Biotech-Aktien: Wo sich der Einstieg lohnt

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eröffnet am: 08.03.01 16:38 von: brudini Anzahl Beiträge: 2
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08.03.01 16:38

2709 Postings, 7353 Tage brudiniBiotech-Aktien: Wo sich der Einstieg lohnt

Trotz des Durchbruchs in der Genforschung ist bei den Biotech-Titeln
Ernüchterung eingetreten. Spekulationsfreudige Anleger setzen auf wenige
ausgewählte Aktien.

Darauf hatte die Biotech-Welt gespannt gewartet: Nach einem monatelangen
Kopf-an-Kopf-Rennen der staatlich geförderten Wissenschaftler des
Humangenomprojekts (HUGO) und Celera-Chef Craig Venter stellten beide Gruppen
Mitte Februar ihre Forschungsergebnisse vor. Doch die Enttäuschung war groß ?
vor allem in der Finanzwelt. Nur 30000 statt ursprünglich erwartete 100000
menschliche Gene fanden die Wissenschaftler. Das werde die Zahl der möglichen
Angriffspunkte für Medikamente, auf die die Pharmaindustrie so dringend hofft,
drastisch reduzieren, unken jetzt die Analysten.



Während einige Experten ein Gerangel um die wenigen Patente auf die viel
versprechendsten Gene heraufbeschwören, halten andere die Langfristperspektiven
der Branche weiter für aussichtsreich. Anleger müssen in jedem Fall kritisch
hinterfragen, ob die hohe Bewertung insbesondere der kleinen Biotech-Firmen
gerechtfertigt ist. Nur bei moderat bewerteten Biotech-Unternehmen, die mit
wenigstens dreistelligen Millionenumsätzen schon eine kritische Masse erreicht
haben und möglichst sogar profitabel sind, lohnt nach dem Kurssturz jetzt
wieder der Einstieg .

Zwar sind die Verluste der Biotech-Aktien noch nicht so hoch wie im
Internetsektor, wo die meisten Kurse vom Top 90 Prozent verloren haben. Dennoch
lecken sich auch Biotech-Investoren die Wunden, die zu Höchstkursen Anfang 2000
eingestiegen sind: So liegt der Nemax Biotechnologie-Index um mehr als 50
Prozent im Minus, Anleger in US-Biotechs verloren im Schnitt mehr als 30
Prozent ihres Einsatzes .

Besonders bei den Wissenschaftlern in den Biotech-Vorstandsetagen lösen die
Kurseskapaden nur Kopfschütteln aus. "Dass die Zahl der Gene niedriger ist als
erwartet, ist seit einem guten Jahr bekannt", sagt etwa Hermann Lübbert,
Gründer und CEO der Leverkusener Biofrontera AG. Nur sei das den
Finanzanalysten offensichtlich nicht aufgefallen. Biofrontera entwickelt mit
Hilfe der Genomforschung Medikamente gegen Schmerz, Alzheimer und Schizophrenie
und will 2002 an die Börse.

So wichtig auch das Entziffern des genetischen Buchstabensalats ist ? die
eigentliche Arbeit, den Gentext zu verstehen, beginnt erst jetzt. Dennoch
ließen sich Anleger von den Versprechungen des umtriebigen Celera-Chefs Venter
über den Wert seiner Forschungen gern betören. "Natürlich musste er behaupten,
dass die Genomdaten alleine auch schon wertvoll sind ? wer hätte sonst Geld in
sein Unternehmen gesteckt?", feixt Biofrontera-Forschungschef Alfred Maelicke.

Ohnehin sollten Anleger lieber auf das US-Unternehmen Incyte Genomics setzen.
Der Datenlieferant ist an der Börse wesentlich günstiger zu haben als Celera,
zumal Venter nach dem großen Showdown nun das Lager gewechselt hat: Er will mit
dem Versprechen, Krebs zu besiegen, neue Kursfantasien schaffen und begibt sich
damit auf ein neues, hochriskantes Terrain.

