200.Todestag Friedrich Schiller

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neuester Beitrag: 09.05.05 11:48
eröffnet am: 09.05.05 08:55 von: Happy End Anzahl Beiträge: 7
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09.05.05 08:55

95441 Postings, 7427 Tage Happy End200.Todestag Friedrich Schiller

Wo sind eigentlich heute dazu die Dokumentationen im Fernsehen?

Vor 200 Jahren: Friedrich Schiller stirbt in Weimar

 
Schiller auf dem Totenbett  

Freiheit ist sein Leitthema, und er selbst ist der erste "freie Schriftsteller" in Deutschland: "Ich kann nicht Fürstendiener sein", sagt Friedrich Schiller, und versucht, von seiner Kunst zu leben, unabhängig. Was Zwang ist, weiß er: Friedrich, 1759 im schwäbischen Marbach als Sohn eines Offiziers geboren, wird in Stuttgart auf der Karlsschule erzogen, einer herzoglich geführten Elite-Akademie. Er studiert Medizin und schreibt nebenbei. Als ihm das verboten wird, flieht er Hals über Kopf aus dem Herzogtum.

Mit 22 Jahren scheint er es geschafft zu haben: Sein Theaterstück "Die Räuber" bringt ihm 1782 den Durchbruch. Die Geschichte vom rebellischen Karl Moor, einer Art deutschem Robin Hood, bringt die Theatersäle zum Kochen. Schiller ist ein Star. Von da an produziert er Dramen, historische Abhandlungen, Gedichte und Balladen unter Hochdruck, gibt Zeitschriften heraus - und hat doch ständig Schulden. Seine Frau Charlotte kümmert sich um die vier Kinder und um ihren kranken, in den letzten Jahren todkranken Mann.

1794 freundet sich Schiller mit dem Hofrat und Hofpoeten Johann Wolfgang Goethe in Weimar an. Die Arbeit an einem klassischen deutschen Literaturstil wird ihr gemeinsames Projekt. Schillers große Dramen (Wallenstein, Die Jungfrau von Orlean, Maria Stuart, Wilhelm Tell) entstehen in den folgenden Jahren, auch jene Balladen, die später jedes Schulkind lernen muss. Schiller wird unbesoldeter Professor, erhält den Adelstitel. Aber Abhängigkeiten lehnt er weiter ab: Der Preußenkönig will ihn nach Berlin holen. Da wäre er besser besoldet und einflussreicher als Goethe an dem kleinen sächsischen Hof. Doch Schiller ist seine Freiheit wichtiger, "um alles in Geist zu verwandeln". Am 9. Mai 1805 erliegt er seiner nie ausgeheilten Lungen- und Rippenfellentzündung.
 

09.05.05 09:20

24466 Postings, 6064 Tage EinsamerSamariterNicht in der Glotze aber im Handel gibts den Herrn

200. Todestag Friedrich von Schiller

Die Bildseite stellt eine Porträtdarstellung Schillers in den Mittelpunkt, umrahmt von Titeln aus­gewählter dramatischer, lyrischer, epischer und philosophischer Werke. Die Darstellung des Kopfes des Dichters zeichnet sich durch eine hohe Authentizität aus.

 

Ausgabetermin: 12. Mai 2005 *
Prägestätte: Staatliche Münzen Baden Württemberg, Karlsruhe
Prägezeichen: G
Gewicht: 18 g
Material: Sterlingsilber (Legierung 925 Ag)
Randschrift: ERNST IST DAS LEBEN · HEITER IST DIE KUNST
Künstler: Carsten Theumer, Höhnstedt
Verkaufspreis: (Spiegelglanz) 15,- EUR zzgl. Verpackung und Versand


* voraussichtlicher Ausgabetermin der Normalprägung

Quelle: http://www.bwpv.de/sammlermuenzen.php3?iid=505

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Der Einsame Samariter

 

09.05.05 09:27

95441 Postings, 7427 Tage Happy EndSchiller online!

Friedrich Schiller

Geboren am 10.11.1759 in Marbach (Württ.). Sohn des Militärwundarztes J.C. Schiller. Kindheit und Jugend in ärmlichen Verhältnissen. Dorfschule, Lateinschule, auf Befehl des Herzogs Karl Eugen 1773 Eintritt in die Karlsschule, dort Medizinstudium ab 1776. 1780 Regimentsmedicus in Stuttgart. Arrest und Schreibverbot wegen Aufführung der "Räuber" in Mannheim. Flucht über Mannheim (1783), Leipzig (1785), Dresden nach Weimar (1787). 1789 Ernennung zum a.o. Prof. der Geschichte und Philosophie in Jena. 1799 erneute Übersiedelung nach Weimar. Schiller starb am 9.5.1805 in Weimar.



