Branchen-Analyse: IT-Aktien

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1043522 Postings, 6449 Tage moyaBranchen-Analyse: IT-Aktien

Branchen-Analyse
Neu aufgestellt reizen einige IT-Aktien zum Einstieg
Von der Smartcaps-Redaktion Frankfurt 25. Juni 2004

Die allseits von der Branche erwarteten Wachstumsraten sprechen für sich und motivieren viele Unternehmer. So auch den Vorstandsvorsitzenden der Freenet.de AG. Ein ?Rekord-Ergebnis? legte Eckhard Spoerr Anfang des Jahres vor, mit beinahe unglaublichen Zahlen: Die Umsätze stiegen gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres um 792 Prozent auf 119,5 Millionen Euro und übertrafen damit sogar das saisonbedingt sehr gute Vorquartal nochmals um 2,9 Millionen Euro.

Doch dieser Boom hatte einen Grund. ?Der Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres gilt nur bedingt?, erläutert Spoerr, ?denn damals hatten wir noch nicht die Festnetzsparte?. In die ist die Freenet.de AG erst im April des vergangenen Jahres eingestiegen. Damals kaufte das Unternehmen für 35 Millionen Euro die Infrastruktur der angeschlagenen Konzernmutter Mobilcom. Das scheint sich zu lohnen.

Dank der optimierten Netzinfrastruktur sei nun das Unternehmen profitabler geworden. ?Wir ernten jetzt die Früchte der Festnetzübernahme?, so der CEO. ?Die Freenet.de AG verfügt nun über eines der leistungsfähigsten Netze Europas für Data und Voice-Traffic.? Und schaut zuversichtlich nach vorne.

Erfolg darf nicht zur erneuten Überhitzung führen

Die Aktionäre honorieren die Geschäftstätigkeiten von Spoerr und seinen Kollegen seit Monaten. Das Wertpapier steigt beständig, ein Ende scheint nicht in Sicht. Aktuell kostet eine Aktie des Internet-Dienstleisters 74,60 Euro.

Jedoch mahnt auch Spoerr zur Zurückhaltung: ?Angesichts der enormen Herausforderungen und Anstrengungen, die in der aktuellen Branchenlage notwendig sind, können wir eine unveränderte Fortschreibung dieser hervorragenden Zahlen nicht garantieren?, so der Vorstandschef. Analysten sehen dennoch kein Ende des Freenet-Aufwärtstrends.

Ebenso wie der Branchenverband Bitkom für den gesamten IT-Markt in Deutschland. ?Die Minus- und Stillstandsjahre sind vorbei?, sagt der Vorsitzende Willi Berchtold. ?Das Wachstum gewinnt spürbar an Fahrt.? Auch er sieht als wesentlichen Wachstumstreiber die Telekommunikationsdienste. Verantwortlich seien dafür vor allem die Internetzugänge. ?Bis 2006 werden 38 Millionen Haushalte per DSL oder Kabelmodem breitbandig ins Internet gehen.? Hinzu komme der Start der UMTS-Dienste. Es scheint also wieder jede Menge Bewegung in der Branche zu sein.

OnVista mit Finanzportal auf Erfolgskurs

Das spüren auch Cross-over-Unternehmen wie die OnVista AG. Das Medien- und IT-Unternehmen konnte in den beschriebenen Sparten ordentlich zulegen. ?Im ersten Quartal 2004 hat sich der Gewinn im Geschäftsfeld Media mehr als verdoppelt?, sagt Finanzvorstand Michael W. Swetje. Vor allem das bankenunabhängige Finanzportal OnVista.de habe durch seine Werbeeinnahmen erheblich zu diesem Erfolg beigetragen.

Das Segmentergebnis habe in den ersten drei Monaten um 102 Prozent zugenommen. Zwar waren das gerade mal 0,43 Mio. Euro. Doch der Trend sei ausschlaggebend. Der Vorstand rechnet mit einem Konzernumsatz von 5 Mio. Euro. ?Wir gehen für dieses Jahr von einer Umsatzrendite im zweistelligen Bereich aus?, sagt Vorstandsvorsitzender Fritz Oidtmann.  

Im Unterschied zu der früheren New-Economy haben die Unternehmen, die sich heute in der Branche zeigen, zumeist eine gute Liquiditätsbasis. So auch OnVista. Der Finanzmittelbestand beträgt knapp 25 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote damit 96 Prozent. ?Unser hoher Cash-Bestand versetzt uns in die Lage, jederzeit weitere attraktive Akquisitionschancen zu nutzen?, so Oidtmann.

Mitarbeiter fallen Restrukturierung zum Opfer

Die Aktie des Konzerns leidet aber. Seit Anfang des Jahres ist sie von sieben Euro auf 5,75 gefallen. Dennoch: Oidtmann und sein Team sind zuversichtlich und sehen auch bei sich die Vorteile der Erholung der Branche und den eigenen Anstrengungen. ?Nach drei schwierigen Jahren blicken wir äußerst optimistisch in die Zukunft.? Dies sei nicht nur durch die freundlicheren Rahmenbedingungen so. ?Vor allem haben wir selbst in den vergangenen zwölf Monaten strategische Weichenstellungen vorgenommen, die den Konzern dauerhaft prägen und grundlegend neue Chancen eröffnen.?