Auch wenn viele wegen euphorischer Zukunftserwartungen hochgepeitschte Kurse
inzwischen in den Keller gegangen sind, dürfte Anlegern angesichts manch hoher
Bewertungen immer noch mulmig werden. So ist beispielsweise der
deutsch-niederländische Vorzeigezulieferer Qiagen an der Börse trotz einer
Kurshalbierung immer noch vier Milliarden Euro wert. Der Umsatz soll den
Planungen zufolge 2001 knapp 300 Millionen Euro erreichen, das
Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt immer noch über 100. Unternehmen mit einem
Minigeschäft von wenigen Millionen Euro und operativen Verlusten werden meist
sogar noch mit einem erheblich höheren Umsatzmultiple gehandelt ? je kleiner
das Unternehmen, desto lauter die Zukunftsmusik. So müssen Anleger für den
Neuer-Markt-Wert Biotissue das 250fache des Umsatzes bezahlen.

Ein weiteres Risiko: Biotechnologie- und Pharmaaktien erwiesen sich angesichts
gestiegener Konjunkturängste als sicherer Hafen. So paradox es klingen mag:
Sollte der Konjunktureinbruch in den USA nicht so stark wie erwartet ausfallen
und sich die Börse erholen, könnten die Kurse der Biotechs unter Druck kommen,
weil sie dann diese Funktion verloren hätten. Sollte in den USA dagegen die
Rezession kommen, blieben Biotech-Aktien relativ zum Gesamtmarkt attraktiver.

Gleiches gilt für die Pharmawerte. Die als defensive Aktienanlage geltenden
Titel wie zum Beispiel Pfizer werden häufig zurzeit mit dem 30fachen oder
höherem ihres Jahresgewinns gehandelt und damit deutlich teurer als im
Durchschnitt der Vergangenheit. Moderater bewertet und deshalb eine relativ
günstige Kaufgelegenheit sind die Titel einiger ausgewählter solider
Pharmakonzerne wie Merck, Novartis oder Schering.

Doch vor dem totalen Absturz sind Pharma- und Biotech-Werte gefeit: "Eine
Rezession verringert nicht die Zahl der Patienten, die Medikamente einnehmen",
erläutert das Biotech-Team der Fondsgesellschaft DWS in einer neuen Studie.
"Die gegenwärtigen fundamentalen Daten der Biotech-Industrie sind besser als
jemals zuvor in den vergangenen 20 Jahren." Für die USA rechnet die DWS allein
2001 mit 25 neu zugelassenen Medikamenten ? angesichts der bisher 110 auf dem
Markt präsenten biotechnologisch hergestellten Produkte eine stolze Zahl.

"Für den Sektor weiter bullish", ist auch Alexander Burger, Biotech-Spezialist
bei der Landesbank Baden-Württemberg. Fantasie wecken die rund 800 Produkte,
die sich in der klinischen Entwicklung befinden, davon an die 300, die bereits
das fortgeschrittene Prüfstadium (Phase III) erreicht haben.

Allerdings ist nach Expertenmeinung der Weg bis zur Produktreife nach den
jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen eher länger und damit auch teurer
geworden. Die Investmentbank Lehman Brothers und die Unternehmensberatung
McKinsey rechnen in einer gemeinsamen Studie damit, dass sich die Kosten für
die Markteinführung von Medikamenten von 800 Millionen Dollar im Jahr 2000 auf
1,6 Milliarden Dollar 2005 verdoppeln werden.

Der Grund: Die Unternehmen werden im Wettlauf um die besten Arzneimittel immer
häufiger Neuland betreten müssen. Das erhöht die Gefahr von Fehlschlägen. So
haben sich in der Vergangenheit die Medikamentenhersteller auf rund 500 Ziele
im Körper konzentriert, für die sie immer neue Wirkstoffe entwickelten. Die
Entschlüsselung des menschlichen Genoms werde diese Zahl nach Schätzung der
Experten unabhängig davon, ob es nun 30000 oder 100000 Gene sind, auf rund 5000
erhöhen ? Ziele, die aber erst einmal aufgespürt werden müssen.

Angesichts der hohen Ausgaben für die Entwicklung neuer Medikamente wird kaum
ein Biotech-Unternehmen allein in der Lage sein, die Markteinführung zu
stemmen. Zudem fehlt den meisten Firmen das Vertriebs-Know-how. Deshalb sind
die Startups auf die Zusammenarbeit mit finanzstarken Pharmafirmen angewiesen.
Die Zahl der Kooperationen eines Biotechnikunternehmens und die Höhe der
vereinbarten Lizenzzahlungen sind ein Indiz dafür, wie erfolgreich es ist.
Umgekehrt kann auch nur der Pharmakonzern überleben, der über ein Netz von
Verträgen mit den wendigen Youngstern verfügt. "Die Biotechs sind einfach
innovativer als die großen Konzerne, weil sie dichter an den Hochschulen und
Forschungsinstituten dran sind", sagt Katharina Uhlenbrock,
Biotechnologieanalystin bei der Deutschen Bank.