Werke u.a.:

  • 1781 Die Räuber
  • 1784 Kabale und Liebe
  • 1787 Don Carlos, Infant v. Spanien
  • 1800 Wallenstein
  • 1801 Die Jungfrau von Orleans
  • 1801 Maria Stuart
  • 1803 Die Braut von Messina
  • 1804 Wilhelm Tell

Im Projekt Gutenberg-DE vorhanden:

Dramen und begleitende Schriften:

  • Briefe über Don Carlos
  • Die Braut von Messina
  • Die Huldigung der Künste
  • Die Jungfrau von Orleans
  • Die Räuber
  • Die Verschwörung des Fiesco zu Genua
  • Don Carlos, Infant von Spanien
  • Kabale und Liebe
  • Maria Stuart
  • Wallenstein
  • Wilhelm Tell

Erzählungen:

  • Der Geisterseher (Fragment)
  • Der Spaziergang unter den Linden
  • Der Verbrecher aus verlorener Ehre
  • Eine großmütige Handlung aus der neuesten Geschichte
  • Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache
  • Spiel des Schicksals

Historische Schriften:

  • Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Marschalls von Vieilleville
  • Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon
  • Die Sendung Moses
  • Etwas über die erste Menschengesellschaft nach dem Leitfaden der mosaischen Urkunde
  • Geschichte der Unruhen in Frankreich, welche der Regierung Heinrichs IV. vorangingen
  • Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande
  • Geschichte des dreißigjährigen Kriegs
  • Herzog von Alba bei einem Frühstück auf dem Schlosse zu Rudolstadt, im Jahr 1547
  • Ueber Völkerwanderung, Kreuzzüge und Mittelalter
  • Uebersicht des Zustands von Europa zur Zeit des ersten Kreuzzugs
  • Universalhistorische Uebersicht der merkwürdigsten Staatsbegebenheiten zu den Zeiten Kaiser Friedrichs I.
  • Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?

Philosophische und ästhetische Schriften:

  • Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet
  • Gedanken über den Gebrauch des Gemeinen und Niedrigen in der Kunst
  • Philosophische Briefe
  • Über naive und sentimentalische Dichtung
  • Ueber Anmuth und Würde
  • Ueber das Erhabene
  • Ueber das Pathetische
  • Ueber den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen
  • Ueber den moralischen Nutzen ästhetischer Sitten
  • Ueber den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen
  • Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen
  • Ueber die nothwendigen Grenzen beim Gebrauch schöner Formen
  • Ueber die tragische Kunst
  • Zerstreute Betrachtungen über verschiedene ästhetische Gegenstände

Gedichte:

  • Gedichte
  • Xenien (zusammen mit Goethe)

Vorreden und Rezensionen:

  • An den Herausgeber der Propyläen
  • Ueber Bürgers Gedichte
  • Ueber den Gartenkalender auf das Jahr 1795
  • Ueber Egmont, Trauerspiel von Goethe
  • Ueber Matthissons Gedichte
  • Vorrede zu dem ersten Theile der merkwürdigsten Rechtsfälle nach Pitaval
  • Vorrede zu der Geschichte des Maltheserordens nach Vertot von M. N. bearbeitet

Übersetzungen und Bearbeitungen:

  • Euripides: Iphigenie in Aulis
  • Gozzi: Turandot, Prinzesson von China
  • Picard: Der Neffe als Onkel
  • Picard: Der Parasit
  • Picard: Der Parasit (andere Quelle)
  • Shakespeare: Macbeth

 

09.05.05 09:28

10156 Postings, 6703 Tage big lebowskyLeider keine Aufführungen

an den Theatern in Weimar, Jena pp. Das ist sehr schade. Deutschland jubelt um seinen grossen Dichter--und die verantwortlichen Intendanten, Kunstdezernenten und Theaterregisseure verweigern sich. Ein Skandal!!!

Ciao B.l.  

