ACHTUNG! Guido-Knopp-Warnung!

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neuester Beitrag: 28.05.05 20:17
eröffnet am: 08.05.05 11:45 von: Happy End Anzahl Beiträge: 16
neuester Beitrag: 28.05.05 20:17 von: PERMANEN. Leser gesamt: 950
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08.05.05 11:45

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndACHTUNG! Guido-Knopp-Warnung!

Denkt dran, heute ist nicht nur Muttertag, sondern auch der 8.Mai...

 

PS: Und wer´s heute Abend gerne etwas lockerer angehen lassen will:

WDR, 20:15

Usjebomb - 60 Jahre Kriegsende in Köln
Eine Zeitrevue mit den Bläck Fööss

 

 

08.05.05 13:45

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndNäheres erfahren Sie

in der Programmzeitschrift Ihres Vertrauens.  

08.05.05 20:03

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndDa es keine schwarzen Sterne "Werbung" mehr gibt

*g*

Guido Knopp: Zwei neue Dokus
  
 

Am 9. Mai 2005 kommen aus der ZDF Video Reihe wieder zwei Dokumentationen des Historikers Guido Knopp auf den DVD Markt. Universum Film Home Entertainment hat die beiden DVD-Sets

Hitler - Eine Bilanz (mit ca. 306 Minuten Laufzeit) und
Vatikan: Die Macht der Päpste (mit ca. 225 Minuten Laufzeit)

dabei wieder liebevoll aufbereitet und erstgenannter Doku sogar umfangreiches Bonusmaterial zuteil werden lassen. Der Thematik um Hitler und den zweiten Weltkrieg hat Guido Knopp sich ja seit jeher gern und umfassend angenommen, sodass auch dieses Mal viele Interessierte zugreifen dürften.

Aus aktuellem Anlass, dem Tod des Papstes, könnte die zweite Dokumentation sich nun einer überrraschend größeren Beliebtheit bei der Käuferschaft erfreuen. Doch sind hier Schilderungen über die letzten fünf Päpste zu finden.

Originaltitel: Hitler - Eine Bilanz, Vatikan: Die Macht der Päpste
Anbieter: Universum Film Home Entertainment
Im Handel ab: 09.05.2005
Land / Jahr: Deutschland 1995/1997
Genre: Dokumentation
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Bild: 4:3 Vollbild
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 stereo)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte


Bonusmaterial:
Hitler - Eine Bilanz:
umfassender DVD-Rom-Part, konzipiert und kommentiert von Guido Knopp: Erklärungen & Hintergrundberichte auf ca. 2000 Bildschirmseiten,
über 400 Biografien und Glossareinträge, Tondokumente mit Zeitzeugenberichten über ca. drei Stunden
Live-Diskussion über die Person Hitler mit Guido Knopp, Marcel Reich-Ranicki, Margarete Mitscherlich u.a.

Vatikan: Die Macht der Päpste:
keins

 

Inhalt:
Hitler - Eine Bilanz
- "Der Verführer"
- "Der Erpresser"
- "Der Diktator"
- "Der Kriegsherr"
- "Der Verbrecher"

Vatikan: Die Macht der Päpste

"Zwei Dinge sind im Vatikan schwer zu bekommen: Ehrlichkeit und eine Tasse Kaffee", hatte Papst Johannes Paul I. 1978 geklagt. Einem Team der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte unter Leitung von Guido Knopp ist beides gelungen: Im Vatikan Kaffee zu trinken und so manche hinter den Mauern lang gehütete Wahrheit zu erfahren. Entstanden ist eine fünfteilige Reihe mit dem Titel "Vatikan - Die Macht der Päpste", die umfassend das Leben und Schaffen der Päpste des 20. Jahrhunderts beleuchtet. Dabei wird ein Bezug zu den jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den daraus resultierenden Herausforderungen der Zeit hergestellt.