Zum Teil mit schmerzhaften Einschnitten: Zum Ende des ersten Quartals 2004 beschäftigte der OnVista-Konzern 41 Mitarbeiter. Ein Jahr zuvor waren es noch 139. Auch ein Zeichen dafür, daß die Konsolidierung einer Branche nicht ohne Verluste abläuft. Einfacher haben es momentan reine Anbieter von Internet-Plattformen. Hier ist der Erfolg schneller sichtbar als bei Unternehmen wie der SinnerSchrader AG, die vor allem für Old-Economy-Unternehmen arbeiten.

United Internet punktet mit Online-Werbung

United Internet ist solch ein Beispiel. Der Internet Service Provider bietet Dienste wie GMX oder 1&1 an. Die Spezialisten konzentrieren sich auf die Geschäftsfelder Software, Outsourcing und als neues Segment das Online-Marketing, das mittlerweile zu  einem europäischen Netzwerk mit Namen Adlink ausgebaut wurde.  

Die Konsequenz: United Internet meldete für das 1. Quartal 2004 einen Rekordumsatz: Plus 18 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) stieg von 12, 8 Millionen auf 21,1 Millionen Euro. Kein Wunder, daß CEO Ralph Dommermuth da zufrieden ist. ?Kern unserer Geschäftstätigkeiten ist eine leistungsfähige Internet-Fabrik.? Damit sei United in der Lage ihre Produktpalette nahezu beliebig zu erweitern, zu konfektionieren und zu exportieren. Auch bei den Spezialisten aus Montabaur zählt die kundenspezifische Ausrichtung. Der Erfolg ist seit längerem abzusehen.

Führungsrolle im TecDax

?Basis für das Wachstum ist unverändert der stabile Anstieg der kostenpflichtigen Kundenverträge?, sagt Unternehmenschef und Großaktionär Ralph Dommermuth. Bis Jahresende sollen international etwa 3,5 Millionen (Ende 2003: 2,8) Menschen Kunden von den verschiedenen Internet-Angeboten sein. ?Außerdem rechnen wir jetzt damit, daß wir bereits 2006 fünf Millionen Kunden für uns gewinnen können?, schätzt Dommermuth.

United Internet gehörte in den vergangenen Monaten immer wieder zu den Gewinnern im TecDax, wo das Unternehmen notiert ist und gegen solche Größen wie T-Online und Qiagen besteht. Die Aktie notiert aktuell bei knapp 22 Euro und bewegt sich weiterhin im langfristigen Aufwärtstrend. Der Gipfel ist noch nicht erreicht.

Web.de ruht auf drei Geschäftssegmenten

Ein weiterer Internet-Portal-Betreiber ist die Web.de AG. Auch bei dem Karlsruher Unternehmen treffen eigene Restrukturierungsmaßnahmen und die gute Konjunktur derzeit zusammen. Nachdem das Unternehmen ein großes Aktienrückkaufprogramm gestartet hatte, ist das Wertpapier für viele Anleger noch attraktiver. Das Programm zeige, so ein Analyst der BW Bank, dass das Management die Aktie mit 8,30 als unterbewertet ansieht. Experten stiegen nun mit ein, weil sie in der Tat mit weiteren Kurssteigerungen rechnen.

Nicht zu unrecht. Web.de hat sein profitables Portalgeschäft durch erheblichen Kundenzuwachs und einer verstärkten Online-Werbung fortgesetzt. Die Seite Web.de wird heute schon von jedem dritten Deutschen genutzt, sie bietet 21 verschiedene Portale und mehr als 300 Themengebiete. Das im TecDax notierte Unternehmen schreibt bereits seit dem vierten Quartal 2002 schwarze Zahlen.

Das Business-Modell gründen die Karlsruher auf drei Säulen. Zum einen die Online-Werbung, überlebenswichtig für solche Dienste, zum anderen der E-Commerce, der erhebliche Wachstumsaussichten in Europa hat und zuletzt digitale Dienste mit Web-Telekommunikation. Jedes der drei Segmente funktioniert dabei wie ein eigenes Geschäft - jedes für sich erfolgreich.

?IT wird bald eine ganz normale Dienstleistung sein?

Matthias Schrader, Vorstand von SinnerSchrader, wundert das nicht. ?Das Internet wird der Markt der Zukunft und nach den anfänglichen Schwierigkeiten pendelt sich die Branche nun auf Normalniveau ein.? Er geht für SinnerSchrader von einem Wachstum in den kommenden fünf Jahren zwischen zehn und 15 Prozent aus. ?Ein gesundes Wachstum eben, das Potenzial ist in jedem Falle da.? Bald werde IT eine ganz normale Dienstleistung sein, prophezeit Schrader.

Dann werden die Geschichten um die roten Teppiche, die Yacht-Ausflüge bei St. Tropez und das Fabrik-Hallen-Image verpufft sein, wie einst so mancher Unternehmenswert. Die ?Übriggebliebenen? arbeiten zumindest hart daran.

 

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