09.05.05 09:30

10156 Postings, 6703 Tage big lebowskySo traurig ist es

Die Angst vor großen Gefühlen
Bei aller Liebe: Das deutsche Theater hat ein Schiller-Problem
von Kai Luehrs-Kaiser

Glühende Bekenntnisse zu Schiller gibt es genug. Damit aber, seine Stücke zu inszenieren, tut man sich eher schwer. Nach 1945 spielte der Dramatiker Schiller keine dominante Rolle im Theater. Lessing, Kleist, Büchner, Goethe: Immer gern. Nach großen Schiller-Aufführungen muß man suchen. Meist reichte es nur zu einmaliger Beschäftigung mit einem Jugendstück. In der Generation der heute über 50-Jährigen kehrten immerhin Castorf, Heyme, Peymann, Langhoff und Andrea Breth wiederholt zu Schiller zurück. Von einem prägenden Autor zu sprechen, wäre gleichwohl verfehlt. Selbst bei jüngeren Regisseuren ruht still der See. Kai Luehrs-Kaiser fragte Theatermacher nach den Gründen ihrer persönlichen Schiller-Vermeidung.


Ulrich Matthes


Schauspieler können Schiller durchaus noch sprechen. Nur fehlen die Regisseure, die sich dafür interessieren. Das Getümmel dieser steilen Sprache steht konträr zum Augenzwinkern, mit dem man sonst Stücke zu vergegenwärtigen liebt. Die Seltenheit guter Schiller-Aufführungen zeigt die Unfähigkeit, Schillers Gefühle zuzulassen.


Jürgen Gosch


Gegen Schiller liegt bei mir nichts vor. Meine Nichtbeschäftigung beruht auf Unkenntnis. Mich interessieren seine ästhetischen Schriften. Meine einzige Schiller-Aufführung, die "Jungfrau von Orléans", war mißglückt.


Peter Stein


Meine Generation reagierte ablehnend auf das hohle Pathos - mit Ausnahme der frühen Stücke. Heute sehe ich die humane, auch emotionale Wahrheit Schillers klar. Seit Jahren biete ich eine "Wallenstein"-Inszenierung an wie sauer Bier. Niemand will sie. Das Problem bleibt, daß es keine Schiller-Sprecher mehr gibt, weil sie vom Regiezirkus verschlissen wurden. Man darf heute auf der Bühne keine Emotionen zeigen, ohne sich gleichzeitig in die Vorhaut zu beißen. Da hat es Schiller schwer.


Hans Neuenfels


Schiller ist der beste Drehbuchautor überhaupt, er wäre heute in Hollywood. Die aufgebrochene Sprache, das wilde Lebensgefühl der "Räuber" haben auch mich einmal angesprochen. Aber ich suche lieber das Geheimnis im Diesseits. Mir ist Kleist näher. Schillers Figuren sind zu idealistisch, die Ereignisse bleiben zu kolportagehaft. Sie sind das, was sie sind. Mehr nicht.


Martin Kusej


Jedes Stadttheater bringt jetzt seinen Quoten-Schiller, ich halte nichts von Jubiläen. Die hybriden, schwitzenden Sturm und Drang-Dramen des frühen Schiller faszinieren mich. Warum habe ich kaum welche inszeniert? Keine Ahnung. Es ist aber ein Irrtum, daß es keine guten Schiller-Aufführungen mehr gibt. Gern würde ich auf Andrea Breth schimpfen. Aber ihr "Don Carlos" in Wien war gut.


Manfred Beilharz


Einer Figur wie Don Carlos würde man ungern die Geschicke der Bundesrepublik übergeben. Schillers antipragmatischer, fast pubertärer Gestus erzeugt aber jene Rockkonzert-Atmosphäre, die ihn für ein junges Publikum genießbar macht. Es ist leicht, Schiller-Regisseure zu finden. Sie müssen die Lust an der Behauptung mitbringen, daß es Richtiges und Falsches gibt, denn Schiller ist ein Autor, der die Festlegung liebt. Bei ihm klaffen Lücken zwischen Idealismus und Leben. Wer versucht, das Klima seiner Sprache herunterzudimmen, ist verloren.


Rolf Boysen

 

09.05.05 09:31

10156 Postings, 6703 Tage big lebowskyTeil II

Die Angst vor großen Gefühlen (2)

Seit 1978 habe ich keinen Schiller gespielt. Die Lüge besteht darin, daß man glaubt Schiller so sprechen zu können, wie man auf der Straße spricht. So kriegt man ihn nicht zu fassen. Schiller ist nicht manipulierbar. Vielleicht ist sein Idealismus größer als wir ihn verkraften können. Sein emotionales Feuer ist zu groß.