"Papst Pius XII. und der Holocaust"
"Papst Johannes XXIII. Und der Aufbruch"
"Papst Paul VI. und die Pille"
"Papst Johannes Paul I. und der Tod"
"Papst Johannes Paul II. und die Freiheit"

  
Quelle: Universum Film Home Entertainment / Digital-Movie.de (rp)

 

08.05.05 20:04

36845 Postings, 6443 Tage TaliskerHappy End,

entscheide selber: wieviel Stunden (oder gar Tage) Sperre ist für derlei Werbung angemessen?
Gruß
Talisker  

08.05.05 20:22

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndHöchstens 12 Stunden

09.05.05 06:14

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndDie Achse der Erinnerung

Wer erklärt uns die Nazis? Natürlich Guido Knopp. Und dann sind da noch vier weitere Herren, die unsere Medien als Geschichtswerkstätten nutzen. Jüngstes Beispiel: "Speer und Er" (ARD, 20.15 Uhr)
VON STEFFEN GRIMBERG

Selten wurde eine TV-Produktion so hymnisch vorab gefeiert wie Heinrich Breloers und Horst Königsteins "Speer und Er" (taz-Kritik siehe 6. 5.). Das Geschichtsfernsehen hat zum 60. Jahrestag der Befreiung Hochkonjunktur - und durch alle Medien ergeben sich erstaunliche Verbindungen und Allianzen.

Der Könner

Heinrich Breloer (63) ist der Solitär der Szene, mit dem sich alle Medien gern schmücken. Was ihn, zumindest was die großen Namen angeht, angenehm kalt lässt. Anders sieht es aus, wenn ihn seinesgleichen abblitzen lässt: Als "Die Manns - ein Jahrhundertroman" beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden 2002 leer ausging, ging auch Breloer nach Hause. Seine "Offene Form", der Mischung von Dokumentarischem mit Spielszenen, die er zusammen mit Horst Königstein seit gut 20 Jahren pflegt und weiterentwickelt, hat im deutschen Fernsehen Maßstäbe gesetzt. Nachahmer, auch sehr gute, gibt es zuhauf. Doch Breloer und Königstein ("Das Beil von Wandsbek", "Die Staatskanzlei", "Todesspiel") liegen meilenweit vorn. Das erkennt denn auch die mit Spiegel TV und dem Doku-Kanal XXP bewehrte Konkurrenz an: Während der Spiegel während der "Speer und Er"-Dreharbeiten noch leicht höhnisch von einem "Höhepunkt der öffentlich-rechtlichen Nazi-Beschwörung" schrieb, gibt es für den fertigen Film artige Komplimente über "das Fernsehen als historisch-aufklärerische Anstalt". Für ein Spiegel-Gespräch hat es bislang dennoch nicht gereicht.

Knopp-Faktor: 0,5

Der Aufsteiger

Aber dafür für eins in Spiegel TV beziehungsweise bei dessen Doku-Kanal XXP: Am morgigen Dienstag (23.05 Uhr) ist Breloer Gast von Michael Kloft (43). Kloft leitet bei Spiegel TV den Bereich Geschichte. Man kennt sich, schließlich war er mal Breloers Regieassistent, hat an "Speer und Er" beratend mitgewirkt - und 1996 selbst die Doku "Schuld und Sühne des Albert Speer" gedreht.

"Auf der Suche nach der farbigen Vergangenheit", ist Klofts hausinternes Porträt bei Spiegel Online überschrieben - mit Guido Knopp vom ZDF hat er zeitgenössische Farbaufnahmen als Geschichtsdoku-Standard durchgesetzt und konkurriert nun mit Knopp um jeden Meter bislang ungesendeten Agfa-Color-Materials. Für die Welt ist er "der einzig wirklich wichtige deutsche TV-Historiker neben Knopp". Doch Kloft kann auch ganz anders, wie er und Lutz Hachmeister) in "Das Goebbels-Experiment" beweisen. Der derzeit im Kino laufende Film verbindet NS-Wochenschau- und anderes zeitgenössisches Material entlarvend mit Goebbels' Tagebucheintragungen.

Knopp-Faktor: 3,5

Der Chefredakteur

Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust (58), im Neben-, manche meinen sogar: im Hauptberuf eher Chef von Spiegel TV, hat spätestens mit Gründung des eigenen TV-Kanals XXP einen permanenten Zugriff auf die jüngere deutsche Vergangenheit.

Dass Hitler die Auflage steigen lässt, hat Aust schon unter Rudolf Augstein gelernt - und führt mit sechs Titelbildern (inklusive D-Day) seit 2004 die Tradition weiter. Doch auch im Verbund mit anderen Medien ist Aust aktiv: Mit FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher kämpft der Spiegel-Chef nicht nur gegen die Rechtschreibreform. Beide haben die 12-teilige FAZ-Spiegel-TV-Gemeinschaftsproduktion "Hundert Jahre Deutschland" ausgeheckt - und führen gemeinsam die Zeitzeugen-Interviews für die DVD-Reihe (17,90 Euro plus Versand). Und für den Knopp-Sender ZDF hat Aust gerade "Der Fall Deutschland" über Aufstieg und Niedergang des Wirtschaftswunderlandes gedreht.

