Leistung honoriert werden, insbesondere weil dadurch die breite
Bodenbildung einer weitere Bestätigung erfährt. Für eine darauf
aufbauende nachhaltige Kurserholung fehlte es auch der zuletzt
gesehenen Kurseuphorie allerdings an Schwungkraft. Unter anderem
trübten schwache US-Konjunkturdaten, die schwer zu beurteilenden
Aussichten und das insgesamt wenig veränderte fundamentale Umfeld die
Anlagebereitschaft. Solange dies so bleibt, bearbeiten
"Schnäppchenjäger und Gewinnmitnehmer" das Börsenfeld und
Charttechniker bestimmen vorrangig die kurzfristige Richtung -
zuletzt mit positivem Grundton aufgrund der gestiegenen Chancen für
neuerliche Angriffe auf dominante Abwärtstrends. Die Börse bleibt auf
Orientierungssuche die sich bis auf weiteres in folgenden
Spannbreiten ausdrücken wird: für den DAX zwischen 4800 und 5400
Punkte; für den STOXX zwischen 3400 und 3700 Punkte. Dabei gelten
nicht nur für rein tradingorientierten Spekulanten die Risikomarken
bei 4750 (DAX) und 3420 (STOXX). Der langfristig orientierten
Investor kann jede Konsolidierungspahse zum Stock-Picking nutzen.
Neben den klassischen zyklischen Branchen, wie Automobile,
Grundstoffe, industrielle Güter und zyklische Konsumgüter lohnt es
sich auch wieder, auf Branchenvertreter aus Technologie, Medien und
Telekommunikation zur Depotbeimischung zu achten.

Den Rentenmarkt plagt derzeit weniger die Aktienmarkterholung, als
zunehmend die Unsicherheit über den weiteren Inflationstrend. Neben
der Ölpreisentwicklung lassen höher als erwartete
Preissteigerungsraten aus verschiedenen europäischen Ländern und die
für April bekannt gegebene Euroland-Inflationsrate von 2,4% (nach
2.2% im Vormonat) vermuten, daß es nur eine Frage der Zeit ist, wann
die EZB die Leitzinsen erhöhen wird. Kurzfristig erwarten wir
allerdings von dieser Seite keine Störfeuer. Marktbeobachter sehen
sowohl die verhaltenen Konjunkturerholungsperspektiven, als auch eine
Zinserhöhung von mindestens 50 Basispunkten spätestens im vierten
Quartal 2002 durch die Notenbank am Geldmarkt auf Termin bereits
eingepreist. Im Bereich der Umlaufrendite um 5,5% lohnen sich
aufgrund des Rendite-Spreads lohnen europäische festverzinsliche
Anlagen im mittleren Laufzeitbereich bis fünf Jahre. Bei US-Anleihen
raten wir in Erwartung einer Dollar-Schwäche und tendenziell
anziehender Renditen zur Zurückhaltung.

Gut behauptet entwickelte sich zuletzt der Wechselkurs des Euro
gegenüber dem US-Dollar, auch wenn kurzzeitig die 90-Cent-Marke
unterschritten wurde und der nächste Widerstand um 92 Cents einem
weiteren Anstieg bislang Einhalt geboten hat. Die unverändert
unbefriedigenden US-Konjunkturperspektiven schwächen tendenziell den
Greenback. Unsere Sechs-Monats-Prognose liegt zwischen 93 und 94
$-Cent für den Euro.

(Alle Indexstände beziehen sich auf Freitag, den 17. Mai 2002 um
17.50 Uhr MESZ)

Den vollständigen Artikel mit Beiträgen zu den Finanzmärkten in
Nordamerika und Japan finden Sie bis zum Erscheinen des nächsten
Consors Weekly auf der Consors Website im News & Research-Bereich
unter der folgenden Adresse:
http://www.consors.de/infoworld/newsresearch/...br20020517/index.html



Gruß Pichel  

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