Sie fährt im Moment einen eher vorsichtigen Kurs und setzt vor allem auf die
Forschungsdienstleister, die den Medikamentenentwicklern ihre Technik
verkaufen: "Die Statistik zeigt, dass die meisten Arzneimittelkandidaten die
klinischen Prüfungen nicht schaffen." Die Dienstleister dagegen profitieren in
jedem Fall vom Boom der Branche. Dazu zählen aus Deutschland neben Qiagen, die
Verfahren zum Aufreinigen von Erbsubstanz anbieten, oder die Heidelberger Lion
Bioscience, die Software zur Bewältigung der enormen Datenmengen programmiert.
Die Kurse beider Unternehmen waren zuletzt aber deutlich unter Druck, eine
weitere Konsolidierung auf niedrigem Niveau ist auf kurze Sicht zu erwarten.
Dass Lion jetzt die vom Ursprungskonzept des Dienstleisters für die
Biotech-Branche in die Medikamentenentwicklung vordringen will, sieht
LBBW-Analyst Burger denn auch kritisch.

Auch Hersteller von so genannten Biochips wie die Freiburger Genescan
profitieren von den nun veröffentlichten Daten, betont Genescan-Chef Ulrich
Birsner. Schließlich könnten die Analysechips nun viel gezielter entworfen
werden. Allerdings ist das kleine, noch verlustreiche Unternehmen an der Börse
mit dem 12fachen Umsatz bewertet ? das Kursrisiko ist derzeit deshalb
wesentlich höher als die Chance auf Gewinne. Investoren, die in Genchips
investieren wollen, sollten wiederum in die USA schauen. Mit Affymetrix findet
sich an der Nasdaq einer der führenden und profitablen Hersteller weltweit,
dessen Bewertung mit dem 10fachen Umsatz noch Kursfantasie bei allerdings hohem
Risiko zulässt.

Ulrich Kinzel, Direktor der Life-Science-Gruppe der Investmentbank WestLB
Panmure in London, sieht dagegen größere Chancen in der
Medikamentenentwicklung: "Die Wachstumsperspektiven sind dort einfach größer."
Ein wichtiges Auswahlkriterium nennt Burger: "Investoren achten inzwischen
stark darauf, ob aus der Pipeline der Unternehmen bald profitable Medikamente
kommen." Das ist bisher vor allem bei US-Unternehmen der Fall. Während Amgen
als das führende und umsatzstärkste Biotechunternehmen der Welt unverändert mit
einer hohen Prämie bewertet ist, ist der kleinere Medikamentenentwickler Chiron
recht günstig bewertet. Chiron hat für 2000 sehr solide vorläufige Ergebnisse
gemeldet. Das profitable Unternehmen erreichte fast die Umsatz-Dollar-Milliarde
und ist damit im Vergleich zu deutschen Biotechs ein Schwergewicht.

Unter dem Strich ist der Biotech-Sektor nur für spekukative Investoren mit
guten Nerven und langem Atem geeignet. Um Kursrückschläge bei in der Branche
nie auszuschließenden unternehmensspezifischen Enttäuschungen abzufedern,
sollten Investoren immer Stop-Loss-Kurse als Sicherheitsnetz spannen.

Einzelinvestments sind weiter hochriskant, eine Streuung auf verschiedene
Aktien der Branche ist dringend anzuraten. Alternativ bieten sich auch
Biotech-Fonds an . Auch wer in die am Neuen Markt notierte BB Biotech
investiert, minimiert sein Risiko: Die Schweizer Holding ist an knapp 30
Biotech-Unternehmen beteiligt.

Das sichert ab, denn schon heute ist klar, dass nicht alle der neu gegründeten
Biotech-Unternehmen überleben werden. Qiagen-Chef Metin Colpan rechnet sogar
mit einem Schwund von etwa 50 Prozent.

LOTHAR KUHN/SUSANNE KUTTER/ CHRISTOF SCHÜRMANN

Quelle: Wirtschaftswoche heute
http://wiwo.de/WirtschaftsWoche/Wiwo_CDA/0,1702,10679_57852,00.html

Was meint Iht?
 

08.03.01 17:00

2709 Postings, 7353 Tage brudiniWelche Biotechaktien im Neuen Markt

sollte man sich ins Depot holen?  

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