Knopp-Faktor: 2,5

Der Großdenker

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher (44) macht mit Austs Spiegel auch bei zukunftszugewandten Themen gerne mal gemeinsame Sache, wie der Vorabdruck seines "Methusalem- Komplotts" belegt - bleibt aber bei der schreibenden Zunft. Und ab dem 21. Mai gibt es natürlich auch ein Buch zu "Hundert Jahre Deutschland". Einer der für die Reihe interviewten Zeitzeugen ist übrigens der Historiker, ehemalige FAZ-Herausgeber und Speer- wie Hitler-Biograf Joachim C. Fest.

"Wer Breloers meisterhafte Arbeiten kennt (?)", schreibt Schirrmacher konsequenterweise über "Speer und Er", wisse, "daß er kein Didaktiker ist. Er läßt durch Schnitte und Gegenschnitte, durch Rede und Gegenrede dem Zuschauer die Freiheit des eigenen Urteils. Er ist immer auch, wie es Joachim Fest einst bei Albert Speer war, eine Art ,vernehmender' Redakteur. (?) In seinen demnächst erscheinenden Aufzeichnungen wird Joachim Fest offenbar der Suchbewegung Breloers folgen."

Knopp-Faktor: 2,0

taz Nr. 7659 vom 9.5.2005, Seite 17, 245 Zeilen (TAZ-Bericht), STEFFEN GRIMBERG

http://www.taz.de/pt/2005/05/09/a0210.nf/text.ges,1

 

09.05.05 08:46

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndPS

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,2078650,00.html  

09.05.05 12:28

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndSinger-Betriebsjubiläum!

09.05.05 12:38

107 Postings, 5864 Tage ribaldidas fiel mir heute auf

Der britische Reporter Thomas Cadett berichtet für die BBC aus dem zerstörten Berlin. Auf der Fahrt nach Karlshorst bei Berlin habe er kaum ein Haus gesehen, das nicht zerstört gewesen sei, meldet er erschrocken in die Heimat. Der Bericht fährt fort:

"Die Bevölkerung ist apathisch. Den Zustand Berlins kann man in fünf Worten zusammenfassen: Berlin hat aufgehört zu existieren. Die Zerstörungen Berlins können nicht mit denen anderer deutscher oder alliierter Städte verglichen werden. Die Lage ist 'terribly im- and depressing'. Die Zahl der meist in den Kellern lebenden Bevölkerung wird auf etwa 2 Millionen geschatzt, es sind meist Kinder oder Alte."

Aus: Walter Kempowski: Das Echolot. Abgesang '45, Albrecht Knaus Verlag, München, 2005
 

10.05.05 11:04
1

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndGeschichts-TV interessiert vor allem Talisker

äääääääääääh ältere Zuschauer *g*   und erklärt zu wenig



Die Tür des akademischen Elfenbeinturms haben Deutschlands Fernseh-Historiker weit aufgestoßen. Geschichts-TV ist ein Massenmarkt. Nicht nur zu Gedenktagen häufen sich Dokumentationen und halbfiktionale Formate. Doch bei aller Zufriedenheit über ein Millionenpublikum: Erreicht werden meist die älteren Zuschauer, Jüngere stimmen mit der Fernbedienung gegen den Blick in die Vergangenheit.

Pädagogen wie der Vorsitzende des Geschichtslehrerverbands, Peter Lautzas, stellen den Machern des Geschichts-TV denn auch kein gutes Zeugnis aus. Er spricht von einer "Übersättigung" der Schüler mit Sendungen zur NS-Zeit. Dabei biete das Fernsehen an sich eine gute Ergänzung zum Unterricht. Die häufige Fixierung auf Schlachtengeschichte aber rufe vermehrt Fragen nach Militärischem hervor. Dies führe bei Jugendlichen tendenziell zu "Vorformen von Heroisierung".

Von der "Macht der Bilder" spricht Klaus Naumann vom Hamburger Institut für Sozialforschung. Für Naumann, der bei der Ausstellung zu "Verbrechen der Wehrmacht" Erfahrungen mit jüngeren Besuchern sammelte, ist die Einbettung des Gezeigten wichtig. Internet-Chats nach TV-Sendungen seien sehr hilfreich. Der Hamburger Dokumentarfilmer Michael Kloft hält die pauschale Kritik am Medium dagegen für verfehlt. Der "Spiegel TV"-Autor setzt auf Alltagsbilder statt Schlachtenlärm. Gerade mit Farbaufnahmen, die Kloft als erster zu Tage förderte, ließen sich jüngere Zuschauer stärker vor den Bildschirm holen als mit schwarz-weißem Material.

