Chaos im Arbeitsamt

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 28.04.05 13:28
eröffnet am: 28.04.05 11:09 von: Karlchen_I Anzahl Beiträge: 12
neuester Beitrag: 28.04.05 13:28 von: Talisker Leser gesamt: 488
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

28.04.05 11:09

21799 Postings, 7831 Tage Karlchen_IChaos im Arbeitsamt

 Arbeitslosenzahlen

Die Daten über Arbeitslosigkeit speisen sich künftig aus den IT-Fachverfahren der BA und aus Datenlieferungen von zugelassenen kommunalen Trägern nach § 51b SGB II. Dabei traten im Januar vor allem folgende Probleme auf:

a. Mit kommunalen Trägern wurden Datenlieferungen und Datenstandards vereinbart. Der Datentransfer hat sich
    im Januar als grundsätzlich machbar erwiesen, viele Kommunen haben Daten geliefert. Die Datenlieferungen
    waren aber noch nicht so voll-ständig oder konnten noch nicht so aufbereitet werden, dass sie als Basis für
    die Statistik nutzbar waren.
b. Erwerbsfähige Hilfebedürftige, die bis Ende 2004 Sozialhilfeempfänger, aber nicht arbeitslos gemeldet waren,
    erhalten ab Januar zwar schon Arbeitslosengeld II, und sind überwiegend, aber noch nicht vollständig als
    Arbeitslose erfasst.
c. Ehemalige Arbeitslosenhilfeempfänger, die nun Arbeitslosengeld II erhalten und für die ab Januar grundsätzlich
    ein zugelasse-ner kommunaler Träger zuständig ist, wurden fast alle bei der Arbeitsagentur für eine
    Übergangszeit weiter als arbeitslos geführt, weil die Daten vom kommunalen Träger noch nicht abgerufen
    wurden.
d. Die Überprüfung, ob Arbeitslosigkeit vorliegt, ist mit der Bewilligung des Arbeitslosengeld II nicht
    abgeschlossen. Veränderun-gen werden sich insbesondere durch die intensivere Betreuung und Vermittlung
    ergeben.

Für den Januar wurden Bestands- und Bewegungsdaten zur Arbeitslosigkeit aus den IT-Fachverfahren der BA gewonnen. Wegen c. sind dort noch fast alle Arbeitslosen enthalten, die zuvor Arbeitslosenhilfe bezogen haben ? sie werden erst nach und nach von den Arbeitsagenturen in die Zuständigkeit kommunaler Träger wechseln. Es fehlen Arbeitslose, die zuvor Sozialhilfe bezogen haben und nun erstmals als arbeitslos bei einer optierenden Kommune erfasst werden. Auf Kreis- und Agentursbezirksebene ohne optierende Kommune sind die Daten zur Arbeitslosigkeit vollständig. In den nächsten Monaten werden die noch fehlenden Daten kommunaler Träger in die Arbeitslosenstatistik integriert. Alle Angaben zur Arbeitslosigkeit sind deshalb zunächst vorläufige Werte, die später durch endgültige Daten ersetzt werden. Die Aufteilung der Arbeitslosen nach Rechtskreisen (SGB III und SGB II) und Trägerschaft (Arbeitsagentur, Arbeitsgemeinschaft, getrennte Trägerschaft, optierende Kommune) sind z.T. verzerrt, weil nicht alle Datensätze auf den neuen Rechtskreis und Träger umgeschlüsselt wurden und Daten kommunaler Träger fehlen.

 Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe

Die Zahlen der Arbeitslosengeldempfänger für Dezember 2004 und Januar 2005 und für Arbeitslosenhilfeempfänger für Dezember 2004 (als Abschlusswert) wurden aus dem IT-Fachverfahren der BA ermittelt. Wegen Nacherfassungen und Datenkorrekturen werden Daten zu Leistungsempfängern erst mit einer Zeitverzögerung von zwei Monaten festgeschrieben. Um aktuell berichten zu können, wurden die Ergebnisse für Dezember hochgerechnet, und zwar nach dem Verhältnis von vorläufigen zu endgültigen Werten in den zurückliegenden Monaten. Der Wert für Arbeitslosengeldempfänger im Januar wurde geschätzt. Die Angaben zu den Arbeitslosengeld- und Arbeitslosenhilfeempfänger sind deshalb vorläufig.

