Bayern-Präsident in Spe im Interview;-)

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eröffnet am: 29.04.05 14:47 von: verdi Anzahl Beiträge: 2
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29.04.05 14:47

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DIE ZEIT

18/2005    

»Klinsmann ist aus der Not geboren«

Uli Hoeness über den DFB-Teamchef, den neureichen FC Chelsea und seinen Traum, Nachfolger von Franz Beckenbauer zu werden


DIE ZEIT: Herr Hoeneß, der FC Bayern steht im DFB-Pokalfinale, hat beste Chancen, Meister zu werden, nur mit der Champions League hat es wieder nicht geklappt. Wie tief sitzt der Schmerz?

Uli Hoeneß: Es bleibt kein Schmerz zurück. Wir haben eine gute Vorstellung gegeben. Gegen eine Mannschaft wie Chelsea kann man ausscheiden.

ZEIT: Gleich nach dem Spiel haben Sie gesagt: »Eigentlich war der FC Bayern das bessere Team, aber die anderen waren die Glücklicheren.« Bisher hat man so etwas immer umgekehrt gehört.

Hoeneß: Ja, es hat sich etwas verschoben. Da ist aus Russland ein Herr Abramovic gekommen, er geht zu Tony Blair und sagt, er möchte Engländer werden, er kauft einen Fußballverein ? und gibt dafür Geld ohne Ende. Ich schätze, dass er in den letzten drei Jahren zwischen 300 und 500 Millionen Euro in diesen Fußballverein gesteckt hat. Nun glaube ich nicht, dass das so bleibt. Wenn es so bliebe, hätten wir auf die Dauer keine Chance.

ZEIT: Ändert sich die Selbstwahrnehmung des FC Bayern: im Inland der Krösus, international die Kirchenmaus?

Hoeneß: Chelsea ist eine Sache. Die andere ist Folgendes: Als wir im Herbst in Turin gespielt haben, hat mich total geschockt, dass zu dem Spiel keine 60000, sondern nur 25000 Zuschauer kamen. Mein Kollege Roberto Bettega erklärte das damit, dass die Zuschauer, die am nächsten Morgen arbeiten müssen, das Spiel lieber im Fernsehen verfolgen. Aber das sei für den Verein kein Problem. »Wir bekommen vom Fernsehen pro Jahr 95 Millionen Euro«, sagte er mir. Der FC Bayern bekommt vom Fernsehen in Deutschland nur 18 Millionen Euro im Jahr. Wenn sich das nicht ändert, indem zum Beispiel Premiere mehr bezahlt, haben wir auch da ein Problem.

ZEIT: Welche Rolle spielte die Aussicht auf viel Geld bei Ihrer eigenen Entscheidung, Profifußballer zu werden?

Hoeneß: Ich wollte die soziale Leiter hochsteigen. Ich habe meinen Vater von morgens um drei bis abends arbeiten gesehen. Meine Mutter hat tagsüber in unserer Metzgerei gestanden und am Wochenende die Buchhaltung gemacht. Ich habe im Fußball für mich eine Chance gesehen.

ZEIT: Können große Fußballmannschaften nur in Gesellschaften aufwachsen, in denen es diese Aufstiegschancen noch gibt?

Hoeneß: Es muss Hunger da sein. Man muss auch zwischendurch leiden, um etwas Großes zu machen.

ZEIT: Bei manch einem Spieler hat man den Eindruck, er habe sich nie gequält, bei Franz Beckenbauer, Ihrem Präsidenten, zum Beispiel. Er ist ja eine Art wandelnder Werbespot geworden.

Hoeneß: Franz ist Präsident des Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Als Präsident bekommt er kein Geld, und auch die Aufsichtsratsvergütung spendet er. Wir sehen uns selten, unser Verhältnis ist bestens.

ZEIT: Auch wenn Sie ihn selten sehen, können Sie ihn doch mehrere Male die Woche lesen.

Hoeneß: Er schreibt ja nicht selbst.

ZEIT: Vermutlich lesen Sie es trotzdem ? und die Spieler auch.

Hoeneß: Die haben aber auch gelernt, die Dinge zu relativieren. Die wissen, dass der Franz da mit irgendeinem von der Bild-Zeitung telefoniert und seine Meinung zu irgendetwas sagt, und dann schreiben die das unter seinem Namen auf.