Für den Filmemacher geht es um eine Gratwanderung: Allzu Didaktisches sei schwierig, aber man wolle auch keine MTV-Ästhetik. Die Anforderungen, die an die Schule in der Geschichtsvermittlung gestellt würden, seien nicht auf das Fernsehen übertragbar, so Kloft: "Ich bin ein Gegner des Erziehungsfernsehens." Da werde der Einfluß des Mediums im übrigen "schwerstens überschätzt". Nicht unproblematisch sieht der Dokumentarist auch die bei vor allem bei weiblichen Zuschauern - ansonsten am Geschichtsfernsehen unterdurchschnittlich interessiert - beliebten Dokudramen. Die Inszenierungen vermittelten oft einen Eindruck von Endgültigkeit - "so war es". Ähnlich wie bei einem rekonstruierten Saurier, bei dem der nächste Knochenfund gängige Vorstellungen rasch als überholt erscheinen lassen könne.

Wenn man Spielszenen zeige, berührten solche Emotionen eben stärker Frauen, sagt Christian Deick von der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, an deren Spitze Guido Knopp, Deutschlands arriviertester Fernseh-Historiker, steht. Deick hält die Vorwürfe von Pädagogen gegen kriegs- und NS-fixierte Programme für "wohlfeil". Das Fernsehen operiere auf einem Markt. Zuviel "Hitler & Co."? Wenn man nach zehn spannenden Biographie-Stoffen aus der Zeitgeschichte frage, landeten auf der Liste sechs Vorschläge aus der NS-Zeit. Im Vergleich zu Hitler und seinen Paladinen fielen Gustav Stresemann und Ludwig Erhard in der Publikumsgunst eben einfach ab.

"Der Holocaust", ZDF, heute, 20.15 Uhr. "Bunker - Die letzten Tage", RBB, Do., 22.45 Uhr. "Hitlers Stellvertreter", ARD, Mi., 18.5., 21.45 Uhr  

10.05.05 11:12

36845 Postings, 6443 Tage TaliskerDu brauchst wohl ein wenig Aufmerksamkeit

oder was soll die billige Einflechtung meines Namens? Bring doch lieber noch ein paar Briefe vom Herrn Knopp wie in #8 - das rockt!
Habe gestern abend "Speer und Er" gesehen, fand ich ganz gut.
Gruß
Talisker  

10.05.05 11:18

4020 Postings, 6626 Tage MD11Talisker

...Speer und Er ist nur sehenswert für jemanden, der auch den geschichtlichen Durchblick hat.
Der Durchschnittsseher ( dazu gehört HappyEND ..) erkennt in solchen Filmen oder Dokumentationen doch garnicht die Zusammenhänge...geschweige denn die Personen.


 

10.05.05 11:24

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndBitte löschen

beleidigend! ;-)

PS@Talisker: Fand den ersten Teil auch ganz annehmbar.  

10.05.05 11:39

4020 Postings, 6626 Tage MD11bitte grün

...für mich !
Knopp ist zwar die Inge Meisel der 3.Reich-Bewältiger-Sendungen....aber immerhin kramt er auch mal tief in Archiven und zeigt seltene Dokumentaraufnahmen, damit auch der Doofste kapiert, wie schlimm die Zeit wirklich war....
Übrigens . genauso ätzend ist dieser Brentano......der ewig Verfolgte...  

28.05.05 01:35

14 Postings, 5826 Tage EUGAROTTEwirdg.Löschung


Moderation
Zeitpunkt: 28.05.05 06:54
Aktion: Löschung des Beitrages
Kommentar: Regelverstoß

 

 

28.05.05 20:17

13 Postings, 5825 Tage PERMANENTRESID.Zum 60. Jahrestag der deutschen Kapitulation

Zum 60. Jahrestag der deutschen Kapitulation: Welche Lehren?