 Leistungen nach dem SGB II

Für die SGB II-Leistungen wurde mit A2LL ein neues IT-Fachverfahren geschaffen, aus dem Daten gewonnen werden können. Da A2LL nicht von allen Kommunen und nicht von allen Arbeitsgemeinschaften genutzt wird, sind ergänzende Datenlieferungen von kommu-nalen Trägern erforderlich. Die Datengenerierung ist am Jahresanfang 2005 auf folgende Probleme gestoßen:

a. Zugunsten der Sicherstellung der pünktlichen Fallbearbeitung und Auszahlung wurde die Programmierung einer
     Schnittstelle zur Statistik zunächst zurückgestellt. Dies wird im Laufe des Jahres 2005 nachgeholt; solange
     werden mit einer Übergangslösung aus A2LL die wichtigsten Daten abgezogen, die als vorläufig anzusehen
     sind.

b. Mit kommunalen Trägern wurden Datenlieferungen und Datenstandards vereinbart. Der Datentransfer hat sich
    im Januar als grundsätzlich machbar erwiesen, viele Kommunen haben Daten geliefert. Die Datenlieferungen
    waren aber noch nicht so voll-ständig oder konnten noch nicht so aufbereitet werden, dass sie als Basis für
    die Statistik nutzbar waren.

Mit Hilfe von Schätzungen wurden fehlende Daten zu Bedarfsgemeinschaften, Arbeitslosengeld II und Sozialgeldempfänger auf Kreis- und Agentursbezirksebene ergänzt; Bundes- und Länderzahlen wurden durch Aggregation von z.T. geschätzten Kreisdaten ermittelt (bottom-up). Die Angaben für diese Bezirke und Kreise sowie Bundes- und Landeszahlen sind deshalb vorläufige Schätzungen.

 Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Basis für die Statistik über arbeitsmarktpolitische Instrumente sind zum einen die IT-Fachverfahren, zum anderen die Datenlieferun-gen kommunaler Träger. Bei den Statistiken über arbeitsmarktpolitische Instrumente, die im
SGB II?Rechtskreis eingesetzt werden können, sind folgende Probleme aufgetreten:

a. Mit kommunalen Trägern wurden Datenlieferungen und Datenstandards vereinbart. Der Datentransfer hat sich
    im Januar als grundsätzlich machbar erwiesen, viele Kommunen haben Daten geliefert. Die Datenlieferungen
    waren aber noch nicht so voll-ständig oder konnten noch nicht so aufbereitet werden, dass sie als Basis für die
    Statistik nutzbar waren.
b. Teilnehmer, die Maßnahmen in 2004 begonnen hatten (sei es bei einer Agentur oder im Rahmen der Hilfe zur
    Arbeit bei einer Kommune) und nun Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben oder hätten, wurden nicht auf den
    neuen Träger bzw. den Rechts-kreis SGB II umgestellt oder in das neue IT-Fachverfahren eingegeben
c. Eintritte in Maßnahmen wurden zeitverzögert statistisch erfasst. Die zeitverzögerte Erfassung in den IT-
    Fachverfahren wird in den Statistiken der BA für Maßnahmeteilnehmer nach dem SGB III durch ein
    Hochrechnungsverfahren ausgeglichen, das für den In-strumenteneinsatz im Rechtskreis SGB II mangels
    Erfahrungswerten nicht anwendbar ist.

Fehlende Datenlieferungen kommunaler Träger konnten nicht aufgeschätzt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Angaben zum Instrumenteneinsatz im Rechtskreis SGB II die Untergrenze bilden und nachträglich vermutlich nach oben korrigiert werden. Die Verteilung auf Träger und Rechtskreise ist verzerrt und wird erst im Laufe des Jahres richtig abgebildet werden können; deshalb wird zunächst auf eine getrennte Darstellung nach Träger und Rechtskreis verzichtet.


