Auf wackligem Fundament ...

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 14.06.04 19:37
eröffnet am: 14.06.04 19:37 von: moya Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 14.06.04 19:37 von: moya Leser gesamt: 149
davon Heute: 1
bewertet mit 1 Stern

14.06.04 19:37
1

1043424 Postings, 6448 Tage moyaAuf wackligem Fundament ...

Auf wackligem Fundament ...

von Martin Weiss

In der vergangenen Woche konnten die deutschen Standardwerte deutlich zulegen. Am Freitag ging der Dax schließlich über der 4000-Punkte-Marke aus dem Handel. Wie dem auch sei, die Bullen versuchen nach wie vor, den Aktienmarkt auf hohem Niveau zu stabilisieren. Und, insoweit ist es sicherlich nicht ausgeschlossen, daß der Dax erneut auf das Jahreshoch bei 4175 getrieben wird.
Vielleicht sogar auch noch einen "Schnaps" drüber ... Fundamental sieht es aber nicht so aus, als ob diese kurzzeitige Stärke auch nachhaltiger Natur sein kann. Denn, die Grundlage für weiter anziehende Notierungen schwindet mehr denn je.

So bleibt die Situation am deutschen Arbeitsmarkt trostlos. Die "offizielle" Zahl der Arbeitslosen ging im Mai zwar saisonal bedingt zurück. Saisonbereinigt ergibt sich aber ein Anstieg der Zahl der Erwerbslosen von 9000 im Monatsvergleich. Und, im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitsosen gar um 43000 angestiegen, wenn man die sich aus der Statistikänderung zum 1.1.2004 ergebenden Effekte herausrechnet. Noch bedenklicher stimmt die Entwicklung bei der Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland. Seit fast zwei Jahren ist die Entwicklung rückläufig, im März 2004 wurde der tiefste Wert seit der Wiedervereinigung erreicht.

Insofern, und auch nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gestiegenen Benzinpreise, ist es nicht verwunderlich, daß im Mai auch die Zahl der Pkw-Neuzulassungen binnen Jahresfrist um über sieben Prozent eingebrochen ist. Auch im Gebrauchtwagenmarkt war ein Einbruch um knapp acht Prozent zu verzeichnen.

Zudem müssen die Verbraucher bei gleichzeitig stagnierenden Einkommen bisweilen deutlich anziehende Preise schultern. Die Verbraucherpreise zogen im Mai im Vorjahresvergleich um zwei Prozent an. Vor allem Kraftstoffe mit einem Plus von 11,6 Prozent bzw. rasant steigende Kosten für die Gesundheitspflege (hier ergab sich ein Anstieg von 19,5 Prozent) waren für diese Entwicklung verantwortlich.

Angesichts derartiger Tendenzen ist es gewiß nicht überraschend, daß sich die deutsche Binnenkonjunktur weiter sehr, sehr zäh entwickeln dürfte. Einzige Hoffnung für Deutschland bleibt, daß der Export nicht erlahmt. Was wiederum nicht zuletzt an der Weltwirtschaftslokomotive USA hängt. Jenseits des Atlantiks deutet es sich schon aber an, daß nach dem "Verpuffen" der Stimulierungsbemühungen seitens der Regierung und der Notenbank diese "Lok" eher wieder abbremsen als an Geschwindigkeit zulegen wird.

Bestes Beispiel ist, daß seit fünf Wochen in Folge die Nachfrage nach Hypothekendarlehen rückläufig ist. Und der Refinanzierungsboom scheint auch an ein Ende gekommen zu sein, zumal die jüngsten Zahlen hinsichtlich der Nachfrage nach Refinanzierungen sich auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2001 befinden!

Insofern, seien sie auf gewiße "Turbulenzen" am US-Immobilienmarkt vorbereitet. In den letzten Tagen konnte der $ gegenüber dem Euro wieder deutlich an Boden gewinnen. Nicht zuletzt die Äußerungen von Fed-Chef Alan Greenspan hinsichtlich künftiger Zinserhöhungen in den USA mußten als Begründung für diese Entwicklung herhalten. Sicherlich, daß der Notenbank-Zinssatz noch lange auf dem gegenwärtigen Niveau verharren wird, ist nicht sehr wahrscheinlich.

Aber, es bleibt auch fraglich, ob sich die Fed angesichts der gigantischen US-Schuldenblase (immerhin beträgt die Gesamtverschuldung über 300 Prozent im Verhältnis zum BIP) zu drastischen Erhöhungen durchringen kann. Im Zuge der Konsolidierung beim Euro im Verhältnis zum US-Dollar war auch der Goldpreis rückläufig. Momentan tendiert er innerhalb der Bandbreite von 370 bis 400 $ seitwärts. Erst ein nachhaltiger Ausbruch aus dieser "trading range" eröffnet weiteres Potenzial.
 

   Antwort einfügen - nach oben