Von Bernd Seifert Die politische Klasse der Bundesrepublik Deutschland diskutiert nicht gern über die Wirklichkeit des Jahres 2005. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Fünf Millionen Arbeitslose markieren den Schluß in Sachen lustig. Der Staat ist praktisch bankrott, seine Lenker ziehen sich immer mehr von der Regelung öffentlicher Angelegenheiten zurück und privatisieren, was das Zeug hält. "Nach uns die Sintflut", lautet die Devise. Um einen Neuanfang zu erschweren, hinterlassen die Regierenden in moralischer Hinsicht verbrannte Erde. Wenn schon sie selbst keine Zukunft haben, dann sollen auch ihre Kritiker in den Abgrund des Amoralischen hinabgezogen werden. Der Mißbrauch und die Verzerrung der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist ein probates Mittel, um die letzten Säulen des deutschen und des europäischen Selbstbewußtseins einzureißen. Wer kein (positives) Geschichtsbewußtsein hat, kann auch keine Vergleiche anstellen, jedenfalls keine sinnvollen, und wird sich bis zuletzt in das scheinbar Unvermeidliche fügen. Hitler auf allen Kanälen Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Europa geht nun auf die Medienkonsumenten ein Trommelfeuer hernieder, wie es militärisch zuletzt die Stalinorgeln der Roten Armee vor dem Sturm auf die Seelower Höhen 1945 vermochten. Das Fernsehprogramm müßte in Teilen schmerzensgeldpflichtig sein. Wer geglaubt hat, die Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985, in der er die Vertreibung der Ostdeutschen zur "erzwungenen Wanderschaft" verklärte, wäre der Höhepunkt bundesrepublikanischer Würdelosigkeit gewesen, wird eines Besseren belehrt. Das Dritte Reich ist medial allgegenwärtig. Ganz Deutschland spielt Krieg, und die NS-Zeit wird zum Dreh- und Angelpunkt des historischen Selbstbildes. Ganz Deutschland? Oder nur die politische Klasse und ihre Medienmacher? Und: Mit welchem Recht schlagen sich diese Leute ins Lager der Sieger von 1945? Wohl mit dem Recht derer, denen die von Helmut Kohl entdeckte "Gnade der späten Geburt" zuteil wurde. Kann man sich Gerhard Schröder, Angela Merkel, Guido Westerwelle oder Joschka Fischer als "Widerstandskämpfer" vorstellen? Welche Charaktere sind es, die heute in den Parteiapparaten an ihrer Karriere basteln? Wirklich ganz andere als jene, die vor 1945 sehr genau wußten, was sie ihrem eigenen Aufstieg schuldig sind? Schauen wir genauer hin: Die politische Klasse bewältigt nicht unser aller Vergangenheit, sondern ihre eigene. Das galt schon 1985 im besonderen für Richard von Weizsäcker, dessen Vater eine bedeutende Größe in Hitlers Machtapparat war. Seinerzeit behauptete das Staatsoberhaupt der Westdeutschen, jedermann hätte vor 1945 die Deportationszüge sehen können, wenn er gewollt hätte. Dies mag für Weizsäcker senior, der sozusagen an der Quelle saß, zutreffend gewesen sein. Aber es trifft nicht die damalige Lebenswirklichkeit der Frauen, Kinder und alten Männer, die vor den Bombenangriffen der Alliierten in die Keller ihrer Häuser flüchteten. Es galt auch nicht für die Frontsoldaten, die sowjetische Panzer und amerikanische Jagdbomber zu sehen, zu hören und oft auch zu spüren bekamen - aber eben keinen Einblick in die Konzentrationslager hatten. Die "kleinen Leute" waren weder am Schmieden von Kriegsplänen noch in ihrer übergroßen Mehrheit an Verbrechen beteiligt. Sie waren Opfer des Krieges - in Berlin genauso wie in Moskau, in Dresden genauso wie in London, in Köln genauso wie in Paris, Rom, Tokio, Hiroshima oder Nagasaki. Verantwortlich waren und sind stets Politiker. Sie hatten schon in der Weimarer Republik versagt und die erste deutsche Demokratie ruiniert. Ohne ihr katastrophales Scheitern wäre Hitler 1933 nicht zur Macht gelangt. Die Verzweiflungsalternative zwischen Rot und Braun, Kommunisten und Nationalsozialisten hätte sich den Wählern nicht gestellt, wenn die anderen Parteien ihrer nationalen Pflicht nachgekommen wären. Sie kamen als Sieger - und nahmen sich alles Die Menschen wollten