Weitere statistische Hinweise

 Die Bundesagentur für Arbeit hat ihre in den Geschäftsprozessen anfallenden Daten zu Arbeitslosen, Leistungsempfängern, gemeldeten Stellen und arbeitsmarkpolitischen Maßnahmen ab Januar 2004 Zug um Zug mit einer neuen Informationstechno-logie aufbereitet. Aufgrund verbesserter Abfragemöglichkeiten und konzeptioneller Änderungen ist es zu zum Teil deutlichen Datenrevisionen gekommen. Deshalb ergeben sich Abweichungen zu früher veröffentlichten Daten.
 Der Erhebungsstichtag der Statistiken der Bundesagentur für Arbeit wird ab 2005 auf die Monatsmitte gelegt, bisher wurden statistische Erhebungen jeweils am Monatsende durchgeführt. Damit kann in der Regel schon am Ende des Berichtsmonats über den Arbeitsmarkt berichtet werden, zudem passen Monatsmittezahlen besser zu den Monatsdurchschnittswerten der ILO-Erwerbsstatistik. Der Vorjahresvergleich ist wegen unterschiedlicher Stichtage etwas verzerrt. Bei der Interpretation von Zu- und Abgängen ist darüber hinaus zu beachten, dass der Erfassungszeitraum jeweils die Hälften zweier benachbarter Monate um-fasst, also z.B. die Arbeitslosmeldungen von Mitte Januar bis Mitte Februar. In den Berichten wird gleichwohl verkürzend von den Zu- und Abgängen des jeweiligen Berichtsmonats gesprochen.
 Die statistische Erfassung der Inanspruchnahme arbeitsmarktpolitischer Leistungen wird erst nach drei Monaten endgültig abgeschlossen. Damit wird die Qualität der Daten deutlich verbessert, weil Nacherfassungen und Datenkorrekturen bis zu drei Monaten nach dem Berichtsmonat noch berücksichtigt werden können. Um trotzdem monatlich aktuell berichten zu können, werden die Ergebnisse des Berichtsmonats hochgerechnet, und zwar nach dem Verhältnis von vorläufigen zu endgültigen Wer-ten in den zurückliegenden Monaten. Die aktuellen Ergebnisse sind deshalb für drei Monate als vorläufig anzusehen.
 Mit dem dritten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (in Kraft seit 1. Januar 2004) wurde im § 16 SGB III klar gestellt, dass Teilnehmer in Maßnahmen aktiver Arbeitsmarkpolitik prinzipiell nicht als arbeitslos gelten. Dies entsprach grundsätzlich der schon vorher angewandten Praxis; eine Änderung ergab sich allein für Teilnehmer an Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen, die bis Ende 2003 auch während des Maßnahmebesuchs als Arbeitslose gezählt wurden. Bei Vergleichen der Arbeitslosenzahl mit Daten von 2003 und früher ist das zu beachten.

 

28.04.05 11:33

129861 Postings, 6383 Tage kiiwiiWahnsinnig interessant...

MfG
kiiwii

.  

28.04.05 11:38

21799 Postings, 7831 Tage Karlchen_INicht wahr?

Kurzum: Alles was die zur Zeit an Zahlen veröffentlichen, kann man getrost in der Pfeife rauchen.  

28.04.05 11:42

129861 Postings, 6383 Tage kiiwii?

willst Du sagen, die Zahl von 4,968 Millionen Arbeitslosen im April stimme nicht ?

(Und ich war schon ganz erfreut heute Morgen !)


MfG
kiiwii

.  

28.04.05 11:47

1720 Postings, 6129 Tage Hartz5Statistisch gesehen geht es mit Deutschland

weiterhin rapide abwärts. Warum sollten die Zahlen vom deutschen Arbeitsmarkt genauer und schneller vorliegen, als bei den anderen Zahlenwerken. Wer in Deutschland auf den offiziellen Seiten nach aktuellen und vor allem konkreten Zahlen sucht, wird schnell feststellen, daß es die so gut wie nicht gibt. Das gilt quer durch alle Bereiche. Eigentlich unverständlich, da gerade in der BRD ein gewaltiger Bürokratieufwand für die Erfassung getrieben wird, der z.B. auf der Kostenseite der Unternehmen, enorme Summen verschlingt.

Jedoch scheinen Ministerien und Behörden nicht in der Lage zu sein, aus der Flut dieser Daten irgendetwas Anständiges zu basteln. Hierfür spricht auch die hohe Zahl von externen Beratern (als Alibi ohne wirklichen Nutzen), die mittlerweile eingesetzt werden, da man politisch den Überblick verloren hat.

So wird man wohl auch in Zukunft eher verläßlichere und zeitnahe Daten und Satistiken bei einigen unserer auländischen Nachbarn finden, wobei uns dies ganz konkret bei den eigenen Arbeitslosenzahlen auch nicht viel weiter hilft.  

28.04.05 11:56

36845 Postings, 6444 Tage TaliskerHoppla, mal wieder an der Zeit für nen kleinen

Rundumschlag?