ZEIT: Man liest von ihm aber auch Kritiken des FC Bayern.

Hoeneß: Das ist selten der Fall, und da hat es auch schon die eine oder andere größere Diskussion gegeben.

ZEIT: Jürgen Klinsmann holt für die Nationalmannschaft verstärkt Spieler, die im Ausland spielen oder die dort aufgewachsen sind. Als Sie noch gespielt haben, war noch von Härte, von Kampfgeist die Rede. Gab es eine deutsche Form des Fußballs?

Hoeneß: Was uns immer ausgezeichnet hat und teilweise bis heute auszeichnet, ist, dass wir nie aufgeben. Jürgen Klinsmann wird nächstes Jahr nur dann etwas putzen, wenn es ihm gelingt, eine Mannschaft zusammenzustellen, die diese Fähigkeit hat. Die deutsche Mannschaft, die nächstes Jahr bei der WM spielen wird, wird nie die technischen Fähigkeiten einer brasilianischen Mannschaft haben.

ZEIT: Das ist ja eine ganz fatale Aussicht: Die Konkurrenz zaubert, wir Deutschen haben nur den Kampf.

Hoeneß: Ob das mit Klinsmann gut geht, weiß man nicht. Aber er schafft es, den jungen Leuten Selbstvertrauen einzugeben. Jürgen Klinsmann kommt aus Amerika, wo vieles auch nicht so gut läuft. Aber er hat gelernt, so zu tun, als sei alles gut, und das versucht er zu vermitteln.

ZEIT: Hat sich Klinsmann verändert, seit er in Amerika ist?

Hoeneß: Jürgen war schon immer ein sehr guter Schauspieler und ein guter Verkäufer seiner Person. Und er hat ein sehr gutes Gespür dafür, was in der heutigen Zeit in der Öffentlichkeit gut ankommt und was nicht.

ZEIT: »Die Wahrheit ist auf dem Platz«, heißt es.

Hoeneß: Er hat ja nur einen Vertrag bis 2006. Wenn es gut geht, ist er der Held ? und wenn es schlecht geht, geht er wieder nach Kalifornien.

ZEIT: Glauben Sie, dass das Wohlwollen, das jetzt Jürgen Klinsmann aus dem DFB entgegenschlägt, wirklich da ist?

Hoeneß: Jürgen ist ja aus der Not geboren. Es waren ganz andere Herren im Gespräch. Franz wollte Matthäus haben. Und das Glück für uns alle war, dass der Sportchef der Bild-Zeitung in dieser Zeit in Urlaub war und der Franz nicht aufgepasst hat. Der Franz hatte sich ja auf Rehhagel festgelegt, denn irgendwann wollte er dann eine Lösung haben. Als der ihm abgesagt hat, ist erst einmal alles zusammengebrochen. Und diese Woche des Nachdenkens ? Franz hatte Matthäus meiner Meinung nach schon zugesagt ? hat Mayer-Vorfelder genutzt, um mit DFB-Ligapräsident Hackmann nach Amerika zu fliegen und Jürgen Klinsmann aus dem Hut zu zaubern.

ZEIT: Sie haben angekündigt, dass mit der WM 2006 auch für Sie ein Punkt gekommen sein könnte, endlich einmal das Geld ausgeben zu können, das Sie verdient haben.

Hoeneß: Meine Frau sagt immer, ich sei verrückt, wenn ich so einen Schmarrn erzähle, dass ich kürzer treten wolle. Aber ich habe das wirklich vor, Ende 2006 oder 2007. Und Franz Beckenbauer hat ja gesagt, er würde gerne Uefa-Präsident werden. Das wäre, wenn er das werden sollte, Ende 2007.

ZEIT: Und dann würde ein Posten frei.

Hoeneß: Es würde mir prima passen, Präsident des FC Bayern zu werden. Ich liebe diesen Verein, ich habe Herzblut in dem Verein, und ich kann mir ein Leben ohne Bayern zurzeit nicht vorstellen.


Die Fragen stellten Moritz Müller-Wirth und Michael Naumann
Textdokumentation Josef Hrycyk
 

29.04.05 15:14

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