Arbeit und soziale Sicherheit. Wie heute auch. Sie wollten keinen Krieg und keine Minderheitenverfolgung. Wie heute auch. Daß es schließlich anders kam, begründet keinen Kollektivschuldvorwurf gegen das deutsche Volk. Auch nicht gegen andere Völker. Hüben wie drüben haben Politiker die Weichen Richtung Abgrund gestellt. Soldaten und Zivilisten mußten es ausbaden. Was empfanden die Deutschen am 8. Mai 1945? Befreiung vom NS-Regime? Unter anderem auch dies. Wohl eher aber Befreiung vom Bombenterror, der ihnen jeden Tag das Leben kosten konnte. Befreites Aufatmen, wenn man überlebt hatte. Endlich schwiegen die Waffen. Aber andere Arten der "Befreiung" setzten sich fort: Befreiung von der Heimat, von öffentlichem und privatem Besitz, vor allem im Osten Befreiung der Frauen und Mädchen von der sexuellen Selbstbestimmung. Nicht nur für Millionen Soldaten, sondern auch für viele Zivilisten begann - oft jahrelange - Gefangenschaft mit Zwangsarbeit und Folter. Aus Kriegsgefangenen wurden "entwaffnete Feindkräfte", um sie der Genfer Konvention und damit der Betreuung durch das Rote Kreuz zu entziehen. Auf den Rheinwiesen, in französischen Lagern und in den Weiten Sibiriens starben nach der "Befreiung" unzählige Deutsche an Willkür, Hunger und Seuchen. Deutschland wurde 1945 von den Gold- und Devisenbeständen seiner Reichsbank befreit. Heutiger Wert: rund 2,2 Milliarden Euro (so die offizielle Auskunft des Thüringer Staatsarchivs, in dessen Zuständigkeitsbereich damals die Gold-, Silber- und Platinbarren lagerten). Deutschland wurde zudem von unzähligen Kunstschätzen befreit, von Maschinen und ganzen Fabriken, von Eisenbahnanlagen und Zigtausenden von Patenten, von seinem Auslandsvermögen. Und - nicht zuletzt - von einem Drittel seines Territoriums. Die Freiheit bewahren Nein, auch heute werden die meisten derjenigen, die aufatmend das Kriegsende erlebten, angesichts dessen, was folgte, das Wort "Befreiung" nur als Hohn empfinden Allerdings: Je weiter das Kriegsende zurückliegt, desto weniger Zeitzeugen leben noch. Daraus folgte in den letzten beiden Jahrzehnten, daß die deutsche Geschichte von Nachgeborenen mehr und mehr auf die braunen 12 Jahre verkürzt wurde und unterdessen einem "Verbrecheralbum" (Helmut Schmidt) gleicht. Schon vor knapp zehn Jahren konstatierte eine Soziologin, in Deutschland laute "jedes zweite Wort" Auschwitz. Und heute? Die einzig richtige Konsequenz aus Krieg, Drittem Reich und SED-Diktatur kann nur das demokratische Engagement sein, nicht die nationalmasochistische Selbstkasteiung. Es gilt, die im Grundgesetz postulierten Freiheitsrechte zu schützen und dort wiederherzustellen, wo in den letzten Jahren repressiver Rückschritt zu verzeichnen war. Die Gestapo zählte 1937 einschließlich der Sekretärinnen und Verwaltungskräfte knapp 7000 Mitarbeiter. In der wesentlich kleineren DDR waren 190 000 hauptamtliche und ebenso viele nebenberufliche Stasi-Spitzel zur Kontrolle von 17 Millionen Mitteldeutschen eingesetzt. Auch wenn man die unterschiedlichen Systeme nur bedingt vergleichen kann, wird eines Tages die Frage zu beantworten sein, wie viele Geheimdienstler die Herrschenden zur Überwachung der Bundesbürger angeheuert haben. Sonntagsreden zum "Befreiungs"-Jubiläum sind das eine; praktische Gegenwartspolitik ist das andere. Längst haben deutsche Soldaten ihren grundgesetzlichen Auftrag zur Landesverteidigung weit hinter sich lassen müssen, stehen heute auf Befehl Berliner Politiker wieder auf dem Balkan, in Asien und Afrika. Der Hindukusch wurde zum deutschen Interessensgebiet erklärt. Von den pazifistischen Schwüren der Nachkriegszeit ist so gut wie nichts übriggeblieben. Nicht mehr die "Linke", sondern die "Rechte" vertritt eine Politik nationaler Selbstbeschränkung. Deshalb brauchen deutsche Patrioten in diesen Tagen des ausufernden und betäubenden Gedenkens ihren Kopf auch nicht einzuziehen. Sie haben aus der Geschichte die richtige Lehre gezogen.
     

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