Bekanntlich sind bei Hartz IV Kommunen und Agenturen zusammengegangen. Zur letztlichen Erfassung der Daten gibt es ein von der Agentur gestelltes "Tool". Dies wurde (logisch) von den Kommunen zuvor nicht benutzt (nebenbei, hab ich gehört, klar, von Agenturseite: die Kommunen kamen mit tollen Zahlen und Behauptungen an  - als nachgefragt/-gehakt wurde, zeigte sich, dass sie gar keine/kaum Zahlen hatten). Die von den Kommunen mitgebrachten "Kunden" müssen da nun erstmal eingepflegt werden.
Um nix anderes gehts in #1.
Gruß
Talisker  

28.04.05 12:35

10041 Postings, 6900 Tage BeMiRiesiger Aufwand,

um
- Sozial- und Arbeitslosenhilfe zusammenzulegen,
- Sozialparasiten in der Arbeitslosenhilfe auszu-
  sortieren.

Was kommt unten bei raus?
- Frustrierte Arbeitsamtmitarbeiter,
- Ungerechtigtkeiten,
- keine neuen Arbeitsplätze.

Fazit:
Viel Wind um NICHTS.
Das hätte man mit etwas ökonomischen Sachverstand
und entsprechender Methodik alles billiger und
einfacher haben können.

Aber wir Deutschen haben es ja, und alle
glauben an die Notwendigkeit und den Erfolg
eines Aktionismus, den man "Reformen" nennt.  

28.04.05 12:42

Clubmitglied, 46334 Postings, 7546 Tage vega2000Wir sind geliefert,

wenn jetzt noch die Nachricht über den Ticker läuft Microsoft habe die Software zur Datenerfassung entwickelt.


 

28.04.05 12:45

10041 Postings, 6900 Tage BeMiWarum

gibt es eigentlich für das sehr informative Posting # 1
keine grünen Sterne?
 

28.04.05 13:05

12570 Postings, 6360 Tage EichiHartz IV ist der größte Unsinn,

welcher nur von Bürokraten verzapft werden konnte.

Dgl. ist, wie wenn jemand in's Spielcasino geht und versucht mit seinen letzten paar Kröten, welche er sich per Kredit geliehen hat, Gewinne zu erzielen.

Die Katastrophe war doch schon im voraus erkennbar. So was von Blauäugigkeit!

Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sind grundsätzlich zweierlei. Arbeitslosenhilfe erhielten solche, welche im Gegensatz zur Sozi, ordnungsgemäß gearbeitet haben. Allein hier ist schon die moralische Unwürdigkeit erkennbar.

Der Karren ist nun in den Dreck gefahren.  

28.04.05 13:28

4428 Postings, 6702 Tage Major Tom"Mouse-Driver not found - please klick OK!"

@BeMi, Moderatoren sind auch nur Menschen und der Grat auf dem sie wandeln - zwischen allzu menschlichen Schwächen und Fehlern einerseits und den unfehlbaren/allmächtigen Göttern andererseits - ist sehr schmal. ;-) Aber der Tag ist ja noch jung und er birgt vielleicht noch so manche Überraschung.

Zum Thema "Chaos im Arbeitsamt" hatte ich vor einiger Zeit einen Bericht im TV gesehen, der die Software-Probleme bei der Bundesagentur zum Thema hatte. Andauernde Schwierigkeiten mit dem neuen Computerprogramm zur Umsetzung der Hartz-IV-Reform, Stabilitätsprobleme im Rechnerbetrieb etc., die Haare konnten einem zu Berge stehen. Dennoch ist die Einführung neuer Computerprogramme durchaus mit Problemen verbunden, deshalb gilt auch hier: Problem erkannt, Problem gelöst, Problem gebannt (auch wenn es manchmal etwas länger dauert). Think Positive!

Ciao!

PS Zitat: "Ein Programmierer schreibt und erweitert Computerprogramme und befreit diese von Fehlern." :-P Win95-Feature: "Mouse-Driver not found - please klick OK!" Think Positive! :-)  

28.04.05 13:28

36845 Postings, 6444 Tage TaliskerKeine Sorge, vega2000

Dem ist nicht so. Da stammt die Software (nun nicht gerade dieses "Tool") noch aus Zeiten, da gabs Microsoft noch gar nicht.

@BeMi:
Könntest du
"Das hätte man mit etwas ökonomischen Sachverstand
und entsprechender Methodik alles billiger und
einfacher haben können."
ein wenig näher erläutern?
Gruß
Talisker  

   Antwort einfügen - nach oben