Andrea Breth


Das Theater ist ein Supernaschmarkt ohne Zielsetzung. Es herrscht vollkommene Entleerung. Dagegen beantwortet Schiller die Fragen nach Macht, nach dem Ich, nach der Gesellschaft in grandioser Verdichtung. Ich finde Vergleichbares selten in heutigen Stücken.


Luc Bondy


Schiller ist nicht zu schwierig, nur wir sind zu flach. Seit meiner Kindheit liebe ich diesen Autor, inszeniert habe ich ihn nur in Gestalt von Verdi-Opern, in denen Familienkonflikte im Zentrum stehen. Schillers Themen sind großartig, seine Sprache ist aber nicht einfach. Mein Problem, vielleicht eine Nachlässigkeit, bleibt immer gleich: Ich habe zwar Appetit auf "Kabale und Liebe", aber inszeniere dann doch lieber "Luisa Miller" (in Paris 2008).


Artikel erschienen am Mo, 9. Mai 2005
 

09.05.05 11:48

24466 Postings, 6064 Tage EinsamerSamariterKabale und Liebe: SchillerKino fürs TV

Kabale und Liebe: SchillerKino fürs TV

Friedrich Schiller (1759-1805)

Eigentlich hätte Haußmann das Friedrich Schillers Klassiker ?Kabale und Liebe? lieber auf der Kinoleinwand gesehen: ?Mit unserem Schiller müssten wir doch ins Kino, so wie die Engländer mit ihrem Shakespeare", sagte der jugendlich wirkende 45-jährige Erfolgsregisseur FOCUS.

Der staatstragende Sendetermin am deutschen Nationalfeiertag (3. Oktober, 3sat) kann Haußmann nicht besänftigen. Dabei wäre das deutsch-österreichische Unternehmen ohne das ZDF, das zwei Drittel des Budgets beisteuert, gar nicht auf die Beine gekommen. Dennoch zielt Haußmann aufs große, opulente Kino: ?Ich kann gar nicht anders!?

?Hang zum Trivialen?

Im idyllischen Weinviertel dreht Haußmann, im Kino erfolgreich mit einfühlsamer Ostalgie (?Sonnenallee", ?Herr Lehmann", demnächst ?NVA?), im idyllischen Weinviertel in 24 Tagen mit prominenter Besetzung Schillers ?bürgerliches Trauerspiel? ab. ?Schiller liegt mir", glaubt Haußmann. ?Er ist ein guter Geschichtenerzähler, obwohl es an der Dramaturgie gelegentlich hapert. Und er hat den Hang zum Trivialen, wie ich es liebe.? Am Theater hat er den Klassiker schon öfter mit Erfolg inszeniert.

Der Plot in einem Satz

Für ihn lässt sich der Plot von ?Kabale und Liebe? auf die berühmte Streichholzschachtel kriegen: Ein Junge und ein Mädchen aus unterschiedlicher Sozialschicht verlieben sich. Durch die Intrige der Alten sterben sie, aber mit ihrem Tod verändern sie ein Stück weit die Gesellschaft.

Inszeniert wie großes Kino

Haußmann hat seinen Film ?zu Gunsten einer filmischen Erzählweise? um drei Schauplätze erweitert. Ferdinand (August Diehl) stellt seiner Luise (Paula Kalenberg) bis in eine dämmrige Barockkirche nach. Lady Milford (Katja Flint) empfängt den Rasenden in ihrem Lustschloss bei Kerzenschein in der Badewanne. Der Präsident (Götz George) inspiziert in einem fackelbeleuchteten Keller persönlich die Folterung eines Anhängers der Revolution.

Volle Dröhnung Pathos

Würde die Geschichte im Film auch als moderner Stoff funktionieren? ?Nein, wir haben´s lange versucht", gab Haußmann zu. Jetzt bekommt die Liebe zwischen dem Bürgermädchen Luie und dem adligen Major Ferdinand das volle Pathos. ?Das Paar geht ja für uns einen Leidens- und Kreuzweg, damit wir geläutert werden", verkündet Haußmann mit schillerschem Schwung. ?Das war ja mal die Aufgabe des Theaters, die das Kino längst übernommen hat.?

Quelle: focus.de

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Der Einsame Samariter

 

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